Wunder der Einheit

Trabi, Rotkäppchen-Sekt, NVA: Stasi-Opfer entlarvt DDR-Nostalgie

Albrecht Kaul hält die Erinnerung an das „Wunder der Freiheit und Einheit“ wach.
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Albrecht Kaul hält die Erinnerung an das „Wunder der Freiheit und Einheit“ wach.

„Unterm Strich zeigt die Ausstellung: Es ist ein Wunder passiert – ein System, das bis an die Zähne bewaffnet war, ist durch Kerzen und Gebete zusammengebrochen.“ Am heutigen Montag ist der letzte Tag der Ausstellung im Garten des CVJM.

Halver – Zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung entstanden und – Corona geschuldet – erst in diesem Jahr auf den Weg gebracht, hält eine dreiteilige Ausstellung im „Zelt der Begegnung“ die Erinnerung an die Friedliche Revolution und das „Wunder der Freiheit und Einheit“ wach.

„Das Wunder Gottes darf nicht vergessen werden“, sagt Initiator Albrecht Kaul vom Verein Danken.Feiern.Beten e.V., der selbst durch sein Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit der Bespitzelung durch die Stasi ausgesetzt war und als Zeitzeuge aus erster Hand über das Leben in der einstigen DDR und den Mauerfall berichten kann. Mit der Ausstellung im ehemaligen Zelt der Nationalen Volksarmee (NVD) der DDR, das seit Samstag im Garten des CVJM Halver an der Gerhard-Bergmann-Straße steht, tourt er derzeit durch die Lande, um mit Menschen über die damaligen Ereignisse ins Gespräch zu kommen. Für Montag (20. September), den letzten Ausstellungstag in Halver, haben sich Schulklassen für den Besuch der Ausstellung angesagt. Anschließend wird das Zelt in Lüdenscheid aufgebaut.

Einsicht in eigene Stasi-Akte

In Halver war die Zeltveranstaltung ursprünglich als Teil des Jubiläumsprogramms zum 150-jährigen CVJM-Bestehen angedacht. „Es geht los bei der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen“, kommentiert der aus Sachsen stammende Albrecht Kaul, stellvertretender CVJM-Generalsekretär i.R., die in Zusammenarbeit mit dem Graphiker Bernd Drescher entstandene Ausstellung. Stichworte wie Oskar Brüsewitz, Friedensgebete und Demonstrationen fallen. Hinter jedem Exponat – die eigene Stasi-Akte eingeschlossen – verbirgt sich eine Geschichte. Sei es, dass es um das Gefängnis auf dem Chemnitzer Kaßberg als Drehscheibe des Häftlingsfreikaufs politischer Gefangener durch die BRD geht.

Sei es, dass Albrecht Kaul auf den verbotenen Aufnäher mit dem Aufdruck „Schwerter zu Pflugscharen“ als Erinnerung an den gewaltfreien Widerstand der ersten Stunde zu sprechen kommt. Das Symbol sei auf Vlies gedruckt worden, wofür keine Genehmigung notwendig war. Im Grunde sei das Symbol „ein russisches Denkmal für die UNO mit biblischem Hintergrund.“ Die Wende habe auch Verlierer hervorgebracht, weiß der Diakon. Die Treuhand habe vieles zerschlagen, was die Menschen tief getroffen habe. Das habe bis heute Auswirkungen.

Drei Videos zum Thema und entsprechende Literatur ergänzen die Ausstellung. Als Zeitzeugen standen am Wochenende neben Albrecht Kaul der ehemalige Bausoldat Thomas Weigel (Sonntag) und Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt (Montag) den Besuchern Rede und Antwort. Zudem ließ sich das „Wunder der Freiheit und Einheit“ auch auf spielerische Weise erleben – durch ein Volleyball-Spiel mit Mauer-„Netz“ Ost und West und ein DDR-Memory, bei der ein Spielzeug-Trabi, Rotkäppchen-Sekt, ein Armeegürtel mit Nationalzeichen und andere Memory-Teile unter roten Eimern auf Entdeckung warteten.

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