Wenn jede Sekunde zählt...

Notrufsystem im Auto kann Leben retten und sammelt Daten

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In neueren Fahrzeugmodellen ist das Notrufsystem eCall schon verbaut, wie in diesem Jaguar. Es gibt einen Pannenhilfeknopf und den Notrufknopf, der auch manuell betätigt werden kann.

Halver – Auch bei Unfällen im Märkischen Kreis werden bereits regelmäßig automatische Notrufe (eCall = emergency call) abgesetzt – wenn auch nur in geringer Zahl. Die Redaktion hat bei Tobias Sdunek, Leitstellen-Disponent der Feuerwehr-Leitstelle des Märkischen Kreises nachgehakt, was es mit diesen Notrufen auf sich hat.

Gerade bei schweren Unfällen, wenn jede Sekunde zählt, kann ein elektronischer Notruf wichtig sein. Deshalb schreibt die EU seit dem 31. März 2018 die besondere Funktion für alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge serienmäßig vor.

Der Notrufdienst funktioniert europaweit gleich: über Mobilfunk und Satellitenortung, um nach einem Unfall aus dem Auto heraus (automatisch oder manuell) eine Telefonverbindung zur Notrufnummer 112 der nächstgelegenen Rettungsleitstelle herzustellen. Zusätzlich zur Sprachverbindung überträgt das im Fahrzeug montierte eCall-System Informationen zum Unfallort, zur Art der Auslösung und zum Fahrzeug.

„Das System funktioniert von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Meistens wird im Fall eines Unfalls automatisch versucht, eine Verbindung zwischen Auto und Notrufzentrale aufzubauen. Wenn aus dem Fahrzeug nicht geantwortet wird, wird automatisch die Leitstelle des jeweiligen Kreises oder der Stadt alarmiert, die die genauen Koordinaten des Unfallortes per GPS durchgegeben bekommt“, erklärt Tobias Sdunek von der Kreisleitstelle im MK.

Löst der Airbag aus, sendet das System einen Notruf ab

Kommt es zu einem schweren Autounfall, bei dem die Airbags auslösen, sendet das System automatisch einen Notruf ab. Bei kleineren Unfällen ohne Airbag-Auslösung passiert dagegen nichts.

Das Notrufsystem kann auch manuell ausgelöst werden, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt: Fahrer, Mitfahrer oder auch Helfer können den SOS-Notrufknopf drücken. „Das kommt auch schon mal versehentlich vor, wenn große Gegenstände wie Möbel transportiert werden. Da kann es dann schon mal sein, das Feuerwehr und Rettungsdienst auf einmal vor dem Möbelhaus stehen“, weiß Sdunek, dass es auch zu Fehlalarm kommen kann.

Wichtige Informationen gelangen direkt und automatisch zur Rettungsleitstelle

„Wird ein Notruf automatisch oder manuell abgesetzt, erreichen sämtliche Daten die Rettungsleitstelle: den Zeitpunkt des Unfalls, mit welchem Treibstoff das Auto gefahren wird, um was für ein Fahrzeug es sich handelt und wie viele Personen sich im Fahrzeug befinden“, erklärt Sdunek. Die Personenanzahl ließe sich daraus ableiten, wie viele Gurte angelegt waren und im Auto elektrisch erfasst wurden.

„Dass wir über einen eCall alarmiert werden, passiert monatlich vielleicht zweimal“, weiß Tobias Sdunek. Das liege daran, dass das System nur in ganz neuen Fahrzeugmodellen und meist hochklassigen Typen verbaut sei. Dennoch sei das System „vermutlich unsere Zukunft“, vermutet Leitstellen-Disponent Sdunek. Und wenn dadurch noch mehr Menschenleben gerettet werden könnten, habe sicherlich auch niemand etwas dagegen.

Wie funktioniert Auto-eCall?

Die EU-Kommission schätzt, dass Rettungskräfte durch einen eCall fast doppelt so schnell am Unfallort sein werden wie bislang. Dadurch könnten sie pro Jahr in ganz Europa 2500 Menschenleben retten – sagen Experten vom ADAC.

Außerdem kommt es an ungesicherten Unfallstellen oft zu Folgeunfällen und langen Staus. Diese Folgen sollen durch eCall ebenfalls verringert werden, da der Unfallort schneller abgesichert werden kann.

eCall benötigt Empfänger für GPS- und Galileo-Ortungsdaten, eine Mobilfunkantenne, ein Steuergerät mit fest verbauter SIM-Karte, eine Verbindung zum Airbag-Steuergerät und eine Freisprechanlage. Idealerweise verfügt das System auch über eine Pannenruftaste, damit bei rein technischen Defekten nicht die 112-Zentralen belastet werden. Das sei aber, wie Tobias Sdunek weiß, noch von Hersteller zu Hersteller verschieden.

eCall-Systeme sind Pflilcht bei Neuwagen

eCall (Kurzform für emergency call) ist ein von der Europäischen Union vorgeschriebenes automatisches Notrufsystem für Kraftfahrzeuge. Im Fahrzeug montierte Geräte sollen einen Verkehrsunfall automatisch an die einheitliche europäische Notrufnummer 112 melden und durch die rascher initiierten Rettungsmaßnahmen die Zahl der Verkehrstoten senken. Ein eCall ist bei neuen Fahrzeugmodellen Bestandteil der Typzulassungsprüfung. Das eCall-System steht in der Kritik, trotz angeblich guter Intentionen möglicherweise die technische Grundlage für eine EU-weite Überwachungsinfrastruktur zu schaffen. Wer es demontieren will, hat ein Problem. Wird aus dem Fahrzeug etwas entfernt, das Bestandteil der Typzulassung war (wie Katalysator, ABS oder auch eCall), so verliert es die Betriebserlaubnis im öffentlichen Straßenverkehr. Bei einem Unfall riskiert man den Versicherungsschutz, und bei einer Hauptuntersuchung könnte die Plakette verwehrt werden. - Quelle: Wikipedia

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