Die "Notfelle" vom Langenscheid

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Lucy hat am vergangenen Freitag ihre letzte Impfung bekommen und kann nun vermittelt werden. Der Tierschutzverein legt jeder Katze einen Kastrationsgutschein bei.

Halver - Im Kinderzimmer des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle geht es rund: Drei Katzenkinder toben durch die Außenunterkunft. Und das sind nicht die einzigen Kitten, wie man sie im Tierheim nennt, die ein neues Zuhause suchen.

Insgesamt sind es zehn Kleine, zu denen noch weitere erwachsene Katzen und Kater hinzukommen. Zum Weltkatzentag gibt Jana Schmidt, erste Vorsitzende des Vereins, einen Einblick in die Arbeit des Tierschutzvereins und in die viel zu geringen Kapazitäten. 

32 Katzen leben aktuell in den beiden Unterkünften, die sich am Langescheid und in einer Wohnung der Firma Kemper befinden. „Hinzu kommen drei Handaufzuchten, um die sich eine Kollegin zuhause kümmert“, sagt Schmidt. 

Die Geschichten, die Schmidt zu erzählen hat, sind weniger schön. „Wir hatten einen Fall, da war noch die Nabelschnur an dem Kitten.“ Das Tier sei einfach in einem Karton an einer Bushaltestelle abgelegt worden.

"So schlimm war es noch nie"

Zu den Katzenkindern kommen auch noch zahlreiche erwachsene Tiere hinzu. „So schlimm wie jetzt ist mir das noch nie aufgefallen“, sagt Schmidt und spielt damit auf die aktuelle Ferienzeit an. Man könne nicht genau sagen, wie viele Katzen im Schnitt gefunden oder abgegeben werden. Allerdings sei es derzeit sehr viel. „Es gab beispielsweise ein Wochenende, da kam am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils eine Katze zu uns“, sagt Schmidt. 

„Bei einer Katze haben wir auch den Verdacht, dass sie wegen der Urlaubszeit ausgesetzt wurde.“ Und auch da kann Schmidt eine Geschichte erzählen: „Wir haben schon einmal erlebt, dass eine Katze als Fundkatze abgegeben wurde. Dann waren die Leute im Urlaub und anschließend haben sie sich ausgerechnet für diese eine Katze entschieden, die sie vorher abgegeben haben.“ So spare man Kosten, man zahle keine Pension. 

Auch Julika steht auf der Liste der „Notfelle“. Mit Lucy wohnt sie jetzt in der Außenunterkunft.

Der Tierschutzverein tut alles Menschenmögliche für seine „Notfelle“, wie die Mitglieder ihre Tiere nennen. Für eine einzige Katze hat das Team vor einiger Zeit einen Bauwagen gekauft, der hinter der Unterkunft am Langenscheid steht. „Der war für eine Katze mit Leukose und Katzen-Aids“, sagt Schmidt. Der Wagen war nötig, da Leukose direkt von Katze auf Katze durch Speichel, Blut und Urin, also durch Tröpfcheninfektion, übertragbar ist. 

Inzwischen lebt die Katze nicht mehr, sie musste eingeschläfert werden. Insgesamt sei es einfach wichtig, wie der Mensch mit der Katze umgeht. „Das ist allerdings häufig ein Problem“, findet Schmidt. Auf dem Land, auf Bauernhöfen werden die Katzen zum Beispiel als Nutztiere angesehen, sie halten die Mäuse fern. „Das sind sie aber nicht. Die Katze ist ein Haustier. Und sie lässt sich nichts sagen.“

Kastrationspflicht sei hilfreich

Jana Schmidt ist der Meinung, dass eine Kastrationspflicht hilfreich sei. Doch die gibt es in Halver nicht. Die Kommune könnte nach ihren Angaben eine solche Verordnung erlassen. „Es fehlen nur die, die das dann auch überprüfen.“ Die Tierärzte seien nicht zuständig, eine Chip-Pflicht gebe es auch nicht. 

„Die Leute, die sich eine Katze anschaffen, sollten sich im Klaren darüber sein, dass jedes Tier Kosten verursacht“, sagt Schmidt. Auch in Sachen Urlaub müsse man eine Lösung finden. „Es gibt zum Beispiel Pensionen. Ansonsten kann man uns auch immer als Anlaufstelle fragen.“ Im Tierschutzverein gibt es auch eine Mitarbeiterin, die einen Cat-Sitter-Service anbietet. „Es ist alles möglich.“

Die Menschen sollen fair sein

Die Leute sollen laut Schmidt fair sein. „Hunde irgendwo anbinden oder die Tiere aussetzen, das geht gar nicht.“ Der Tierschutzverein ist verpflichtet, jedes Tier aufzunehmen. Mit der Stadt wurde dafür ein Fundtiervertrag mit einem gewissen Pauschalbetrag, den die Stadt zahlt, vereinbart. 

Notfälle kommen erst in die Quarantäne, es wird ein Bluttest gemacht. Erst dann wird entschieden, wie es mit dem Tier weitergeht. Igel, Wildvögel, Hunde, Kaninchen und vieles mehr hat schon beim Tierschutzverein ein vorübergehendes Zuhause gefunden. 

Doch, um neue Tiere aufnehmen zu können, müssen andere Tiere erst vermittelt werden. Sieben Katzenkinder, etwa elf bis zwölf Wochen alt, suchen derzeit ein Zuhause. Interessenten können sich bei Jana Schmidt melden, Tel. 01 71/8 76 38 17.

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