Umfassende Beichte

Urteil nach "unsinnigen Taten": 31-Jähriger durchlebt große Wandlung

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Halver/Lüdenscheid - Ein 31-Jähriger aus Halver machte trotz Bewährung mit Straftaten weiter. Die Folge ist groß. 

Fünf Scheinverkäufe über eine Internet-Plattform, eine Taxifahrt mit anschließender Flucht, zweimal Fahren ohne Fahrerlaubnis – es kam Einiges zusammen beim Strafverfahren gegen einen 31-jährigen Angeklagten, der im Januar und Februar 2018 nicht vorhandene Waren von Halver aus anbot und die Fahrt mit einem Taxi von Lüdenscheid nach Halver nicht bezahlte. 

Dazu drohte im Amtsgericht Lüdenscheid zusätzlich die Vollstreckung einer zur Bewährung ausgesetzten einjährigen Haftstrafe, die der Angeklagte für 17-fachen Computerbetrug kassiert hatte. „Sie standen unter laufender Bewährung. Das ist jetzt ein bisschen viel“, fasste Richter Andreas Lyra die Ausgangslage zusammen. 

Umfassende Lebensbeichte

Doch es kam alles ein bisschen anders, und das lag an einer umfassenden Lebensbeichte und der Aussicht, als Bürger von Meinerzhagen beruflich endgültig Tritt zu fassen. Doch zunächst hatten seine Lebensumstände recht finster ausgesehen: „Ich war von meiner Freundin getrennt, ohne Wohnsitz und musste irgendwie an Geld kommen“, begründete der 31-Jährige seine betrügerischen Warenangebote. 

Für Einzelpreise bis zu 450 Euro bot er I-Pads, eine X-Box, eine 3-D-Brille und ein I-Phone an, ließ sich insgesamt 1205 Euro überweisen und lieferte anschließend nicht. In den frühen Morgenstunden des 7. April 2018 ließ er sich von einem Taxi in sein damaliges Zuhause in Halver fahren. „Ich bin aus dem Taxi ausgestiegen und abgehauen“, erinnerte sich der Angeklagte, wie er den Fahrer um den Fahrpreis von 39 Euro brachte. „Ich war alkoholisiert und hatte kein Geld dabei.“ 

"Ich habe in meinem Leben viel Blödsinn gemacht"

Auch zwei Fahrten ohne Fahrerlaubnis gab er zu. „Ich habe in meinem Leben viel Blödsinn gemacht“, fasste er dazu eine Reihe weiterer Straftaten zusammen, die ihn schon mehrfach vor Gericht gebracht hatten. 

Am Ende dieser schwierigen Lebensphase, in der ihn auch seine Mutter schließlich nicht mehr in ihrem Haushalt duldete, stand eine vierwöchige Krankenhausbehandlung wegen Angstzuständen und Depressionen. 

Danach ging es offenbar steil aufwärts: Ein gut bezahlter Job in Meinerzhagen bot eine berufliche Perspektive, eine neue Freundin half bei der Stabilisierung des Privatlebens. „Es ist jetzt alles so, wie es sein soll“, fasste der 31-Jährige seine derzeitige Situation zusammen. 

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft wollte dem Angeklagten die große Wandlung nicht abnehmen und blieb skeptisch. Er beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten – ohne Bewährung. Verteidiger Gerrit Wolf sprach von zwei Angeklagten gleichen Namens, die er kennengelernt habe. Dem einen sei es egal gewesen, ob er in den Knast geht oder nicht. Bei dem zweiten könne man berechtigte Hoffnung haben, dass er endgültig die Lebenskurve kriege. 

Eindeutige Aktenlage

Richter Andreas Lyra schloss sich dieser Einschätzung an: „Glücklicherweise gibt es auch bei Gericht kein einfaches Schwarz und Weiß“, wies er auf den Unterschied zwischen scheinbar eindeutiger Aktenlage und dem stark veränderten Auftreten des Angeklagten hin. „Es scheint im Moment eine gewisse Wendung eingetreten zu sein.“ 

Er verurteilte den 31-Jährigen für eine Reihe „ziemlich unsinniger Taten“ zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte den geschädigten Internet-Kunden innerhalb von vier Monaten den angerichteten Schaden erstatten.

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