Auswilderung im Hürxtal

Uhu wieder in die Freiheit entlassen

Das erkrankte Uhu-Weibchen ist gesundgepflegt und wurde in seinem Heimatrevier wieder ausgewildert.
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Das erkrankte Uhu-Weibchen ist gesundgepflegt und wurde in seinem Heimatrevier wieder ausgewildert.

In Halver wurde ein Uhu ausgewildert. Nachdem das Tier vor etwa zwei Monaten krank aufgefunden wurde, ist der Vogel nun wieder fit.

Halver – Als Uhu braucht man keine Krankenversicherung. Aber man braucht Mäuse und manchmal Freunde, die einem wieder auf die Schwingen helfen.

Am Dienstag vergangener Woche war der Himmel grau über dem Hürxtal. Am Nachmittag fiel ein feiner Landregen am östlichen Ortsausgang von Edelkirchen und auf den Fanblock, der gekommen war, um den Vogel fliegen zu sehen. Aber der wollte nicht.

Der Fanblock wartet geduldig

Fast eine Viertelstunde guckte die Uhu-Dame interessiert in die Handys der Kinder der Familie Kerspe und die der Mitarbeiter der Vogelauffangstation des Nabu in Dortmund. Uhu nass, die Kerspes nass – die schöne Geschichte wollte irgendwie nicht weitergehen.

Ab ins Maisfeld

Doch dann wurde alles gut. Als die Mitarbeiter der Auffangstation sich dem Vogel mit Lederhandschuhen näherten, um ihn in die Luft zu bringen, überdachte das Tier die Lage neu. Die Erleichterung war groß, währte aber nur etwa 150 Meter. Dann saß der Uhu erst einmal abseits der Versammlung im abgeernteten Maisfeld, wo die Tierschützer ihm im knöcheltiefen Schlamm hinterher stiefelten. Das nahm er wohlwollend zur Kenntnis und hob aufs Neue ab. Und war weg. Ausgewildert. Und genau das war der Plan.

Zwei Monate gesundgepflegt

Fast auf den Tag genau zwei Monate lagen dazwischen seit Mitte Oktober. Da hatte Dorothea Turck-Brudereck den Vogel gesichtet. Ungewöhnlicherweise vormittags, wenn der Eulenvogel eigentlich nie unterwegs ist. Ungewöhnlicherweise an eier Bushaltestelle, was ja bekanntlich nicht zum natürlichen Lebensraum des Uhus zählt.

Die Jäger helfen dem Vogel

Die Halveranerin verständigte an jenem Sonntagvormittag Hugo Kerspe, der einer der Jäger im Revier Brenscheid ist. Und Kerspe und sein Sohn Philipp nahmen den Vogel und damit die Sache in die Hand. Der Sonntag war hin, aber in der Auffangstation konnte der offenkundig kranke und schwache Vogel zunächst erstversorgt werden. Erst zierte sich die Uhu-Dame wohl, aber am nächsten Morgen waren acht Mäuse weg. Bloß, gesund war der Vogel damit noch lange nicht.

Drei Wurmkuren in Gießen

Was sich der Uhu eingefangen hatte, waren zumindest Würmer. Der schlimmere Verdacht auf einen in der Regel tödlichen Uhu-Herpes-Virus bestätigte sich glücklicherweise nicht nach Analyse des Kots, der idealerweise „aussieht wie ein Spiegelei“, wie Gudrun Hartisch von der Auffangstation in Dortmund sagt. Trotzdem: 1857 Gramm wog der Vogel, als er zum Nabu kam. Mit bereits 2400 Gramm ging’s dann weiter für ihn nach Gießen in die Vogelklinik der Justus-Liebig-Universität, wo es gleich drei Wurmkuren setzte. Die anschließende Reha gab’s in einer Auffangstation bei Marburg, bevor sich Kerspe mit Revierpächter Peter Holthaus ins Auto setzte, um ihn heimzuholen.

Nabu dankt den Helfern

„Wir sind auf die Mitarbeit von Menschen wie Herrn Kerspe angewiesen“, sagt Gudrun Hartisch über das Projekt, das in Edelkirchen nun sein Ende fand. Der Uhu habe gute Chancen, in der freien Natur zu überleben. „Das Brustbein war gut gepolstert“, hatte sie gespürt, das Tier mithin gut im Futter. Um den Rest muss sich der Uhu nun selbst kümmern. Die Wiese in Edelkirchen-Ost jedenfalls ist gespickt mit Mäuselöchern. Gute Aussichten also für ein Happy-End. Außer für die Mäuse.

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