Sorge um Arbeitsplätze

800 Mitarbeiter im MK! Gerüchte über Verlagerung nach Polen - das sagt der Chef

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Der Halveraner Standort ist gesetzt: Fertigung und Produktion der Firma Turck am Kirchlöher Weg in Halver.

Halver - Der Standort Halver gilt innerhalb der Turck-Gruppe als gesetzt. Beim Geschäftsmodell wird es zu Veränderungen kommen. „Es gibt aber noch keine Planungen, Leute zu entlassen“, sagt der zunächst für ein Jahr bestellte Geschäftsführer Joachim Göddertz.

Über die strategische Ausrichtung der weltweit 4800 Mitarbeiter starken Gruppe mit 800 Beschäftigten allein in Halver und die möglichen Auswirkungen auf diesen Standort sprachen Joachim Göddertz und Personalleiter Sascha Bauer mit unserer Zeitung. Anlass dafür waren jüngst öffentlich gewordene Befürchtungen aus der Belegschaft, dass die Produktion ganz oder in wesentlichen Teilen nach Polen ins neue Werk in Lublin ausgelagert werden könnte.

Richtig sei, dass Halver innerhalb des Unternehmensverbundes auch zukünftig eine Schlüsselrolle für die Entwicklung von industrieller Automatisierungstechnik einnehmen wird. Diese Produkte und Produktionslösungen werden dann in der Folge in internationalen Märkten an vorhandenen und möglichen neuen Produktions-Standorten zum Einsatz kommen.

Werk in Halver bleibt bestehen

Zuständig bleibe das Werk in Halver zudem für die Fertigung anspruchsvoller Komponenten, die in geringeren Stückzahlen und speziell auf Kundenwünsche zugeschnitten seien. Das erforderliche Know-how sei in Halver vorhanden und historisch gewachsen, erläuterte Göddertz die Pläne, die in Abstimmung zwischen der Geschäftsführung und den Gesellschaftern gereift seien. Die Massenfertigung mit niedrigeren Lohnkosten werde mit deutscher Turck-Technologie aber zukünftig in direkter Nähe der Märkte stattfinden. 

Umbauphase in Halver von rund drei Jahren

Göddertz geht von einer Umbauphase in Halver von etwa drei Jahren aus. Mit der Neustrukturierung der Produktionsaktivitäten innerhalb Europas sollen sich uneffektive und teure Logistikwege sowie die Abhängigkeiten von Wechselkurseffekten reduzieren. In diesem Zusammenhang werden auch Produkte aus Asien zurück nach Europa verlagert. Kerngedanke sei, die globale Ausrichtung weiterzuentwickeln, sagte Göddertz. 

Joachim Göddertz, Interims-Geschäftsführer der Firma Turck.

Für den Markt in Nordamerika sei Turck mit der Fertigung in Mexiko und den USA bereits sehr gut aufgestellt. Mit der neuen Produktionsanlage in Polen gelte dies nun auch für Europa. Handlungsbedarf sehe man noch für Asien insbesondere mit dem chinesischen Markt. Die neue Ausrichtung garantiere eine größere Marktnähe durch lokale Produktionseinheiten.

In einer immer schneller reagierenden Wirtschaft „können wir nicht alles auf Schiffen um die Welt fahren“, so Göddertz. Kunden hielten in der Regel keine Lagerkapazitäten vor, erwarteten aber kurze Reaktionszeiten, die mit langen Transportwegen nicht realisiert werden könnten. Die Neuausrichtung bedeute allerdings eine Herausforderung für die gesamte Gruppe. 

Hoher Anteil an Leiharbeit

In personeller Hinsicht setze Turck in Halver seit Beginn dieses Jahres verstärkt auf einen hohen Anteil von Leiharbeit, um flexibel auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können, sagt Personalchef Bauer. Zudem gehe es darum, qualitativ zu Verbesserungen zu kommen. Das geschehe unter anderem über Schulungen vorhandenen Personals wie auch die Gewinnung neuer Fachkräfte. 

Sascha Bauer, Personalleiter der Firma Turck.

Statt eines Personalabbaus könne es temporär durchaus zu Zuwächsen kommen, wobei der weltweite Konjunkturverlauf eine kaum vorhersehbare Variable bedeuten könne. Den Mitarbeitern sei die Neuaufstellung in zwei Firmenveranstaltungen und einer Versammlung auf Einladung des Betriebsrates erläutert worden. 

Prozess der Kommunikation im Unternehmen

Der Prozess der Kommunikation laufe unabhängig davon aber auch über kleinere Gruppen, die Fragenkataloge, aber auch Vorschläge in die Gespräche einbrächten. Er verspüre eine große Bereitschaft sich einzubringen, gibt Göddertz seine Einschätzung wieder. 

Parallel zum Umbau betreibt Turck in Halver die logistische Entflechtung zwischen den beiden Geschäftsfeldern der Turck duotec GmbH und der Werner Turck GmbH & Co KG. Turck duotec ist innerhalb der Turck-Gruppe ein eigenständiger Elektronikdienstleister, der die Ressourcen der Schwester-Unternehmen nutzt. Wenn beide Unternehmen wachsen und sich entwickeln wollten, müssten beide Bereiche zukünftig sauber getrennt werden.

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