Bremer Stadtmusikant auf der Suche

Frau Holle (rechts) hatte alle Hände voll zu tun, quengelnde Märchenfiguren unter Kontrolle zu bringen. - Foto: Salzmann

Halver - So ein Esel hat’s schwer, wenn er Reisegefährten wie Hund, Katze und Hahn hat. Alle alt, vergesslich, zu nichts zu gebrauchen und gerade noch einmal dem Tod von der Schippe gesprungen – wie er selbst. „Ich will hier raus, mal was ganz anderes sehen“, begehrt das Grautier auf. Mit Frau Holles Hilfe stahl sich der abenteuerlustige Geselle, den das „Theater Wundertüte“ aus Dortmund jetzt in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums in der turbulenten Märchenrevue „Grimms Märchen“ auf Reisen schickte, aus seiner Geschichte.

Sein Märchen, der ewig gleiche Handlungsverlauf und seine greisen Kameraden gingen dem Esel, der sich den kleinen Zuschauern beim Kindertheater im Anne-Frank-Gymnasium als Bremer Stadtmusikant zu erkennen gab, auf die Nerven. Es dauerte nicht lange, bis auch das Rumpelstilzchen quengelte und Frau Holle, die Hüterin der Märchen, mit Wünschen bedrängte. Mit viel Musik und noch mehr Fantasie wirbelte das fünfköpfige Ensemble – bestehend aus Lara Espey, Sevgi Kahraman-Brust, Leyla Brust, Christian Müller-Espay und Wolfgang Brust – die Grimm’sche Märchenwelt durcheinander.

Von Anfang an war das Märchenwissen der Jungen und Mädchen im Saal gefragt. In welchem Märchen spielt ein goldener Damenschuh eine Rolle? Was macht ein Wolf, wenn er nicht gerade die sieben Geißlein frisst, den ganzen Tag? Wer kann die Geschichte von Dornröschen erzählen? Alles Fragen, auf die die Kinder – durchweg märchenfest – prompte Antwort wussten. In aufwändigen, farbenfrohen Kostümen rissen die spielfreudigen Akteure, die in stetem Rollenwechsel begriffen waren, witzig und charmant eine Vielzahl vertrauter Märchen an.

Frau Holle, wunderschön anzusehen in ihrem schneeweißen Märchenkleid, schüttelte ihre Zauberfedern und auf Anhieb verwandelte sich der Esel – von wechselnden Darstellern gespielt – in eine andere Märchenfigur.

Seine langen Eselsohren gab er der Hüterin der Märchen dabei stets in sichere Verwahrung. In jeder Geschichte, in der der aufsässige Bremer Stadtmusikant sein Glück versuchte, fand er das Haar in der Suppe. Hundert Jahre schlafen wie Dornröschen? Nein, wie langweilig. An die Wand geworfen werden und platzen wie der Froschkönig? Auf gar keinen Fall. Leckerbissen für einen hungrigen Wolf sein wie Rotkäppchen oder selbst süße Geißlein fressen? Nie und nimmer. „Wie schaff ich’s nur, dass dieser Esel wieder in sein Märchen geht?“, fragte sich eine entnervte Frau Holle schon bald.

Als Vegetarier Zicklein fressen zu müssen, brachte den Esel schließlich zur Raison. Zur Musik vom Band – eingespielt von Benny Mokress (Drums und Perkussion) und Wolfgang Brust (alle anderen Instrumente) – erfreuten die Gäste aus Dortmund mit eingängigen, griffigen Liedern. Rotkäppchen sammelte da frohgemut „Blumen für die Oma“. „Gib mir einen Kuss“ bettelte der Froschkönig. Vergeblich suchte der „Aschenprinz“ sein Aschenputtel im Publikum. Schon für die Kleinsten ein lustiger, ideenreich umgesetzter Spaß.

Von Monika Salzmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare