Verkehrsunfallflucht ja oder nein?

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Vor Gericht stellte sich die Frage über die Definition von Unfallflucht.

Halver - Gegen einen Strafbefehl von 1200 Euro wehrte sich ein 39-jähriger Angeklagter aus Halver im Amtsgericht Lüdenscheid. 

Er soll am 14. Januar beim Ausparken auf einem Parkplatz an der Humboldtstraße die Stoßstange eines anderen Fahrzeugs minimal berührt und dabei einen Schaden von 200 Euro verursacht haben.

Stark verschneit sei der Parkplatz gewesen, erinnerte sich der Angeklagte im Amtsgericht. Dass der „Parksensor“ seines Autos anschlug, führte er vor Ort zunächst auf eine relativ hohe Schneewehe zurück. Doch irgendwo stand noch ein anderes Auto, an dessen Stoßstange der 39-Jährige allerdings keinen Schaden entdecken konnte. „Ich habe mein Auto und das andere begutachtet und ein Foto gemacht“, erklärte er im Amtsgericht. 

Er habe nichts feststellen können und sei daraufhin abgefahren. Zwei Wochen später meldete sich die Polizei wegen einer angeblichen Verkehrsunfallflucht und bezifferte den Schaden auf die vergleichsweise winzige Summe. Der Angeklagte bezweifelte, dass dieser Schaden durch sein Auto entstanden war. Auch der Vergleich der Höhen der beteiligten Stoßfänger ergab nicht zwingend den Schluss, dass er den Schaden verursacht hatte. 

Der Angeklagte räumte aber ein, dass er vor Ort hätte bleiben müssen, bis die Sache umfassend geklärt war. Richter Andreas Lyra erklärte die Voraussetzungen dafür, dass sich ein Autofahrer nach so einer Geschichte entfernen darf: „Wenn man nichts gesehen hat, ist es keine Unfallflucht.“ Da der völlig unbescholtene Familienvater aber möglicherweise einmal zu wenig hingeschaut hatte, gab es keinen Freispruch. Stattdessen wurde das Strafverfahren vorläufig eingestellt. 

Nach Zahlung einer Geldbuße von 700 Euro zugunsten der Stiftung Lebenshilfe ist die Sache endgültig vom Tisch.

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