Drei Angeklagte hören ihr Urteil

Urteil im Banden-Prozess: Von Gefängnis bis Drogentherapie ist alles dabei

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Urteil gesprochen: Am Landgericht Hagen fand am Montag der letzte Prozesstag statt.

Halver/Altena - Ein Corona-Verdachtsfall bremste das Strafverfahren gegen drei Angeklagte aus Halver und Altena im Landgericht Hagen vor einigen Wochen aus. Am Montag wurde nun das Urteil gesprochen.

Mit der Urteilsverkündung ist im Landgericht Hagen der Prozess gegen drei Angeklagte aus Altena und Halver zu Ende gegangen. Der 22 Jahre alte Haupttäter muss für fünf Jahre und acht Monate ins Gefängnis, wenn er seine zweijährige Drogentherapie in einer geschlossenen Entzugsklinik nicht durchsteht. Sonst muss er nach zehn Monaten Haft und der Therapiezeit nochmals zurück in eine Justizvollzugsanstalt. 

Mit diesem Urteil gegen den Altenaer, das die 6. große Strafkammer des Landgerichts wegen zehn zumeist schwerer Einbruchdiebstähle und einer schweren räuberischen Erpressung verhängte, gingen die Richter noch über den Strafantrag von Staatsanwalt Jörn Esken hinaus, der eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten beantragt hatte. Die Richter ahndeten die schwere räuberische Erpressung eines Altenaer Geschäftsmannes mit einer Einsatzstrafe von drei Jahren. 

Drohungen erhöhen Strafe

Erheblich zu Buche schlug dabei die Drohung mit Kerlen aus dem Dortmunder Norden, die man dem Opfer der Erpressung auf den Hals hetzen würde. Am Anfang der räuberischen Erpressung, die zur Zahlung von 4900 Euro führte, stand die Drohung mit einer sexuellen Denunziation. Die Freundin des 22-jährigen Angeklagten stand bereit, um die Geschichte von einer erfundenen sexuellen Nötigung zu verbreiten. Die beiden Mitangeklagten wurden für ihre Beihilfe zur Vorbereitung dieser Erpressung verurteilt. 

Der 25-jährige Halveraner kam mit einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten davon. Die Kammer hielt seine Beteiligung an fünf schweren Einbruchdiebstählen für erwiesen. Er bekommt ohne Wartezeit in einer gewöhnlichen Haftanstalt die Chance, nach einer zweijährigen Therapie in einer Drogenentzugsanstalt auf Bewährung entlassen zu werden. 

Bruder des Haupttäters ist vorbestraft

Der 28-jährige Bruder des Hauptangeklagten hatte zwei Bewährungsstrafen mit ins Landgericht gebracht, was eine weitere Bewährungsstrafe in unerreichbare Ferne rückte. Er muss für einen Hauseinbruch und seine Beihilfe zur räuberischen Erpressung für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. 

Im Plädoyer für den 22-jährigen Hauptangeklagten bestätigte Verteidiger Friedhelm Wolf einen Eindruck von seinem Mandanten, der sich im Laufe des aufwändigen Strafprozesses immer wieder auch im Gerichtssaal gezeigt hatte: „Für einen Erwachsenen ist es erschreckend, mit welcher Leichtigkeit der Angeklagte durch’s Leben geht. Für ihn scheint alles nur ein Spiel zu sein.“ Der Anwalt schüttelte vor dem Gerichtssaal den Kopf, wie jemand kurz nach der Vollendung des 21. Lebensjahres, also mit der vollen ungeminderten Strafmündigkeit, eine solche Serie von Straftaten hinlegen kann. 

Keine Einsicht bei einem der Täter

Zum überraschend heiteren Gemüt des 22-Jährigen passte seine Stellungnahme zur aktuellen Situation: „Was soll schon passieren? Ich sitze meine Strafe ab und gut is’. Sein letztes Wort war entsprechend flapsig: „Is’ alles gut.“ Staatsanwalt Jörn Esken sah das anders: Der 22-Jährige habe durch das Strafverfahren überhaupt nichts dazugelernt, stellte er fest. Mit seinem von der Gefängnisverwaltung abgefangenen Brief, der finanzielle Forderungen gegen eine Frau mit Drohungen verband, habe er eine weitere Straftat begangen.

Mit dem Urteil sind beträchtliche finanzielle Forderungen an die drei Angeklagten verbunden. Im Fall des Hauptangeklagten summieren sich diese auf einen Betrag von fast 71 000 Euro. Für Beträge von rund 15 000 und 20 000 Euro aus dieser Summe sollen auch die beiden Mitangeklagten geradestehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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