Überfall auf Modegeschäft: Verhandlung fortgesetzt

- Symbolbild

Halver/Hagen - Nach dem Prozess wird Papa wahrscheinlich für Jahre im Gefängnis verschwinden, weil er ein Modegeschäft an der Bahnhofstraße in Halver überfallen hatte. Also nutzte der kleine Sohn des Räubers am Mittwoch die Gelegenheit, seinen Vater noch einmal zu sehen.

Die Kammer ließ die kurze Begegnung zu – genauso wie eine Umarmung mit der Schwester, die dem Angeklagten deutlich machte, dass sie trotz allem zu ihm stehen werde: „Sei stark! Du schaffst das! Denke bitte nach vorne!“ Und auch sie erinnerte den 39-Jährigen daran, dass er ein Kind hat.

Es ging bei der Befragung von Familienmitgliedern vor allem um die Frage, wie sich der Angeklagte über Jahre hinweg in seine scheinbar ausweglose Situation manövriert hatte und schließlich Alkohol und Drogen erlegen war. Seine Ex-Frau berichtete, dass ihn die Anschaffung eines Hauses an den Rand der Kräfte gebracht habe. Seine Schwester berichtete von seinen jahrelangen Problemen mit dem Alkohol: „Er hat alles versucht, er hat gekämpft, doch er ist immer wieder auf diesen Weg zurückgekehrt.“ Weniger offensichtlich als der Missbrauch von Wodka und Whisky sei der Drogenkonsum ihres Bruders gewesen, sagte sie. Nach seinem Hauskauf habe er „von morgens bis abends“ gearbeitet. „Das hat ihn sehr belastet.“

Dass der 39-Jährige „wie bekloppt“ arbeiten konnte, bestätigte auch seine ehemalige Arbeitgeberin: „Er war ein sehr guter zuverlässiger Arbeiter, der sehr fleißig war“, erinnerte sie sich. Fünf Jahre bestand das Arbeitsverhältnis, im Februar 2013 musste die Firma sich jedoch von ihrem Mitarbeiter trennen. „Er war nicht mehr in der Lage zu arbeiten.“ Dunkle Ringe um die Augen und ein reaktionsverzögerter und flattriger Habitus ließen auch seine Arbeitgeber vermuten, „dass irgendwelche Drogen oder Tabletten im Spiel waren“.

Im Dezember 2013, also kurz vor dem Überfall in Halver am Silvestertag, gab die Firma dem 39-Jährigen noch eine letzte Chance. Der Versuch scheiterte. „Er konnte seine Arbeit nicht mehr richtig machen“, sagte die Zeugin. Und es kam noch schlimmer: Als Trauringe und ein Handy aus der Firma verschwanden, richtete sich der Hauptverdacht gegen den Angeklagten.

Von dem Anruf eines leider unbekannt gebliebenen Zeugen berichtete ein Mitarbeiter der Polizeileitstelle des Märkischen Kreises. Am 4. Januar, vier Tage nach dem Überfall, rief ein Tippgeber an. Er habe gehört, wie der Angeklagte sich im Bekanntenkreis verschiedener Überfälle gebrüstet habe. Dabei soll von der BFT-Tankstelle in Halver und von einem Blumen- und Schreibwarengeschäft die Rede gewesen sein.   - thk

Der Prozess wird morgen ab 9 Uhr fortgesetzt.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare