Teure Prügel beim Scheunenfest in Halver

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Halver/Arnsberg - Sehr unterschiedlich fielen jetzt im Amtsgericht Lüdenscheid die Erklärungen aus, warum ein 23-jähriger Kiersper am 24. Mai mit einer Nasenbeinfraktur und einer Platzwunde am Auge das Scheunenfest der Landjugend Halver verließ.

Es war gegen 3.10 Uhr, als ein 32-Jähriger aus Halver dem Geschädigten zweimal mit der Faust ins Gesicht schlug. Soweit gab der das Tatgeschehen auch zu. Allerdings habe ihn der Geschädigte zuvor immer wieder verbal provoziert und selber eine schlagbereite Faust hochgezogen, bevor er ihm zur Abwehr zwei Schläge „mitten ins Gesicht“ verpasst habe, behauptete der Angeklagte.

Das Opfer hatte eine ganz andere Geschichte erlebt: Zwei Freunde hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, dass seine Freundin vom Angeklagten belästigt werde: Sie hätten gesehen, „wie er sie da festhält – hinten rum“, erinnerte sich der Zeuge. Als er den Angeklagten darauf angesprochen habe, habe der sofort zugeschlagen. Von einem tätlichen Angriff seinerseits könne keine Rede sein, versicherte der Zeuge. Eine Verteidigungshandlung des Angeklagten könne er „100-prozentig ausschließen“.

Angeklagter zeigt sich "extremst überrascht"

Der wiederum bestritt, dass er betrunkenen Kopfes fremde Früchte begehrt habe: „Ich soll eine Frau an den Arsch gepackt haben?“ „Extremst überrascht“ sei er, „dass solche Geschichten auf den Tisch kommen“.

Nun bestätigte allerdings die 18-jährige Freundin des Geschädigten dessen Version: „Er hat mich angesprochen, mich unangenehm an den Hüften angefasst und in den Arm genommen.“ Zudem gab es noch einen weiteren Zeugen aus dem Umfeld des Paares, der in Übereinstimmung mit zuvor bei der Polizei gemachten Aussagen den Bericht des Geschädigten bestätigte. Auch der Angeklagte war in Begleitung gewesen – sein angeblicher Entlastungszeuge war allerdings vor der Verhandlung nicht auffindbar gewesen.

"Durch nichts gerechtfertigt"

So blieb es bei Zeugenaussagen, die Richter Thomas Kabus und Oberstaatsanwalt Lehmann überzeugten, dass der 32-Jährige so zugeschlagen hatte, wie es ihm die Anklage vorgeworfen hatte. „Keiner der Zeugenaussagen lässt sich entnehmen, dass der Geschädigte den Angeklagten bedroht hatte“, stellte der Vertreter der Anklage fest und beantragte mit Blick auf die einschlägigen Vorstrafen eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 70 Euro. „Die Körperverletzung ist durch nichts gerechtfertigt oder entschuldigt.“

Der Richter folgte diesem Antrag einer Geldstrafe von insgesamt 5600 Euro mit dem Hinweis auf die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen: „Meiner Meinung nach steht fest, dass Sie sich der Freundin des Zeugin genähert haben“, begründete er das Urteil.

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