"Vernetzte Welten": Schülerkonferenz am AFG

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Halver - Das Anne-Frank-Gymnasium Halver hat am Freitag zu der Schülerkonferenz „Vernetzte Welten – Digitale Schule, Wirtschaft, Wissenschaft“ eingeladen. Schülervertreter aus der Region wollen dabei mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nach Lösungsansätzen suchen, um das Thema Digitalisierung an Schulen zu optimieren.

Vertreten sind Schulen aus dem Märkischen Kreis – unter anderem nehmen auch die drei Lüdenscheider Gymnasien teil – und aus anderen Teilen Südwestfalens. Der Impuls zu der Konferenz, die gemeinsam mit der Südwestfalen Agentur organisiert wurde, kam allerdings vom Halveraner AFG.

Auslöser war die Teilnahme an einer Regionale 2025-Konferenz im April unter dem Titel „Impuls Digitale Bildung“, an der neben AFG-Schulleiter Paul Meurer auch SV-Sprecherin Ida Kerspe teilnahm. „Die dortige Podiumsdiskussion war eine sehr interessante Erfahrung“, berichtet Kerspe. „Mit mir waren nur ältere Vertreter aus der Bezirksregierung und von Schulleitungen auf dem Podium. Ich war die einzige Schülerin.“ Die Art, wie dort über das Thema Digitalisierung diskutiert wurde, sei sehr theoretisch gewesen. „Wir Schüler sind aber jeden Tag damit befasst“, sagt Kerspe. So sei noch auf der Rückfahrt von dieser Konferenz die Idee entstanden, selbst eine Konferenz zu organisieren. 

„Die Digitalisierung holt uns immer mehr ein“, erklärt Kerspe. „Aber es macht auch Spaß, im Unterricht mit den digitalen Möglichkeiten zu arbeiten.“ Am AFG wird nach dem Prinzip „Bring your own device“ (etwa: „Bring dein eigenes Gerät mit“) gearbeitet und die digitalen Möglichkeiten dort genutzt, wo es sinnvoll und für den Unterricht bereichernd erscheint, erklärt Schulleiter Meurer: „Wir wollen uns gegen die Wahrnehmung wehren, man könne bei der Digitalisierung weggucken und dann kommt sie nicht.“ 

Ein vierköpfiges Organisationsteam wurde gebildet, bestehend aus Kerspe, Meurer, Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur und Dr. Dirk Kleine von Microsoft, der für das AFG ehrenamtlicher Berater beim Thema „Digitales Lernen“ ist. Die Organisation sei schwierig gewesen, habe aber auch Spaß gemacht. „Man macht das nicht jeden Tag, aber es ist total spannend und man lernt sehr viel dabei“, sagt Kerspe. Eingeladen wurden neben Schülervertretungen und Schulen auch Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. 

Von der Konferenz erhoffe man sich Lösungsansätze und Projektideen für die Regionale 2025, um das Thema „Digitalisierung an Schulen“ zu optimieren, sagt Kerspe: „Wir lassen dabei das Negative im Hintergrund und zählen nicht alles auf, was nicht klappt, sondern schauen, was schon erreicht wurde und wie es sich auch an anderen Schulen umsetzen lässt.“ In mehreren Foren wird eine Bestandsaufnahme zum Stand und auch den Schwierigkeiten der Digitalisierung an den Schulen gemacht. 

Aus der Sicht von Schülern, Schulleitungen und Lehrern, als auch der Wirtschaft wird betrachtet, wie die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Wissenschaft und Wirtschaft verbessert werden kann – unter anderem auch unter der Fragestellung, wie gut die Schüler auf die Digitalisierung auch in der Ausbildung und im späteren Berufsleben vorbereitet sind. Dabei geht es für die Schüler auch um eine ganz grundsätzliche Zukunftsfrage, sagt Kerspe: „Wieso sollen wir Schüler nach dem Abi überhaupt im Sauerland bleiben?“ 

Mit Vertretern aus allen Bereichen setzt sich die Suche nach Lösungsansätzen im Anschluss an die Foren in mehreren Workshops fort. Das könne aber nur funktionieren, wenn Leute aus allen Bereichen kooperierten, sagt Kerspe. Die Resonanz auf die Konferenz ist groß. Schon über 160 Teilnehmer haben sich angemeldet, viele auch nach dem offiziellen Anmeldeschluss am 12. Oktober und es gehen immer noch weitere ein. Neben den Schulen aus der Region sind auch Unternehmen aus Südwestfalen stark verteten. Im betreffenden Forum nehmen führende Vertreter der Firmen Kirchhoff, Lumberg, Mayweg, Otto Fuchs und Turck duotec teil. Im Bereich der Lehrenden ist neben Schulleitern und Bezirksregierung auch die Universität Siegen verteten. 

Aus der Politik haben sich dagegen nur wenige Vertreter angekündigt. Halvers Bürgermeister Michael Brosch ist dabei, Angela Freimuth (FDP), die stellvertretende Landtagspräsidentin, nimmt als Schirmherrin der Veranstaltung ebenfalls teil. Der schulpolitische Sprecher der SPD im NRW-Landtag, Jochen Ott, musste wegen einer anderen Veranstaltung absagen, hat aber eine Delegation der Schule in den Landtag eingeladen, um dort die Ergebnisse der Konferenz vorzustellen. Weitere Reaktionen aus der Politik? Stellungnahmen Fehlanzeige. 

„Ich bin bestürzt, dass von den anderen Parteien, die sich auch mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen, keine Rückmeldungen kommen“, sagt Kerspe. „Es ist eine der ersten Schülerkonferenzen, die von den Schülern selbst angestoßen und geplant wird.“ Kerspe fragt sich, warum das Interesse aus der Politik so gering ausfalle, ob man die Initiative der Schüler gar ignoriere. Man brauche aber bei dem wichtigen Thema Digitalisierung auch die Unterstützung und das Interesse der Parteien.

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