THW Halver koordiniert in Altenahr Hilfe für Opfer der Flut

Ins Ahrtal in eine andere Welt

Schweres Gerät in engen Straßen.
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Schweres Gerät in engen Straßen.

Rund 120 Kilometer sind es von Halver bis Altenahr. Das ist eigentlich nicht viel. Aber zurzeit ist es eine Reise in eine andere Welt. Vier ehrenamtliche Helfer der THW-Ortsgruppe Halver sind am 5. August dorthin gefahren und am 15. August zurückgekehrt. Ihre Aufgabe: die Koordination weiterer THW-Einheiten aus ganz Deutschland in der Katastrophenhilfe im Ahrtal.

Halver - Zugführer Matthias Oelke, Friedhelm Broska, Robin Kaulfuß und Thomas Bunde sind angefordert als das, was beim Technischen Hilfswerk Zugtrupp heißt. Von morgens um 8 bis abends um 20 Uhr bilden sie für diese fast zwei Wochen die Führungsstelle in Ahrweiler.

Sie koordinieren und organisieren, funken und telefonieren. Und sie sind Ansprechpartner für die Menschen, die bei der Flut Freunde und Angehörige verloren haben, ganz zu schweigen von Wohnung und vielleicht Betrieb, von der wirtschaftlichen Existenz und dem, was in der kleinen Gemeinde und der Umgebung den sozialen Zusammenhalt ausmacht. „So ein Ausmaß an Zerstörung und Verwüstung hatten die vier Helfer noch nicht erlebt“, heißt es auf der Facebook-Seite des THW Halver im Rückblick.

Kilometerlange Müllberge

Jede Menge Zerstörung, kilometerlange Müllberge, zerstörte Häuser, Straßen und Brücken sehen die Halveraner Helfer, als sie am Donnerstag mit dem sogenannte FüKW, dem Führungskraftwagen nach Ahrweiler kommen, wie Oelke es nach dem Einsatz wiedergibt. Die Männer aus dem Zugtrupp sehen aufgrund ihrer Arbeit nicht das erste Mal ein Katastrophenszenario, „aber so noch nie“.

Der Zugtrupp des THW Halver.

Ihre Arbeit besteht darin, die Anfragen und Aufgaben anzunehmen und zu versuchen, die nötigen Mittel zu koordinieren. Fast überall im Ort gibt es aufgetriebene und kaputte Öltanks, die jetzt aus den Häusern müssen. Wo es nicht passt, müssen Wände eingerissen oder Statiker verständigt werden, die die Standsicherheit von Gebäuden einschätzen können. „Dürfen da wieder Menschen rein, können wir das Haus noch abstützen und stabilisieren?“ Solche Fragen tauchen auf, und zwar nicht nur für die Helfer der Bundesorganisation, sondern auch für die Bevölkerung im Ahrtal.

5000 THW-Helfer im Bereitstellungsraum

Der Zugtrupp aus Halver ist auch für die Bürger Ansprechstelle. „Bewegend war die Dankbarkeit, die uns entgegengebracht worden ist“, sagt Oelke stellvertretend für das Team – und wohl auch für die anderen THW-Helfer, die mit Spezialgerät und dem jeweiligen Know-how aus der gesamten Republik in die Eifel gekommen sind. Insgesamt sind es zu Spitzenzeiten 5000 Männer und Frauen. Sie schlafen in Zelten im THW-Bereitstellungsraum am Nürburgring. „Für eine solche Lage gibt es Pläne in der Schublade“, sagt der Zugführer lapidar auf der einen Seite, aber andererseits: „Es ist und bleibt trotzdem logistisch eine Meisterleistung.“

Was für ein normales Leben für die Menschen wichtig ist, wird dem Halveraner Team an ganz vielen Stellen deutlich. Die Feuerwehrstrukturen in den Tälern sind zusammengebrochen, die Einsatzkräfte verfügen nicht mehr über funktionsfähige Fahrzeuge.

Strukturen zusammengebrochen

Wenn’s brennt, muss überörtliche Hilfe kommen. Und selbst einfachste Verwaltungsvorgänge finden nicht mehr statt, weil Rathäuser buchstäblich abgesoffen sind. Ein Satz auf der THW-Seite macht es deutlicher: „Bewegend für die THWler war der Moment, als der durch die Bundeswehr von den Schlammmassen befreite Friedhof wieder an die Dorfgemeinschaft übergeben wurde.“

Landschaftlich schön - und schwer beschädigt: das Ahrtal.

Dass die Hilfe des THW im entscheidenden Fall vor Ort ankommt und funktioniert, hängt letztlich an einer Reihe von Faktoren. Zunächst ist es der ehrenamtliche Gedanke und Einsatz, dann aber auch der Unterbau, den der Bund über Ausrüstung und Fahrzeuge für den Krisenfall stellt. Und nicht zu vergessen – auch darauf macht Oelke im AA-Gespräch aufmerksam – sei es das Entgegenkommen der vielen Arbeitgeber, die die Helfer für die Hilfe freistellen.

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