Unrühmlicher Spitzenplatz

Auch die Erneuerung des Kanalnetzes nennt die Stadt als Grund für Preiserhöhungen.

HALVER ▪ Auf diesen Spitzenplatz hätten Halvers Stadtverantwortliche wohl gerne verzichtet: Zum 20. Mal in Folge hat der Bund der Steuerzahler NRW die Abwassergebühren aller 396 Kommunen im Land verglichen. Das Ergebnis: Nur in 17 Städten und Gemeinden müssen die Bürger mehr für ihr Abwasser zahlen als in Halver.

Insgesamt, so hat der Bund der Steuerzahler errechnet, muss ein Vier-Personen-Haushalt in Halver in diesem Jahr 1000,20 Euro für die Abwasserentsorgung zahlen. Dem zugrunde liegt ein Frischwasserverbrauch von 200 Kubikmetern sowie 130 Quadratmeter vollversiegelte Grundstücksfläche pro Haushalt. Damit ist das Abwasser nirgends im Märkischen Kreis teurer als in Halver. Zum Vergleich: Die kreisweit zweitplatzierte Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde fordert laut Steuerzahlerbund 982,20 Euro für die entsprechende Menge, das drittplatzierte Meinerzhagen 937 Euro. In der Nachbarstadt Kierspe werden 885,80 Euro fällig.

Dass es auch weitaus niedrigere Gebührensätze gibt, beweist die Gemeinde Schalksmühle: Dort belaufen sich die Kosten für den zugrunde gelegten Musterhaushalt auf nur 683,80 Euro, beim Schlusslicht im Kreis, Iserlohn, sogar auf nur 552,40 Euro.

So deutlich die nun vorgelegte Statistik die Unterschiede in Sachen Abwassergebühr auch darstellt, so wenig überrascht zeigt sich Bürgermeister Dr. Bernd Eicker von der Tabelle. „Die Summe hat ihren Grund“, so Eicker, „wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in die Kanäle getätigt.“ Unter anderem erinnert er an den Ausbau und die Erneuerung des Netzes in Schwenke und Anschlag, in Halverscheid und Glörfeld oder an die Maßnahme entlang der Heerstraße. „Wir mussten das aus rechtlichen Gründen anpacken.“ Wegen der ländlichen Strukturen seien mitunter weite Wege für den Abwassertransport notwendig – wodurch die Investitionskosten vergleichsweise höher lägen. Dass die Gebühr in Halver in diesem Jahr um 8,7 Prozent über der des Vorjahres liegt – 2010 belief sie sich für einen vergleichbaren Haushalt auf 920 Euro – sei auch Folge der vom Stadtrat beschlossenen höheren Eigenkapitalverzinsung, die laut Steuerzahlerbund aktuell bei 7,15 Prozent liegt.

Auch Helmut Crestani sieht die nun veröffentlichte Auflistung kritisch: „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt der Mitarbeiter des Fachbereichs „Zentrale Dienste und Finanzen“ angesichts der schwer vergleichbaren Rahmenbedingungen in den Städten und Gemeinden. „Äpfel mit Birnen“ – diesen Vergleich zog schon im vergangenen Jahr Andreas Gerrath, als es um die Abwassergebühren ging. Damit wollte der FDP-Ratsherr allerdings die seiner Meinung nach zu positive Darstellung der Kosten in Halver durch das Statistische Landesamt kritisieren… ▪ Frank Zacharias

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