Trotz Haft nicht dazugelernt

HALVER ▪ Der Haftbefehl war ausgesetzt, das Urteil noch nicht rechtskräftig. Dennoch hatte ein 30-jähriger Lüdenscheider im November – drei Tage nach seiner Verurteilung – nichts anderes zu tun, als erneut straffällig zu werden. Am Dienstag stand der Mann also erneut vor dem Lüdenscheider Amtsgericht und wurde am Ende wegen Hehlerei zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Da er jedoch bereits wegen eines anderes Vergehens einsitzt, wurden beide Strafen zusammengenommen, so dass der Lüdenscheider nun für insgesamt ein Jahr und fünf Monate ins Gefängnis muss.

Das Vorstrafenregister, das Richter Thomas Kabus verlas, war lang und zeigte eine „nicht unerhebliche kriminelle Energie“ des Angeklagten auf. Wegen mehrfachen Diebstahls von Kabelschnitt vom Gelände des Werkhofs in Halver war der 30-Jährige zuletzt im November 2010 zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Der Haftbefehl war für diese Zeit außer Vollzug gesetzt. Wenige Tage später sei er von einem ihm flüchtig Bekannten angesprochen worden, ihm beim Verkauf von „heißer Ware“ zu helfen. Gemeint waren drei TFT-Bildschirme, die Dritte zuvor aus dem Gesundheitsamt des Märkischen Kreises in Halver gestohlen hatten.

Dabei war er laut Kabus jedoch so dumm, in einem Lüdenscheider An- und Verkaufs-Geschäft seine Personalien zu hinterlegen. Als Gewinn sprangen 30 Euro für ihn heraus – die er zur Beschaffung von Drogen benötigte. Diese Sucht, die er im vorherigen Prozess nicht offengelegt hatte, sei es auch gewesen, die ihn letztlich zu der Tat getrieben habe – eine Tat, über die er nicht weiter nachgedacht habe und für die er sich gestern entschuldigte.

Dennoch hielt das Schöffengericht eine Haftstrafe von sechs Monaten für angemessen und – angesichts der besonderen Umstände – für notwendig. Nicht zuletzt, da sich auch die Sozialprognose nicht verbessert habe. Das Urteil ist rechtskräftig, der Angeklagte hat eine Entziehungskur beantragt. ▪ Kerstin Zacharias

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