Unverpackt einkaufen an der Heesfelder Mühle

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Halver  - Der erste Unverpackt-Laden in der Region hat eröffnet. Zur Genussmühle an der Heesfelder Mühle können Kunden ihre eigenen Taschen und Vorratsgläser mitbringen und plastikfrei einkaufen. Darüber hinaus sind alle Produkte regional, Bio und von vorab besuchten Bauernhöfen. Wer genau wissen will, wo die Produkte herkommen, kann die Produzenten besuchen und sich selbst davon überzeugen, dass Tierwohl und Qualität an erster Stelle stehen.

Schon seit 25 Jahren existiert an der Heesfelder Mühle ein kleiner Bioladen. Aber Bio-Produkte allein reichten nicht mehr aus, um ausreichend Kunden anzulocken. Der Laden schrieb rote Zahlen. „Uns war klar, dass wir etwas ändern müssen“, sagt Robin Brunsmeier von der Heesfelder Mühle. 

Anfang Mai eröffnete die Genussmühle und verfolgt ein neues, innovatives Konzept. Es setzt auf verpackungsfreies Einkaufen und regionale Produkte, die zum größten Teil Bio sind. „Die Heesfelder Mühle befindet sich in einem Naturschutzgebiet und auch deshalb möchten wir Bio-Produkte aus der Region fördern“, sagt Brunsmeier.  Mit dem verpackungsfreien Einkaufen wird auch automatisch der Umweltschutz gefördert. Denn über 40 Prozent des Wegwerf-Plastiks wurden nur ein einziges Mal genutzt – meist nur für wenige Minuten. Verpackte Lebensmittel machen einen großen Teil davon aus. 

Bevor Produkte in das Sortiment der Genussmühle aufgenommen werden, schauen sich Teresa Schabo und Robin Brunsmeier die Betriebe persönlich an. Dabei legen sie vor allem Wert darauf, dass Tiere gut gehalten werden. Die Käserei sei zum Beispiel nicht Bio-qualifiziert, aber die Kühe stehen auf Wiesen inmitten eines Naturschutzgebietes und werden mit selbst hergestelltem Futter gefüttert. „Die Bio-Qualifizierung ist dem Betrieb zu teuer, aber die Produkte sind trotzdem in Bio-Qualität und die Kühe stehen die meiste Zeit auf einer Weide“, sagt Teresa Schabo. So kommen auch die Eier von einem Hof mit freilaufenden Hühnern, der von der Mühle aus fußläufig erreicht werden kann.

Von dem alten Laden konnte viel übernommen werden. So werden Regale, Kühltheke und eine Getreidemühle von der Genussmühle weitergenutzt. Neu angeschafft wurden aber die großen Zapf-Behälter, aus denen die Kunden Nudeln, Reis, Cerealien, Nüsse und vieles mehr in ihre mitgebrachten Dosen und Gläser abfüllen können. Zur Genussmühle werden die Produkte in 25-Kilo-Säcken angeliefert, so dass es an die Kunden unverpackt weitergegeben werden kann. „Viele Kunden bekommen leuchtende Augen, wenn sie hereinkommen und die Produkte in den Behältern sehen“, erzählt Robin Brunsmeier. 

„Eigentlich bekommt man bei uns alles – und was wir nicht haben sollten, können wir bestellen“, sagt Schabo. Bei den Behältern mit verschiedenen Körnern können Kunden mit der Getreidemühle ihr Mehl selbst herstellen. In der Frischetheke liegen Käse, Wurst und Oliven. Fleisch muss vom Kunden vorab bestellt werden und wird dann vom Bio-Bauern geliefert. An einem großen Behälter kann Olivenöl gezapft werden und gleich daneben stehen Kaffeebohnen und Tee. Selbst Süßigkeiten können in der Genussmühle unverpackt gekauft werden: Eine Bio-Schokoladenfabrik verkauft ihre Bruchschokolade, und schmelzt sie nicht immer wieder ein, wie viele andere Hersteller das machen. Für wenig Geld kann der Kunde zwischen verschiedenen Sorten wählen und sie in einer Papiertüte transportieren. Auch die Biogurke wird hier nicht in Plastik verpackt. Sie liegt lose neben größtenteils saisonalem Obst und Gemüse, das nicht perfekt geformt sein muss, sondern Bio und frisch. Der entsprechende Großhändler liefere seine Produkte aus Prinzip nicht an Supermarktketten, um kleine Hofläden zu unterstützen. Neben Butter, Milch und Joghurt haben auch spezielle vegane Produkte ihren Platz. 

Nur wenige Einzelteile sind noch verpackt. Entweder sind es Reste aus dem vorherigen Laden oder Alternativen wurden noch nicht gefunden. Ziel ist es aber, innerhalb der nächsten Zeit alles komplett unverpackt anbieten zu können und das regionale Sortiment noch weiter auszubauen. Es erweist sich als schwierig bis nahezu unmöglich, in einem herkömmlichen Supermarkt einzukaufen, ohne Müll mit nach Hause zu nehmen. Wer zur Genussmühle Beutel und Gefäße mitbringt, kann seinen Einkauf Zuhause direkt in den Schrank stellen. 

In größeren Städten sind solche Geschäfte schon etabliert und zentrumsnah. Für Kunden, denen der Weg zur Genussmühle zu weit oder umständlich ist, gibt es einen Lieferservice. Mit der Genussbox bekommt der Kunde entweder eine Box auf Wunsch angefertigt oder er lässt sich überraschen, welche Lebensmittel von den Mitarbeitern eingepackt werden. Die Genussbox wird einmal die Woche in die jeweiligen Städte geliefert. Bestellen kann man sie per Telefon und demnächst auch online. 

Die regulären Öffnungszeiten der Genussmühle sind Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr. Um die Kapazitäten noch mehr auszudehnen, werden noch weitere Mitarbeiter gesucht, die von dem Konzept der Genussmühle genauso überzeugt sind, wie die Betreiber.

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