Urteil trotz hartnäckigen Leugnens

- Symbolbild dpa

Halver - Der Beweis gilt als erbracht, die Schuld als erwiesen, Leugnen zwecklos: Der arbeitslose 28-Jährige wird als Einbrecher verurteilt. 1350 Euro Geldstrafe. Die Ermittler haben eine einzige Spur am Tatort entdeckt.

Von Olaf Moos

Die Zigarettenkippe reicht den Juristen als Indiz aus. Sie liegt an der Thomasstraße senkrecht unter einem Bürofenster, das der Täter aufgebrochen hat – und trägt die DNA des Angeklagten. Der fragt: „Na und?“ Schließlich wohnt er im selben Haus. Und sagt, er habe in seiner Dachwohnung geraucht und die Kippe aus dem Fenster geworfen.

Die Polizisten im Zeugenstand können nicht viel zur Wahrheitsfindung beitragen. Sie haben am 19. November 2012 lediglich festgestellt, dass drei Monitore, vier Computer und ein Laptop fehlen. Und dass da die Kippe liegt. Wenn sie wirklich in hohem Bogen aus dem Dachfenster geflogen ist, sei es „sehr unwahrscheinlich, dass man sie dorthin befördern kann“, sagt ein Beamter. So nah an die Wand. Aber er schränkt auch ein: „Na ja, vielleicht hat es auch Wind gegeben.“

Oder eine andere entlastende Möglichkeit. Der Angeklagte wird lauter: „Wenn ich über den Hof gehe, um den Müll rauszubringen, schnipse ich auch schon mal eine Kippe weg.“ Er habe nur die Zigarette rausgeschmissen, „und das war’s eigentlich schon“.

Doch die Tatsache, dass seine DNA schon längst gespeichert ist, spricht nicht gerade für ihn. Dafür ist sein Vorstrafenregister leer. Andererseits sagt ein Polizist am Rande des Prozesses: „Den begleite ich doch schon seit acht Jahren.“

Andere Punkte aus der Beweisaufnahme weisen eher darauf hin, dass weder Strafrichter Thomas Kabus noch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erfahrene Raucher sind. Auf dem Hof eine Kippe von den Mülltonnen bis zur Hauswand drei, vier Meter zu schnipsen oder werfen zu können, das hält Kabus für „ausgeschlossen“, die Anklägerin für „unwahrscheinlich“. Und: Es sei nur dieser einzige Stummel gefunden worden. Ob auf dem Hof ab und zu gefegt wird, hat wohl niemand ermittelt.

Der Verurteilte ist sauer. Er verlässt den Gerichtssaal und geht eine Etage höher ins Geschäftszimmer – Berufung einlegen.

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