Verkehrssicherheit bei Bäumen: Infos gefragt

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Zahlreiche Halveraner waren am Freitagabend in die Gaststätte „Zur Neustadt“ gekommen.

Halver - Wer haftet, wenn ein Baum bei Sturm auf das Nachbargrundstück fällt? Wie oft müssen Bäume kontrolliert werden? Wann muss ein Fachmann zurate gezogen werden? Mit rechtlichen Fragen rund um die „Verkehrssicherheit bei Bäumen – Bäume pflegen oder fällen?“ befasste sich am Freitag der örtliche Baumverein bei einer gut besuchten Info- und Diskussionsveranstaltung in der Gaststätte „Zur Neustadt“.

Als Fachmann stand der Diplom-Forstwirt Thomas Bette Rede und Antwort. Auf was es zu achten gilt, woran man erkennt, dass von einem Baum Gefahr ausgeht und vieles mehr erfuhren die Besucher anhand eines Bildervortrags mit zahlreichen Szenarien. „In Deutschland gibt es kein Baumgesetz, in dem alles geregelt ist“, erklärte Bette. „Es gibt unterschiedlichste Rechtsquellen.“ Vielfach würden Fälle durch Einzelurteile geregelt.

Auf das in diesem Zusammenhang bekannt gewordene Kastanienbaumurteil, in dem es um den Schadensersatzanspruch für einen zerstörten Kastanienbaum ging, kam er zu sprechen. Gleichsam als „Bibel der Baumpflege“ stellte er die Baumkontrollrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) vor. Demnach muss ein junger, gesunder Baum bei geringer Verkehrserwartung alle drei Jahre, ein alter Baum bei hoher Verkehrserwartung jährlich kontrolliert werden.

Erhöhte Kontrollpflicht hängt vom Standort ab

Diplom-Forstwirt Thomas Bette führte durch den Abend.

Wenn ein Baum, der regelmäßig kontrolliert wird, bei Sturm umfällt, sei das höhere Gewalt und der Baumbesitzer nicht schuldig. Eine erhöhte Kontrollpflicht sei vom Standort des Baumes abhängig. „Bei höherer Gewalt haftet niemand.“ Wichtig dabei: „Wenn man selbst kontrolliert, muss man die Ergebnisse auch selbst dokumentieren.“ Bei Baumunfällen werde in der Regel geprüft, ob ein fahrlässiges Verhalten vorliegt. Als Regelkontrolle gelte dabei die Sichtkontrolle durch fachlich qualifizierte Inaugenscheinnahme vom Boden aus.

Experte spricht sich gegen Kappung aus

Anhand von Bildern ging der Diplom-Forstwirt auf die wichtigsten Schadenssymptome bei Bäumen ein. Auf Faulstellen und Faulherde, das Auftreten von Pilzfruchtkörpern, Risse, Totholz in der Krone, Kappstellen und andere „verdächtige Umstände“ kam er zu sprechen. „Es ist nicht so, dass Bäume, die keine Blätter mehr verlieren, sicherer sind.“ Vehement sprach er sich gegen die Kappung von Bäumen aus. „Egal, wie das Problem aussieht, die Fällung ist besser als das.“

Schnittkurse für Obstbäume bietet der Verein am 5. und 12. März an. Anmeldungen nimmt Brigitta Helfrich (Vorsitzende) unter Tel. 0 23 53 / 22 22 entgegen.

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