„In Foren entstehen Ideen“

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Arndt Spielmann nutzt das Netzwerk „Facebook“ zur Anregung von Diskussionen.

Halver - Offiziell gibt es seit zwei Jahren kein Jugendparlament in Halver mehr. Trotzdem bleiben junge Menschen bei städtischen Entscheidungsprozesse nicht komplett außen vor. Die jetzt durchgeführten Veränderungen am Skater-Park an der Katrineholmstraße beweisen, dass Jugendliche mit ihren spezifischen Interessen auch erhört werden.

Bereits 1997 gab es die ersten kleineren Versuche von Schülern, sich in der Politik der Stadt Halver zu engagieren und für eigene Ideen Gehör zu finden. „Das war noch in der Ära Kammenhuber. Der ehemalige Bürgermeister war direkt sehr aufgeschlossen für diese Idee“, erinnert sich Jugendzentrumsleiter Arndt Spielmann. 1999 sei dann, in Absprache mit der Stadt, das Junge Forum gegründet worden. Besonderen Auftrieb bekam das Projekt durch die ein Jahr vorher gegründeten Jugendparlamente in den Nachbarkommunen Wipperfürth und Schalksmühle. „Wir wollen mitreden“, hieß damals das Motto der 23 Gründungsmitglieder des Halveraner Forums.

„Die Idee an sich ist immer noch gut. Bis heute versuchen wir, die junge Generation in Prozesse miteinzubeziehen“, sagt Spielmann. Ursprünglich elf Vertreter (plus je ein Stellvertreter) von den früheren sieben Schulen saßen im Jugendparlament, das vor zwei Jahren letztlich mangels Zuspruch aufgelöst wurde.

„Politik mit Erwachsenen-Statuten zu versuchen, klappt einfach nicht. Jugendliche ticken nicht so und sind sprunghaft“, sagt Arndt Spielmann. Der Leiter des Jugendzentrums Halver kenne die Gründe, warum das damalige Konzept gescheitert sei. Er war über viele Jahre federführender Begleiter und erster Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen, die sich im Jungen Forum engagiert hatten. „Das ganze Projekt, inklusive der internen Abläufe, war zu steif. Die Interessen der Kids variieren, so dass auch das Engagement schnell wieder abflachen kann. Das ist natürlich abhängig von der jeweiligen Thematik und vom Pflichtbewusstsein der einzelnen Personen“, sagt Spielmann. Ein grundsätzliches politisches Desinteresse hat Spielmann nicht feststellen können.

Heute betreut Spielmann Partizipationsprojekte, bei denen Jugendliche sich mit ihren eigenen Ideen an ihn herantreten können. Er dient dabei zugleich als Vermittler zwischen Stadt und Jugend, wie zum Beispiel bei der Erweiterung des Skater-Parks an der Katrineholmstraße, dessen Ursprung und Entstehung auch auf eine Initiative des Jungen Forums aus dem Jahr 2004 zurückgehe.

„Vieles geschieht heute über die neuen Medien“, meint der Leiter des Jugendzentrums. Er selbst steht per E-Mail und über das Netzwerk „Facebook“ mit vielen in Kontakt, die ihn über diese Plattformen auch regelmäßig kontaktieren. Zudem regt Spielmann über die neuen Medien gerne bewusst Diskussionen zu aktuellen Themen an.

Politisches Desinteresse oder Verdrossenheit kann auch der Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG), Paul Meurer, bei den Jugendlichen seiner Schule nicht feststellen. „Es gibt viele Schüler am AFG, die sich politisch engagieren. Dies geschieht jedoch stets aus eigenem Interesse. Dafür werden die Schüler auch vom Unterricht freigestellt“, betont Meurer. Im Konzept des Gymnasiums sei ein zentraler Punkt, den Schülern demokratische Bildung zu vermitteln.

Eine Wiederbelebung des Jugendparlamentes würde Meurer grundsätzlich begrüßen, da dies auch in anderen Umland-Städten funktionieren würde. Allerdings würde er das Konzept verändern.

„Was ich mir sehr gut vorstellen könnte, wäre ein neues Jugendparlament, das eine Online-Plattform bekommt und auf dieser Basis mitein-ander vernetzt ist“, äußert Paul Meurer seine Idee. „Heute nutzen die Jugendlichen Blogs und Foren, in denen spannende Diskussionen und viele kreative Ideen entstehen.“ Sofern man diese bündeln könnte, würde man die Jugend für konkrete Ziele fokussieren können, ist sich der Pädagoge sicher.

Von Benny Finger

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