Agilis und Stadtverwaltung im Clinch

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Dunkle Wolken über der Karlshöhe: Verhältnis zwischen Stadt und Agilis gilt derzeit als angespannt. ▪

HALVER ▪ Der 16. September 2011 ist vielen Sportbegeisterten in Halver in bester Erinnerung: Es war der Tag, an dem der rundum erneuerte Franz-Dobrikat-Sportplatz offiziell eröffnet wurde. Dass die Stadt als Grundstückseigentümer und die Agilis Sport GmbH als Betreiber bis zur Vertragsunterzeichnung nicht immer einer Meinung gewesen waren, wurde bereits damals deutlich. Doch ein Jahr später haben sich die Fronten weiter verhärtet.

Agilis-Geschäftsführer Dieter Hoffmann bestätigte auf AA-Anfrage, dass Stadt und Betreiber in zwei Punkten uneinig seien: Zum einen geht es demnach um einen Gasliefervertrag, den die Stadt vor sechs Jahren mit dem Energiekonzern RWE geschlossen hat. Darin ist geregelt, dass sich Halver an der Karlshöhe zur Abnahme einer gewissen Gasmenge bis ins Jahr 2021 verpflichtet. Bestandteil dieses bei Kommunen beliebten „Contractings“ sind auch die Installation und Wartung einer neuen Heizungsanlage durch den Lieferanten.

„Wir haben uns das jetzt ein Jahr lang angesehen und festgestellt, dass uns die Heizung fast die Hälfte unseres Budgets kostet“, sagt Dieter Hoffmann, der daher nach alternativen Möglichkeiten der Wärmegewinnung Ausschau hielt. Und er wurde fündig: Vor etwa einem Monat habe die Agilis Sport GmbH einen Flüssiggastank für den Umkleide- und Duschbereich der Sportanlage installieren lassen. „Die andere Heizung haben wir abgeklemmt“, so der Agilis-Geschäftsführer. Für ihn ist die Gasversorgung dieses separaten Gebäudes – vor dem Sportplatzeingang rechter Hand gelegen – kein Bestandteil der Überlassungsvereinbarung zwischen Stadt und Betreibergesellschaft.

Hoffmann räumt jedoch ein, dass Kämmerer Markus Tempelmann das anders sieht und eine Konventionalstrafe seitens RWE befürchtet. Eine Summe, die die Stadt wohl nicht selber tragen, sondern an die Agilis GmbH weiterreichen will. Dieter Hoffmann zeigt sich angesichts dieser Meinungsverschiedenheit jedoch entspannt: Er verstehe, dass sich die Stadt schadlos halten will, doch sei es seine Aufgabe, die Vereine vor finanziellen Belastungen zu schützen. „Wir stehen in Verhandlungen mit dem Kämmerer und wollen natürlich eine einvernehmliche Lösung“, sagt Hoffmann. Trotz allen bürokratischen Ärgers ist er von der Flüssiggaslösung bis jetzt überzeugt: „Es war die beste Investition, die wir machen konnten.“ So habe man die Heizkosten um 50 Prozent senken können.

Allerdings steht die Agilis Sport GmbH nicht nur aufgrund des vermeintlichen Vertragsbruches im Fokus der Stadtverwaltung: Ein weiterer Grund für die Missstimmung ist die Abholzung mehrerer Bäume im nahen Umfeld der Sportanlage. Wie es heißt, seien mehr als 40 Bäume gefällt worden, ohne dies zuvor mit der Stadt abgestimmt zu haben. „Die Bäume waren schlichtweg nicht verträglich mit dem Kunstrasen“, erklärt Dieter Hoffmann, der auch bestätigte, dass ein Ausgleichsanspruch angemeldet worden sei. Nach AA-Informationen handelt es sich um insgesamt 15 000 Euro, die in fünf Jahresraten gezahlt werden sollen – es sei denn, die Betreibergesellschaft sorgt zeitnah für eine entsprechende Ersatzbepflanzung. Da ihm der nichtöffentlich gefasste Ratsbeschluss zum Thema noch nicht vorliege, wollte sich Dieter Hoffmann dazu jedoch vorerst nicht detaillierter äußern.

Kämmerer Markus Tempelmann wollte zu den aktuellen Meinungsverschiedenheiten auf AA-Anfrage keine Stellung nehmen und verwies auf die Verschwiegenheit, die in den Gremien beschlossen worden sei. Von Frank Zacharias

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