Tragikomische Figuren fesseln das Publikum

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Verzweifelter Blick: Ein Golfspieler auf der Suche nach dem Ball. ▪

HALVER ▪ Wo die Theorie von Albert Einstein „nur relativ“ war, da bringt Meik Aufenfehn alles auf die „kürzeste Formel“ der Welt: Eins ist gleich Null. Dass dies keineswegs immer der Fall ist, bewies der Maskenkünstler am Freitagabend im Anne-Frank Gymnasium.

Nach 29 Jahren „Duo Habbe & Meik“ begeistert Meik nun allein das Publikum mit seinen Clownerien. Sein alter Ego, der gestresste Professor Boris Bronski, erholt sich des Abends beim Dialog mit seinem Röschen Elisabeth. Er lässt seinen weiten Blick schweifen, sieht die vielen Fenster, „Augen, in die man hineinschauen kann“, Bahnhöfe, „mancher fährt weg und kommt nie wieder“ und den Park, mit seinem „Platz an der Sonne“. Die Bühne wird zum Balkon, doch die Idylle zeigt ihre Risse. Was wäre, so philosophiert der Professor, wenn wir jetzt hier runterstürzten? „Dann heißt es ab in die Biotonne“. Oder wenn die Pole weiter schmelzen? „Nur gut, dass wir im 4. Stock wohnen.“

Bei Meik liegen Komik und Tragik, das Leichte und das Poetische stets eng beieinander. Seine Geschichten, die er zumeist nur mit Hilfe der selbst angefertigten Masken mit wenigen ausgewählten Utensilien und Geräuschen unter Einsatz des eigenen Körpers in Szene setzt, erzählen von den Widrigkeiten ebenso wie den Sonnenseiten des Lebens. In der Tradition großer Slapstick-Komiker wie Charles Chaplin oder Buster Keaton mimt Mike den Musiker, der mit der Tücke des Objektes kämpft, ebenso überzeugend wie den Fahrgast, dem der Zug gerade vor der Nase weggefahren ist und der angesichts des drohenden Regens zu träumen beginnt. Zu träumen von Unmengen von Sturzfluten, die über ihn hereinbrechen, so dass er immer höher steigt, auf die Kisten und Gebäude, Leitern und Schornsteine, bis er nur noch schwimmen kann. Oder von dem Golfspieler, der so verzweifelt seinen Golfball sucht, dass er selbst zur Nagelschere greift und schließlich den Rasenmäher holt. Unter Mikes kunstvollen Einfällen verwandelt sich der Rasenmäher erst in einen Quälgeist, der nicht aufhören will, zu quäken und dem er mit einem Gewehr zu Leibe rückt. Dann wird aus dem Quäken ein Kinderweinen, so dass er schließlich den Rasenmäher auf den Schoß nimmt und ihn wie ein Baby in den Armen wiegt.

Das Publikum folgte jeder Nummer mit Spannung und Gelächter, das immer auch zugleich etwas Befreiendes hat, sind es doch häufig äußerst prekäre Situationen, in die er seine Figuren stellt. Wie der Mime auf einer Leiter oder mehreren Kisten balanciert, so balancieren seine Figuren zugleich auf der Leiter des Lebens, jeden Moment in der Gefahr, abzustürzen. Wie sie sich dennoch jeden Augenblick wieder fangen, das zu beobachten ist ein Vergnügen, das die Besucher des Anne-Frank-Gymnasiums von der ersten bis zur letzten Minute genossen und für das sie sich mit lang anhaltendem Applaus bedankten. ▪ Kirsten von Hagen

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