Überfallopfer lebt immer noch in Angst

HALVER/HAGEN ▪ Zitternd und merklich angespannt sitzt eine junge Frau im Zeugenstand. Dann beginnt sie, leise zu erzählen. Im Prozess um den 21-Jährigen, der zugegeben hatte, im Dezember 2010 einen Bekannten niedergestochen und ein Sonnenstudio in Halver überfallen zu haben, machte gestern das Opfer des Überfalls am Runden Eck eine Aussage.

„Es war an einem Mittwochabend gegen 19.30 Uhr. Ich war im Büro und habe die Abrechnungen gemacht”, erinnert sich die 30-Jährige. Dann habe sie die Glocke am Eingang gehört und sei nach vorne gegangen: „Da stand eine Person, vermummt. Mit schwarzem Kapuzenpulli und einem Tuch vor Mund und Nase. Er hat mir einen Rucksack auf den Tresen geworfen und befohlen, das Geld aus der Kasse reinzulegen. Da war für mich klar, so schnell wie möglich alles rein, dass er wieder geht. Er hatte eine schwarze Waffe und hat damit auf mich gezielt.” Dann sackt die Zeugin plötzlich zusammen und beginnt zu weinen.

Nach dem Überfall hatte sie eine sechswöchige Pause eingelegt. Jetzt gehe sie wieder im Sonnenstudio arbeiten. Aber: „Die Angst ist immer dabei.“ Nach ihrer Aussage richtet Ümit K., nach einem Hinweis seines Verteidigers Ingo Theissen Graf Schweinitz, das Wort zur Entschuldigung an die junge Frau. Die reagiert prompt: „Krieg dein Leben in den Griff. Du bist damit fertig, aber ich noch nicht.” Dann verlässt sie eilig den Saal.

Um sich einen besseren Eindruck vom Angeklagten zu verschaffen, hört das Gericht anschließend die Jugendgerichtshilfe. Und so erfahren die Anwesenden, dass das Leben des 21-Jährigen mit türkischen Wurzeln „geprägt ist vom Pendeln zwischen zwei Kulturen”. Gegen seinen Willen war Ümit K. im Alter von neun Jahren nach Deutschland geschleppt worden. Nachdem er nach Abschluss der achten Klasse aus der Schule verwiesen worden war, hatte die kriminelle Karriere des Halveraners seinen Lauf genommen und ihren Höhepunkt im Dezember 2007 in einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe erreicht. Die Jugendgerichtshilfe beschreibt Ümit K. als einen Mann, der unfähig ist, längere Beziehungen einzugehen. So habe der Halveraner auch den Kontakt zu seinem vierjährigen Sohn abgebrochen.

Am 29. März geht der Prozess in seine nächste und vermutlich auch letzte Runde. Dann wird das Urteil erwartet. ▪ Jana Peuckert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare