Tina Teubners Pointen-Marathon

+
Tina Teubner und ihr Pianist Ben Süverkrüp sorgten für einen vergnüglichen Abend in der AFG-Aula. - Fotos: Salzmann

Halver - „Wenn’s mal knallt am Heiligen Abend, nie die Schuld bei sich selber suchen!“ Tipps und Tricks, wie Weihnachten garantiert misslingt, hatten Tina Teubner und Ben Süverkrüp, die sich am Mittwoch in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums mit Lust und Laune dem allgegenwärtigen Weihnachtswahnsinn stellten, zuhauf.

Von Monika Salzmann

„Wer selber kein Gedicht kennt, sollte wenigstens den Vortrag der Anderen stören“, meinte die preisgekrönte Kabarettistin, Autorin und Chansonsängerin (Deutscher Kleinkunstpreis, Deutscher Kabarettpreis) mit entwaffnendem Charme. Ehrlich sein, auch wenn die „herzliche“ Begrüßung der lieben Verwandtschaft dann zwangsläufig „Hallo, alte Schabracke!“ heißt, Aggressionen rauslassen (bevor sie zu groß werden) und keine falsche Bescheidenheit an den Tag legen lautete ihr Rezept für ein 100-prozentig stressfreies, perfektes Weihnachtsfest.

„Stille Nacht bis es kracht“ lautete der Titel ihres herrlich bissigen, humorvollen Programms, bei dem sich jeder angesprochen fühlen und auch ein wenig über sich selbst lachen durfte. Mit losem Mundwerk und großer Stimme holte Tina Teubner in ihren Liedern und Texten zum Rundumschlag auf die ach so besinnliche Zeit mit ihrer Hektik, ihrem übersteigerten Erwartungsdruck und dem alljährlichen familiären Pflichtprogramm aus.

Kirchenchöre bleiben nicht verschont

Schenken, Essen, Trinken, Liedgut, Verwandtschaftsbesuche, Krippenspiele und Weihnachtskonzerte: An der Seite ihres kongenialen Bühnenpartners Ben Süverkrüp (Klavier), der ein tolles Solo hinlegte, biss sie sich an Weihnachten die Zähne aus. Vorsorglich, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, spielte sie jeden Weihnachtssupergau durch und kam zu verblüffenden, hoch amüsanten Lösungen.

Sogar die Laien- und Kirchenchöre blieben von ihren hieb- und stichfesten Sticheleien, die bestens unterhielten und prächtig amüsierten, nicht verschont. „Nicht bös gemeint!“, meinte sie hinterher entschuldigend – und man glaubte es ihr auf’s Wort.

Das Alleinsein und die Zweisamkeit an Weihnachten nahm die begnadete Musikerin, die auf Geige, singender Säge und Ukulele poetische Momente in ihre Show einbaute, vor voll besetzten Rängen unter die Lupe. „Schlimm, wenn man Weihnachten allein ist“, meinte sie. „Aber noch schlimmer ist es, wenn man es nicht ist.“ Mit dem Beweis, dass dem so ist, hielt sie selbstredend nicht lange hinterm Berg. „Ernsthaft“ machte sich die Kölnerin darüber Gedanken, an Weihnachten die Familienmitglieder auszutauschen. Bekannten Weihnachtsliedern zog sie ein freches Textmäntelchen an, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

„Süßer die Worte nie klingen, du gehst jetzt einkaufen. Wenn du nicht tust, was ich sage, lebst du schon morgen allein“, hieß es da. Von der Krippe zur Grippe („Ich steh mit meiner Grippe hier“) war es nur ein Katzensprung. Auch der Ehekrach Teubner/Süverkrüp lag bei der krachenden stillen Nacht förmlich in der Luft. Am Kindheitstrauma vom Krippenspiel, Weihnachtsrundbriefen, bei denen sich die Nackenhaare sträuben, Golden-Blitz-Flatrates als Geschenktipps für Autofahrer, die ewig zu schnell unterwegs ist und diese teuren Schwarz-Weiß-Bilder bekommen, war die Rede. Weihnachten kann kommen nach diesem Pointen-Marathon!

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare