Die Rockstars der Oper

Volles Haus für „The Cast“

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Till Bleckwedel, Anne Byrne und Guillermo Valdez (von links) in Aktion.

Halver - "The Cast" überzeugt die Besucher im AFG in Halver mit herausragenden Stimmen. Die Rockstars beziehen ihr Publikum mit ein - und kassieren viel Applaus.

Puccini ein Rockstar? Unbedingt. Verdi und Mozart? Nicht minder rockstarverdächtig. Unbekümmert, aufregend und hinreißend sinnlich verpasste die Opernband „The Cast“ den Rockstars der Vergangenheit und ihren Meisterwerken eine frappierende Frischzellenkur. 

Vor voll besetzten Rängen rissen die sechs hervorragend ausgebildeten Sänger und ihr kongenialer Pianist die Halveraner in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums zu Begeisterungsstürmen hin. Selbst Opernmuffel kamen am Freitag nicht umhin, sich vom Zauber der Melodien in erfrischend jungem, originellem Gewand mitreißen zu lassen. Frank und frei setzte die bunt zusammengewürfelte Truppe ihr Versprechen „Je mehr Sie jubeln, desto besser singen wir“, in die Tat um. „Aufstehen und sich die Klamotten vom Leib reißen“, war ausdrücklich erwünscht und erlaubt. 

Carrieanne Winter liefert die Sopranstimme.

In der Besetzung Yu Chen (Piano), Anne Byrne (Mezzosopran), Bryn Vertesi (Sopran), Carrieanne Winter (Sopran), Till Bleckwedel (Bariton), Guillermo Valdez (Tenor) und Grzegorz Sobczak (Bariton) drang die Opernband mit bezwingendem Charme, einer gehörigen Portion Ironie und Sangeskunst zum Dahinschmelzen zum Kern der Sache vor. Schon die schrägen Outfits machten deutlich, dass bei den Rockstars der Oper alles andere als ein „normaler“ Opernabend angesagt war. 

Ohrwürmer aus einem riesigen Pool

Ausgesprochene Ohrwürmer fischte die von der Amerikanerin Bryn Vertesi und ihrem kanadischen Ehemann Campbell Vertesi gegründete Gruppe aus dem riesigen Pool ergreifender, gefühlvoller, dramatischer und romantischer Opernmelodien heraus. Andeutungsweise rissen die Sänger, die in unterschiedlichster Konstellation vom Solisten bis zum Sextett brillierten, launig und kurzweilig dabei stets die Geschichte hinter den Arien, Duetten und Chören an. 

Bariton: Till Bleckwedel.

Gewitzt und pfiffig bekamen die Storys einen eigenen Dreh. Hitzig und kampfeslustig stritten sich da gleich zwei Mozart‘sche Don Giovannis (Till Bleckwedel/Grzegorz Sobczak) um die Gunst der sich kokett zierenden, geschmeichelten Braut, um die Frau am Ende zu vergessen und sich selbst verliebt in den Armen zu liegen. Händels Cleopatra (Carrieanne Winter) zeigte sich als starke, machtbesessene Frau, die die „Puppen“, sprich ihre Mitstreiter, nach Lust und Laune tanzen ließ – und der Zigeunerchor aus Verdis „Troubadour“ sah sich unversehens mit einem „We will rock you“-Rhythmus unterlegt.

Apropos „Troubadour“: In Hände- und Füßeleute unterschieden, die zum Wettstreit im Klatschen und Stampfen antraten, hämmerten die Zuschauer den zum Chor gehörenden Zigeuneramboss gleich mit. Es gab in der mitreißenden Show der Opernsänger aus Chile, Amerika, Polen und Bremen anrührende Momente wie beim Wiegenlied „O mio babbino caro“ von Puccini, sanft und zärtlich von den drei Frauen gesungen, oder bei „La mamma morta“ – berühmt geworden in der Fassung von Maria Callas und am Freitag von Bryn Vertesi interpretiert. 

Dramatik und Romantik

Es gab Dramatik, als die Zigeunerin Azucena (Anne Byrne) aus Rache das falsche Baby ins Feuer warf. Und es gab Romantik, als Guillermo Valdez auf Freiersfüßen wandelte – und sich dabei suchend unter das Publikum mischte. In ihrem chinesischen Pianisten Yu Chen, der hoch virtuos Mozart mit Jazzelementen anreicherte, fanden die zugabenfreudigen Rockstars einen allzeit einfühlsamen Begleiter.

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