Besondere Betreuung

Tierisches Paradies für Kinder - ein Bauernhof als Kindertagespflege im MK

Bauernhof Kindertagespflege Halver
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Bianca Sanders mit Tochter Thora sowie Mann Thorben. Tiere wie das Shetland-Ponny Chrissy und Labrador Luise sind ein wichtiger Teil im Leben der Sanders.

Ein Bauernhof, der gleichzeitig auch eine Kindertagespflege ist. Das gibt es im Märkischen Kreis. Wir waren zu Besuch.

Halver – Hahn „Hahnibal” stolziert umgeben von Hennen umher, Mini-Shetland-Pony „Chrissy” steht seelenruhig im Gehege, die Flugenten „Elsa und Olaf” watscheln gemeinsam durch den Garten, Katze „Miez” liegt faul gähnend auf dem Dach in der Sonne, und Labradorhündin „Luise” spielt auf der Wiese.

Das ist kein Zoo, sondern die tierischen Stars des Kinderbauernhofs am Schwarzenbach 21 in Halver. Eine ganz spezielle Kindertagespflege, die Erzieherin Bianca Sanders seit 2018 betreibt.

50 Tiere auf 5000 Quadratmetern

Unscheinbar wirkt das Einfamilienhaus auf den ersten Blick, betritt man jedoch den Garten, dann befinden sich Besucher plötzlich im tierischen Paradies. 50 Tiere leben dort auf 5000 Quadratmetern, in Ställen und Gehegen. Eine Idylle, ein Kleinod. Doch vor Kurzem war auch hier noch Land unter. Als in vielen Gebieten Deutschlands die große Flut kam, staute sich auch der Regen im Außenbereich der Kindertagespflege.

Bianca Sanders mit einem der vielen tierischen Bewohner – einem Langohrkaninchen.

Draußen bei den Tieren, im Garten, den Ställen und Gehegen lässt sich heute nichts mehr erahnen von dem fürchterlichen Mittwoch mit Starkregen und Hochwasser. Dramatisch war es aber auch am Schwarzenbach. Unter der Rasenfläche sammelten sich die extremen Regenmassen, es drohte zunehmend ein Wassereinbruch in die im Parterre gelegenen Räumlichkeiten der Kindertagespflege mit Spielzimmer, Bällepool, Ruhe- und Badezimmer.

Schaden durch das Hochwasser

In den Abendstunden war es dann so weit. Das Wasser drang in den Innenbereich der Kita ein und setzte alles komplett unter Wasser. „Nachmittags dachte ich noch, uns schwimmt der Garten mit den Tieren weg. Um 20 Uhr ist das Wasser dann durch die Wände in den Innenbereich geströmt”, erinnert sich Bianca Sanders an den Horrortag. Nerven behalten war angesagt. Schwierig. Auch weil Ehemann Thorben den ganzen Tag als Freiwilliger Feuerwehrmann in den Hochwassergebieten im Einsatz war. Abends musste er dann zuhause auch noch ran, um das Wasser abpumpen. Ein Sachschaden von 6000 Euro ist im Innenbereich entstanden. Der Boden musste raus, Wände werden neu gestrichen, Spielgeräte wurden umgelagert.

Die Trocknungsgeräte im Innenbereich der Einrichtung waren aufgrund des Starkregens dringend vonnöten.

„Noch läuft das Trocknungsgerät auf Hochtouren. Wir besitzen glücklicherweise eines”, sagt Thorben beim AA-Besuch und ergänzt: „Aber wir sind sehr guter Dinge, dass alles rechtzeitig fertig wird.” Eile ist bei der Instandsetzung geboten. Viel Zeit blieb nicht mehr. Anfang August war Stichtag für die neuen Kinder. Vier Kinder pro Tag darf die 34-Jährige betreuen. Im Mittelpunkt der Erziehung stehen Selbstständigkeit und der Umgang mit den Tieren. „Viele Kinder haben nicht die Möglichkeit, enge Beziehungen zu Tieren und der Natur zu entwickeln. Ich möchte ihnen das bieten”, sagt Bianca Sanders.

Draußen, fügt sie hinzu, lernten die Kinder unbewusst am meisten. Beim Klettern in den Hühnerstall, Zählen der gesammelten Hühnereier, Führen des Mini-Shetland-Pony am Strick, Treppensteigen in den Entenstall oder Feingefühl entwickeln beim Streicheln der Kaninchen.

Tiere helfen bei sprachlicher Entwicklung

Auch bei der sprachlichen Entwicklung helfen die Tiere. „Für die Kinder ist es eine große Motivation, die Tiere mit ihren Namen anzusprechen”, erklärt Bianca Sanders. Wenn die Kleinen zum Beispiel die Namen der beiden Flugenten Olaf und Elsa hörten, dann flippen sie aus. Auch dem Futter, das die Kinder selbst besorgen und auf dem Feld ernten, würde ein Name gegeben. Das Ziel ist eine starke Identifikation mit den Abläufen, den Tieren, der Pflege, das Kümmern. Im Endeffekt kommt das Wohl der Tiere wiederum auch den Kindern zugute. „Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit werden so gefördert und gestärkt“, betont die Erzieherin.

Die Tiere sind wiederum den Umgang mit Kindern gewöhnt. „Die Ställe und Gehege sind so konzipiert, dass die Kinder diese nicht alleine öffnen und betreten können”, sagt sie und ergänzt, dass von Anfang der richtige Umgang mit den Tieren erlernt werde.

Dazu zähle, dass die Kinder den Tieren nicht einfach so an das Maul packen, dass sie sich ruhig in den Ställen verhalten oder auch nicht durch Zäune greifen. Respekt vor den Tieren haben, das ist sehr wichtig, erklärt Bianca Sanders. Seit zehn Jahren lebt sie zusammen mit ihrem Ehemann am Rande der Kleinstadt.

Nach Mikrotechnologie kommt Kinderbetreuung

Die kleinen Produkte standen in ihrem Berufsleben schon immer im Mittelpunkt. Bevor sie Kindertagespflegerin wurde, verbaute sie als Mikrotechnologin für die Firma Turck winzige Chips in Handys. Die Entscheidung, Erzieherin zu werden, sich um kleine Kinder zu kümmern anstatt um kleine Chips, fasste die Halveranerin, als sie vor drei Jahren einen Kindergartenplatz für ihre Tochter Thora suchte. „Es gab keine freien Kindergartenplätze, und ich wollte jeden Tag rund um die Uhr bei meiner Tochter sein“, blickt sie zurück. Somit bot sich der Beruf als Erzieherin an. Und da der Bauernhof – Bianca Sanders züchtet schon viele Jahre lang Kaninchen – bereits auch in etwa so existierte, kam ihr die Idee, einen Kinderbauernhof als Kindertagesstätte zu schaffen.

Ihren alten Beruf vermisst sie überhaupt nicht, auch wenn der sehr anspruchsvoll war. Doch dem steht der Beruf als Erzieherin in nichts nach. „Gehen sie mal mit 4 Kindern gleichzeitig einkaufen. Dann wissen sie, was anspruchsvoll ist”, sagt sie und lächelt. Auch über mangelnden Zulauf kann Bianca Sanders nicht klagen. Erst ab August 2022 sind wieder Plätze frei auf dem Kinderbauernhof (www.kibaho.jimdofree.com).

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