„U3-Eltern müssen sich immer noch rechtfertigen“

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Anlaufstelle, wenn’s ums Kuscheln geht: Awo-Erzieherin Sibylle Haberland ist zertifizierte Fachkraft für Frühpädagogik und jederzeit für die jüngsten Kita-Besucher da. J

HALVER ▪ Eigentlich ist die Betreuung unter dreijähriger Kinder längst kein Novum mehr: So beginnt etwa in der Awo-Kindertagesstätte „Wundertüte“ im Sommer bereits das fünfte Kindergartenjahr mit den Allerkleinsten. Seit 2008 werden dort Mädchen und Jungen ab vier Monaten betreut. Doch immer noch sind U3-Eltern massiver Kritik aus ihrem Umfeld ausgesetzt, wie Einrichtungsleiterin Doris Teske berichtet.

„Die Betreuung ist für alle ein Einschnitt. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern. Sie müssen einerseits lernen, ihre Kleinen in fremder Obhut zu lassen, sich andererseits aber auch immer noch rechtfertigen, die Kinder ,abzugeben’“, beschreibt Teske die komplexe Gefühlslage, mit der nicht zuletzt die Erzieherinnen und Erzieher umgehen müssen. Denn natürlich handele es sich keineswegs um „Rabenmütter“, die ihre Mädchen oder Jungen im Kleinstkindalter für den Kindergarten anmelden – der Beruf zwingt nicht zuletzt Alleinerziehende, ihre Kinder stundenweise in fremde Hände zu geben. Sei es in Form einer Tagesmutter – oder eben auch in einem Kindergarten mit U3-Betreuung. Dabei seien meist die Mütter oftmals so angespannt, dass die Gefühle von tiefer Trauer bis zu einer aggressiv-fordernder Haltung gegenüber dem Kita-Team reichten. „Vertrauen braucht Zeit. Und die müssen wir sowohl den Kindern als auch den Eltern geben“, sagt Doris Teske, die auch aktuell Ängste vor der U3-Betreuung abbauen will.

Wie in jeder anderen Kindertagesstätte, so habe man sich natürlich auch an der Weststraße auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen müssen, räumt Teske mit Blick auf das erste Jahr mit den Kleinsten ein. Diese erforderten schließlich nicht nur bauliche Veränderungen – Wickelplätze, Schlafraum, et cetera – sondern auch eine andere Form der Betreuung als die älteren. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, verfügt die Einrichtung seit November 2011 über eine zertifizierte Fachkraft für Frühpadagogik: Erzieherin Sibylle Haberland hat die entsprechende Fortbildung besucht – eine weitere Fachkraft befinde sich derzeit in Ausbildung. Und in den Genuss dieser Betreuung kommen derzeit – wie auch im kommenden Kindergartenjahr – 16 Mädchen und Jungen im Alter von vier Monaten bis drei Jahren. „Dabei achten wir natürlich darauf, die älteren Kinder nicht zu kurz kommen zu lassen. Denn auch das war anfangs eine Sorge der entsprechenden Eltern“, erinnert sich Doris Teske. Neben den U3-Kindern gibt es an der Weststraße schließlich noch 59 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren. Und die haben mindestens genauso viel Spaß mit den „Kleinen“ wie die Erzieherinnen – wie der „Erfahrungsbericht“ zeigt. ▪ Frank Zacharias

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