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Trend zur kurzfristigen Reise: Fernweh lässt Branche boomen

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Von: Frank Laudien

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Trotz geringem Vorlauf wird fleißig gebucht. Das merkt auch Antje Brandt (links) mit ihrem Team im Reisebüro Brandt.
Trotz geringem Vorlauf wird fleißig gebucht. Das merkt auch Antje Brandt (links) mit ihrem Team im Reisebüro Brandt. © Laudien, Frank

Es boomt. Zumindest, was die Reisebranche angeht. Nachdem sich in den vergangenen Monaten dank der strengen Corona-Maßnahmen der Ferienverkehr stark in Grenzen hielt, scheinen die urlaubsreifen Halveraner nun alles nachzuholen.

Halver – Wie es langfristig mit der Befriedigung des Fernwehs aussehen wird, kann Antje Brandt vom Reisebüro Brandt nicht prognostizieren. „Wo ist die Glaskugel?“, sagt sie und lacht. Durch die sich ständig ändernden Inzidenzwerte und Maßnahmen weiß im wahrsten Sinne des Wortes niemand genau, wohin die Reise geht. „Wir haben momentan einen Vorlauf von vier bis sechs Wochen bis zur Abreise“, macht die Fachfrau den Trend zur kurzfristigen Buchung deutlich. Beliebt sind auch Buchungen, die am Wochenanfang bereits den Reiseantritt am Wochenende vorsehen.

Für die Herbstferien kam ein weiteres Phänomen hinzu: Familien mit Kindern wollten meist in der ersten Ferienwoche fliegen. „Falls das Urlaubsland ein Hochinzidenzgebiet ist oder dazu erklärt wird, kann man in der zweiten Ferienwoche noch in Quarantäne gehen. Nach fünf Tagen kann man sich daraus frei testen“, erklärt Antje Brandt den Run auf den Ferienanfang. Während in der zweiten Ferienhälfte noch Reiseziele buchbar sind, ist davor kaum noch etwas zu haben. Nicht wenige Urlauber nehmen also eine mögliche Quarantäne in Kauf, bevor sie ganz auf Sonne, Strand und Meer verzichten.

Erst wenig Buchungen für Sommerurlaub

Trotz des hohen Andrangs auf die Kurzreisen kann von einer Rückkehr zur Normalität allerdings keine Rede sein. „Dann hätten wir einen ganz anderen Vorlauf“, weiß sie. Die Buchungen für den kommenden Sommerurlaub halten sich noch sehr in Grenzen. „Die Nachfrage ist noch nicht da. Viele warten auch erstmal ab, wie sich das alles entwickelt.“

Wer gerne eine Kreuzfahrt machen möchte, sollte sich vorher noch schnell impfen lassen. Wer nur getestet ist, darf in der Regel nicht mit an Bord. Einige Fluggesellschaften heben mittlerweile sogar nur noch mit durchgeimpften Passagieren ab. Doch auch nach der Landung gehen die Komplikationen für Ungeimpfte weiter. „In anderen Ländern wollen die sich ja auch schützen“, gibt die Büroleiterin zu bedenken. „Wo wollen sie denn dort essen gehen?“ Im Bestfall müsse man sich vor Ort noch regelmäßig testen lassen.

Generell müssten auch für jedes Land im Vorfeld die Einreiseformalitäten ausgefüllt werden, erinnert sie. Das geht übers Internet. „Wenn sie aus einem Hochinzidenzgebiet wie der Türkei zurückkehren, müssen sie auch die Formulare für Deutschland ausfüllen.“ Testergebnis oder Impfnachweis müssen ebenfalls beigefügt werden.

Während der Coronakrise hat sich noch ein weiterer Trend gezeigt: Wohnwagen und -mobile sind beliebt wie nie zuvor. Dass sich die neu entdeckte Liebe zum Individualurlaub auf die Buchungsmentalitäten auswirken könnte, glaubt Antje Brandt allerdings nicht. „Ich denke nicht, dass sich viele, die sonst mit dem Flugzeug verreisen, jetzt ein Wohnmobil gekauft haben.“ Dass wäre eher eine Frage des Urlaubtyps.

Maskenpflicht im Flugzeug

Britta Kattwinkel-Kiefer vom Reisebüro Kattwinkel kann ebenfalls von einem Reiseboom berichten, der momentan entstanden ist: „Es haben sehr viele Leute im September und Oktober noch kurzfristig Reisen dorthin gebucht, wo sie von entspannten Zahlen und Reisesituationen ausgegangen sind.“ Spanien, Italien und Griechenland seien derzeit die Hauptziele für den nächsten Urlaub. Auch ihr fiel die ungewöhnlich hohe Anzahl der kurzfristigen Buchungen auf. Die Auswahl der Ziele sei verständlich, denn „es ist dort am Mittelmeer zu dieser Jahreszeit ja auch noch schön“. Die Auflagen seien in diesen Ländern auch nicht so hoch wie beispielsweise in der Türkei. Das sei besonders für Familien mit Kindern wichtig. Doch das gelte nicht nur für Länder in der näheren Umgebung. „Es gibt auch Leute, die nach Mexiko oder auf die Malediven reisen. Das sind ebenfalls sichere Reiseziele.“

Sorgen wegen längerer Reisezeiten, die in Flugzeugen verbracht werden müssen, muss kein Urlauber haben, versichert die Reisebüro-Inhaberin. „Es müssen auf dem Flughafen und im Flugzeug Masken getragen werden.“ Eklatante Unterschiede zu langen Bus- oder Bahnfahrten gibt es im Flieger auch nicht.

Wenn es mit der Entwicklung der Pandemie so bleibt wie derzeit, erwartet sie eine langsame Rückkehr zur Reisenormalität. „Die Leute wollen fahren. Das merkt man.“ Tiefer in die Tasche greifen muss man für seinen Urlaub auf absehbare Zeit nicht, versichert Britta Kattwinkel-Kiefer. Auch wenn der Reisebranche hohe Verluste durch die Pandemie entstanden sind, blieben die Preise noch stabil. Lediglich für innerdeutsche Ziele musste in diesem Jahr etwas mehr auf den Tisch gelegt werden, weil die Urlauber wahre Volkswanderungen veranstalteten. In den nächsten Monaten sei Deutschland aber alleine schon wegen des Wetters kein bevorzugtes Ziel für Erholungssuchende.

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