Landwirte in Halver blicken auf das bisherige Jahr

Kälte im Mai: Was bedeutet das für die Landwirte?

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Vergleich 2018 und 2019: Letztes Jahr gab es Hitze und Trockenheit, dieses Jahr ist bisher viel kälter.

Halver - Das vergangene Jahr war durch eine lange Hitze- und Trockenheitsperiode im Sommer und Herbst geprägt. Das Jahr 2019 verzeichnet einen späten Sommer. Was bedeutet das für die Landwirte?

In der Folge von 2018 hatten zahlreiche Landwirte, auch in der Region, Ernteausfälle zu beklagen. Michael Loitz, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Halver, erklärt, wie das Jahr 2019 bisher für die Landwirte verlaufen ist. 

Welche Konsequenzen haben die Landwirte aus dem trockenen Jahr 2018 gezogen? Wurde etwas geändert? 

Man probiere immer mal auf einigen Flächen etwas aus, sagt Michael Loitz. „Man muss dann gucken, wie die Erträge sind.“ Angesichts des Klimawandels müssten sich Landwirte Gedanken machen, was man anders machen könne, sagt er. 

Erste Erfahrungen würden derzeit beispielsweise damit gesammelt, bei der Felderbewirtschaftung auf den Pflug zu verzichten. „Wir haben einige Flächen pfluglos bestellt, das ist eine wassersparende Bewirtschaftung“, berichtet Loitz. Beim Pflügen wird der Boden auf einer Tiefe von 25 Zentimetern nach oben gehoben. „Der trocknet dann erst richtig aus.“ Beim Grubbern dagegen werde der Boden nur im oberen Bereich durchmischt. „Die Restfeuchte bleibt noch im Boden.“ 

Da die Trockenheit im vergangenen Jahr bis in den Herbst dauerte, habe man die pfluglose Bestellung das erste Mal bei der Wintergerste ausprobiert. „Bei der Wintergerste sehe ich da bei den Erträgen keinen Unterschied“, sagt Loitz. Nun im Frühjahr habe man auch auf einigen Maisfeldern gegrubbert statt gepflügt. 

Wie war das Jahr 2019 bisher für die Landwirte im Vergleich zum Vorjahr? 

Irgendetwas zum Nörgeln gebe es immer, aber eigentlich laufe es ganz gut, sagt Michael Loitz: „Es war ein ganz gutes Frühjahr. Der erste Schnittgrasertrag war ganz ordentlich.“ Es sei mehr als 2018, als die Ernte etwas knapper ausfiel. Der neue Aufwuchs für die zweite Grasernte stehe auch schon ganz gut. „Ich denke, dass es bisher ein gutes Grasjahr ist.“ 

Hat der milde Februar Auswirkungen gehabt? 

Dadurch hätten die Bienen früh mit der Eiablage angefangen, sagt Loitz, der selbst mehrere Bienenvölker hält. „Die hatten schnell eine gute Völkerstärke und haben auch schon gut Honig eingetragen.“ Aus Sicht des Hobbyimkers könnte es also auch ein gutes Bienenjahr werden. 

Welche Folgen hatte die Kälte im Mai? 

Die Kälte Anfang und Mitte Mai sei für die Landwirte nicht so schön gewesen, sagt Loitz. „Das hat alles etwas durcheinandergepuzzelt.“ Die Maispflanzen seien dadurch momentan noch sehr klein. „Es ist halt eine Tropenpflanze, aber sie kann das noch etwas aufholen.“ Auch für Kartoffeln sei die Kälte schlecht gewesen. „Die wären erfroren“, sagt Loitz. 

Allerdings würden Kartoffeln in Halver nicht im großen Stil angebaut. Das Getreide stehe zum jetzigen Zeitpunkt dagegen recht gut. „Aber durch die Kälte hatten wir eine verkürzte Rapsblüte“, sagt Loitz. Man müsse nun abwarten, was sich in den Schoten findet. Wer Obstbäume habe, werde es aufgrund der Kälte auch schwierig haben mit einer guten Ernte, so seine Einschätzung. 

Trotzdem sagt Loitz: „Unzufrieden sind wir mit dem Verlauf des Jahres nicht.“ Wie trocken sind die Böden? „Die Wasserreserven sind noch nicht wieder aufgefüllt“, sagt Michael Loitz. Dort, wo sich auf den Feldern Quellen und nasse Stellen befinden, sei keine Feuchtigkeit vorhanden: „Da ist nichts.“ Und das, obwohl der März sehr verregnet gewesen sei. Bei einem Schauer alle paar Wochen sieht Michael Loitz allerdings kein Problem. „Aber wenn wir drei bis vier Wochen Trockenheit haben, geht es schnell, dann sind die Reserven nicht da“, erklärt er.

Eine Prognose sei schwierig, meint Loitz, denn die Erfahrung zeige, dass kein Jahr wie das andere sei. „Zwei solche Trockenheiten hintereinander sind unwahrscheinlich“, betont er. Noch sei allerdings nicht einmal das halbe Jahr vorbei. Zu diesem Zeitpunkt sei im vergangenen Jahr auch noch nicht abzusehen gewesen, was danach kam. „Wir hatten im Mai und Juni noch gewisse Regenmengen und ich habe dann bis Mitte Juli nicht gedacht, dass wir es mit Trockenheit zu tun kriegen.“ 

Dann gab es allerdings bis Mitte November schönes Wetter, das neben der Trockenheit aber auch einen positiven Effekt hatte, zumindest für diejenigen mit einer Solaranlage. „Solche Stromerträge hat hier noch keiner gehabt, das war Wahnsinn“, sagt Loitz.

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