Tierschutzverein Halver klagt: Mehr Katzenbabys ausgesetzt

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Gerade einmal eine Woche alt ist der kleine Chico. Er benötigt Betreuung rund um die Uhr und muss alle zwei bis drei Stunden gefüttert werden.

Halver - Ausgesetzt in einem Pappkarton an einer Bushaltestelle, verklebt mit Blut und die Nabelschnur hängt auch noch an dem kleinen Körper: Chico ist höchstens eine Woche alt und kann noch nicht einmal die Augen öffnen, als er gefunden und in die Obhut von Liane Kaddatz gegeben wird.

Insgesamt neun Katzenbabys wurden zuletzt in der Auffangstation des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle abgegeben. „Das hatten wir noch nie“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Jana Schmidt. Zwar gebe es das Phänomen der „Maikätzchen“ und auch im Herbst sei in der Regel mit neugeborenen Katzen zu rechnen. So viele wie in diesem Jahr seien jedoch noch nie zur gleichen Zeit gefunden worden. Eins der Katzenbabys wurde zusammen mit der Mutter gefunden, die einen starken Beschützerinstinkt hat. „Wenn man dem Käfig zu nahe kommt, springt sie an die Gitterstäbe“, sagt Schmidt.

Ersatzmutter in Vollzeit

Die Mütter, so vermutet Schmidt, sind zumeist verwilderte Katzen. „Eine beobachten wir an den Futterstellen und versuchen, sie einzufangen, um sie kastrieren zu lassen“, sagt Schmidt. Vier weitere Kätzchen wurden gemeinsam auf einem Bauernhof gefunden. „Die sind aus einem Wurf.“ Mittlerweile sind sie vier Wochen alt. „Obwohl sie eigentlich verwilderte Katzen sind, sind sie sehr zutraulich und wollen kuscheln und spielen“, sagt Schmidt.

Als Chico in die Auffangstation gebracht wurde, griff Schmidt zum Telefon, um nach einer Vollzeit-Ersatzmama zu suchen. „Eine Katze in dem Alter braucht eine Rundum-Betreuung“, sagt Liane Kaddatz. „Alle zwei bis drei Stunden muss er gefüttert werden – das kann man schwer leisten, wenn die Katze in der Auffangstation ist. Man muss ihn dann schon mit nach Hause nehmen. Dort kann ich mir einfach den Wecker stellen und ihn füttern.“

Nicht kastrierte Tiere weiter ein Problem

Bei einem Katzenbaby, das nur wenige Tage alt ist, müsse man jedoch auf alles gefasst sein, auch darauf, dass das Kätzchen nicht überlebt. „Durch die Umstellung von der Mutter- auf die Aufzuchtmilch kann das Kätzchen schon mal an Durchfall erkranken. Deshalb muss ich ständig darauf achten, wann und wie Kot abgesetzt wird“, sagt Schmidt.

Nach wie vor seien nicht kastrierte Katzen und Kater ein Problem. Ab zirka neun Monaten, verschieden von Katze zu Katze, sind sie geschlechtsreif. Der Tierschutzverein spricht sich klar für eine Kastrationspflicht aus. „Wenn wir eine Katze vermitteln, gibt es einen Gutschein zur Kastration dazu“, sagt Schmidt.

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