Trauerfeier der Mitarbeiter von Jung,Boucke

Mit einem Sarg, mit einem Kreuz und einer Schmiedezange waren die Mitarbeiter vom Herpiner Weg zum Langenscheid gezogen. Am Rathaus machten sie Halt, weil sie um die Bedeutung der Firma auch für die Stadt wissen. - Fotos: Hesse

Halver - Mit einer „Trauerfeier“ endete am Freitag der letzte reguläre Betriebstag bei Jung,Boucke. Mit einem selbstgezimmerten Sarg, auf dem eine Schmiedezange lag, zogen sie vom Herpiner Weg zum Langenscheid.

Eingeladen hatte dazu der Betriebsrat alle Kolleginnen und Kollegen und auch die Ehemaligen, die dort gearbeitet haben und bis zuletzt für die jetzt rund 180 Beschäftigten gehofft hatten.

„Das ist ein rabenschwarzer Tag für die Stadt Halver“, sagte Bürgermeister Michael Brosch. „Ich habe auch keine schlauen Tipps für Sie“. Er sei gekommen, um das Bedauern der Stadt zu überbringen: „Ganz Halver nimmt Anteil.“

Trotz deftigem Imbiss und frischem Pils: In Feierlaune war niemand in der Feinstanzhalle am Langenscheid. Viele der Beschäftigten waren seit Jahrzehnten im Betrieb. Allein die drei Männer, die den Sarg durch die Stadt schoben, brachten es auf mehr als 50 Jahre Arbeit für Jung,Boucke.

Zweieinhalb Jahre hätte er noch bis zur Rente gehabt, sagte einer der Beschäftigten im Gespräch am Rande. Über die Perspektiven beim Arbeitsamt mache er sich in seinem Alter kaum Illusionen.

Auch Geschäftsführer Hans Ulrich Volz wandte sich an die Mitarbeiter. „Sie haben sich alle Mühe gegeben und mit Anstand weiter gemacht“, sagte er, selbst erkennbar mitgenommen. „Sie können hier erhobenen Hauptes rausgehen.“

Was aus den Immobilien werde, sei offen, eine Perspektive gebe es immerhin für die Auszubildenden, die unter anderem im Abwicklungsteam bis zum Ende der Lehrzeit im Januar bleiben können. Für ihn persönlich sei die Situation „noch immer unvorstellbar“, räumte Volz im Gespräch mit dem AA ein.

„An Euch hat es nicht gelegen“

Ein bitterer Tag war es auch für den Betriebsratsvorsitzenden. „Wir haben alles versucht. An Euch hat es nicht gelegen“, gabe er seinen Kollegen mit auf den Weg. Immer wieder hatte der Betriebsrat nach Lösungen für die Zukunftsfähigkeit von Jung,Boucke gesucht, auch erhebliche Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite gemacht, um die angeschlagene Firma ans sichere Ufer zu bringen.

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Seit der schweren Krise 2008 war der Betrieb nicht wieder in wirklich sicheres Fahrwasser geraten. Gewerkschaften, Gutachter und Juristen hatten seitdem unentwegt um mögliche Perspektiven gerungen. Unter den Gästen, die in die Betriebshalle gekommen waren, befanden sich auch Oskar Schröder, der den Betriebsrat beraten hatte, der Lüdenscheider Arbeitsrechtler Dr. Peter Altrogge und nicht zuletzt der frühere Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Bernd Schildknecht, der den Betriebsrat um Zeisler über Jahre begleitet hatte. Er hätte sich seinen Besuch bei Jung,Boucke gerne anders vorgestellt, als bei diesem „Begräbnis“, sagte Schildknecht.

Ebenso bitter war der Tag auch in Schwenke. Wie angekündigt, stellte am Freitag auch Volkenrath nach 132 Jahren den Betrieb ein. 55 Mitarbeiter sind dort betroffen.

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