Bezirksschornsteinfeger rät zu Kohlenmonoxid-Meldern

Bei einem Kaminbrand, wie hier in der Kathrineholmstraße, wird Kohlenmonoxid freigesetzt. ▪

HALVER ▪ Die Meldungen von Kohlenmonoxid-Unfällen häufen sich: In der vergangenen Woche starben in Hamm zwei Menschen, nachdem sie das gefährliche Gas eingeatmet hatten, am Wochenende kam es zu einem Zwischenfall in Lüdenscheid, der für alle Beteiligten glimpflich endete, am Dienstag kam eine 72-jährige Dortmunderin durch eine erhöhte CO-Konzentration ums Leben. Auch bei der Halveraner Feuerwehr ist Kohlenmonoxid, der Fachmann spricht von Kohlenstoffmonoxid, ein Thema – aber nicht nur aufgrund der aktuellen Vorfälle.

„Kohlenstoffmonoxid ist das Produkt jeder unvollständigen Verbrennung und daher natürlich ein Thema in jeder Ausbildung zum Feuerwehrmann oder zur Feuerwehrfrau“, sagt Stadtbrandinspektor Stefan Czarkowski im Gespräch mit dem AA. Defekte Heizungsanlagen machten da nur einen sehr geringen Teil der Gefahrenfälle aus. Kaminbrände wie zuletzt an der Kathrineholmstraße seien die häufigeren Kohlenmonoxidquellen – die bei Nicht-Entdeckung tödlich sein können.

Das Tückische: Kohlenmonoxid ist nicht nur unsichtbar, sondern zudem geruchslos (siehe Info-Kasten). Ein handelsüblicher Rauchmelder schlägt bei einer erhöhten CO-Konzentration nicht Alarm. „Die normalen Melder funktionieren über eine Diode, die Lichtimpulse sendet und an der Reflexion nur Rauch oder Qualm erkennt“, erklärt Stefan Czarkowski. Natürlich sind auch spezielle Kohlenmonoxid-Melder im Handel erhältlich – doch die sind teurer als die klassischen Rauchmelder: Die gibt es schon ab 5 Euro, während für Kohlenmonoxid-Melder mindestens das Fünffache fällig wird, gute Melder kosten schnell 70 Euro. „Aber sie sind sinnvoll“, sagt Bezirksschornsteinfegermeister Hans-Eberhard Kopp. Als vereidigter Sachverständiger für das Schornsteinfegerhandwerk in Südwestfalen hat er immer wieder mit dem Thema zu tun und weiß daher auch, dass viele Betreiber von Heizungsanlagen am falschen Ende sparen wollen – nämlich an der Sicherheit. „Am Besten sollten Anlagen jährlich gewartet werden. Sowohl Schornsteinfeger als auch Heizungsmonteure sind kompetente Ansprechpartner.“ Doch stelle er eine immer geringere Bereitschaft zu regelmäßigen Wartungen fest. „Die Leute haben für alles Geld, es muss aber fürs Richtige ausgeben werden“, weiß er um die Bedeutung von Sicherheitstechnik. Allerdings betont der Schornsteinfeger im Gespräch mit dem AA, dass auch das extrem kalte Wetter einen Anteil an den jüngsten Unfällen gehabt habe. „Da kommt immer eine Vielzahl von Faktoren zusammen.“

Sicherheit biete letztlich eben nur ein CO-Warnmelder – dabei scheuen viele Menschen bereits den Kauf eines normalen Rauchmelders, zu dem die Feuerwehren bekanntlich ebenfalls seit Jahren raten. So erinnert Stefan Czarkowski an den schweren Brand im vergangenen Jahr an der Eichendorffstraße: „Dort hat ein Rauchmelder Leben gerettet.“ Der Stadtbrandinspektor bedauert, dass solche Melder bauordnungsrechtlich in Nordrhein-Westfalen noch nicht vorgeschrieben sind – hofft jedoch auf eine entsprechende Gesetzesnovelle noch in diesem Jahr. Und auch eine CO-Melder-Pflicht werde irgendwann einmal kommen, ist Eberhard Kopp sicher. „Dieser gibt Warnsignale ab, bevor die Kohlenmonoxidbelastung in den gefährlichen Bereich geht“, sagt der Schornsteinfegermeister. ▪ Frank Zacharias

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