Ärger um Bedingungen für Mitarbeiter

Tiefe Gräben bei Escha: Firma verkündet Rekordjahr - doch IG Metall kritisiert scharf

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Produktion bei Escha: Die IG Metall äußerte scharfe Kritik nach der Rekordmeldung zum Jahr 2018.

Halver - Zwischen Teilen des Betriebsrats und der Geschäftsführung der Firma Escha tun sich offenbar tiefe Gräben auf. Nach der Pressemitteilung zum Rekordjahr 2018 übte die IG Metall scharfe Kritik am Halveraner Unternehmen.

Stolz vermeldete die Firma Escha in der vergangenen Woche das sechste Rekordjahr in Folge. Um 14 Prozent habe man 2018 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern können, so hieß es. Werte, die die Geschäftsführung stolz machen, für die IG Metall aber nicht ohne Einbußen für die Mitarbeiter zustande gekommen sind.

Kevin Dewald, der als Gewerkschaftssekretär der IG Metall Märkischer Kreis für die Betreuung der Beschäftigten von Escha zuständig ist, übt scharfe Kritik an der positiven Darstellung der Geschäftszahlen: „Wenn Escha als einer der großen heimischen Arbeitgeber verkündet, ein sechstes Rekordjahr in Folge erzielt zu haben, wirkt dies angesichts der Kürzung der Jahresprämie für die Beschäftigten grotesk. Die Bestmarken des Arbeitgebers in diesem Jahr schlagen sich nicht im Geldbeutel der Beschäftigten nieder.“ 

Forderung: Lohnplus statt Prämienmodell 

Die Gewerkschaft fordert die Geschäftsführung um Marco Heck und Dietrich Turck dazu auf, anstelle einer freiwilligen Prämie eine allgemeine Lohnerhöhung auszuzahlen. Die Prämie erscheine für die Beschäftigten nämlich willkürlich und intransparent, meint Dewald. Escha dürfe nicht von einem Erfolg sprechen, wenn die Beschäftigten gleichzeitig finanzielle Einschnitte zum Vorjahr hinnehmen müssen. „Wer in der Öffentlichkeit über Bestmarken berichtet“, so Kevin Dewald, „muss gleichzeitig auch über die soziale Situation im Unternehmen sprechen.“ 

Dass es um das Verhältnis von Geschäftsführung zum Betriebsrat nicht zum Besten bestellt ist, zeigten offenbar zwei Betriebsversammlungen, die in dieser Woche stattfanden. „In dem vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Raum im Rohbau lagen die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt“, sagt Dewald. „Die Situation war unzumutbar. Kolleginnen und Kollegen klagten über die Kälte. Es gibt Prämien bei Escha, die an die Krankenquote gekoppelt sind. Da ist es zynisch, wenn die Beschäftigten solchen Temperaturen ausgesetzt werden.“ 

Zu den Temperaturen während der Betriebsversammlung gibt es nach AA-Recherchen im Unternehmen widersprüchliche Angaben. Fest steht jedoch, dass die Betriebsversammlung tatsächlich in einem Rohbau stattfand. Nach Informationen unserer Zeitung habe es vonseiten der Geschäftsführung kein anderes Raumangebot gegeben, sodass der Betriebsrat der Versammlungsstätte zähneknirschend zustimmen musste, um die Veranstaltungen nicht absagen zu müssen. 

Abwahlantrag im Betriebsrat 

Wie zu hören ist, gibt es im Unternehmen zahlreiche strittige Themen, die zu Zerwürfnissen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung geführt haben. Kritik äußert die Mitarbeitervertretung etwa daran, dass offene Salden im Verfügungszeitkonto nach Jahresende auf null gesetzt würden oder Betriebsratsschulungen nicht an neutralen Orten erfolgten. Für weiteren Zündstoff sorgt die Besetzung des Betriebsrats selbst: In diesem stehen Vertreter der IG-Metall-Liste einer Liste gegenüber, die der Geschäftsführung nahe stehen soll. Sogar ein Antrag auf Abwahl des 1. Vorsitzenden sowie seiner Stellvertreterin – beide unterstützt von der IG Metall – soll auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung zu finden sein.

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