1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Halver

Corona: Testzentren in Halver machen weiter - ab Freitag Kosten für Bürger

Erstellt:

Von: Leon Malte Cilsik, Florian Hesse

Kommentare

Rotkreuzleiter Werner Neuhoff
Rotkreuzleiter Werner Neuhoff © Florian Hesse

Der DRK-Ortsverein Halver hält das Corona-Testzentrum an der Thomasstraße weiter aufrecht.

Auch wenn der Bürgertest ab Freitag nicht mehr kostenfrei für die Menschen ist, bleibe die Anlaufstelle in der DRK-Unterkunft erhalten, versichert Rotkreuzleiter Werner Neuhoff auf Anfrage unserer Zeitung.

Wer für sich persönlich und für sein Umfeld sichergehen will, nicht infiziert zu sein, hat damit unverändert die Möglichkeit, sich professionell testen zu lassen. Der Unterschied zur vergangenen Zeit: Pro Test sind die Menschen mit 3 Euro Eigenbeteiligung dabei. Gleichzeitig sinken die Aufwandsentschädigungen für die Betreiber, in diesem Fall das DRK, deutlich.

Bezahlt werden kann an der Thomasstraße im Idealfall mit der EC-Karte. Das vereinfache das Verfahren in organisatorischer Hinsicht, bittet Neuhoff die Nutzer, möglichst bargeldlos zu zahlen. Es sei trotzdem möglich, auch bar zu zahlen. Kreditkarten können nicht akzeptiert werden.

Mit dem Wegfall der kostenfreien Tests wird es aber auch für die Hilfsorganisation in betriebswirtschaftlicher Hinsicht schwieriger, beschreibt Neuhoff die Lage. Denn statt 12,50 Euro pro Test, die vorher gezahlt wurden, geht es ab 1. Juli nur noch um 9,50 Euro, von denen das DRK dann auch die 3 Euro Eigenanteil selbst erheben muss.

In der Gesamtschau werde es damit schwieriger. Bezahlt werden muss das Personal, das zum Teil das DRK selbst stellt, zum anderen der Pflegedienst Pflegeleicht als Partner im Betrieb des Testzentrums. Hinzu komme die allgemeine Teuerung, Desinfektionsmaterial, die Tests selber, Verwaltung, Miete – und Strom. Allein die Stromkosten hätten vor einigen Jahren noch bei 1400 Euro im Jahr gelegen. Inzwischen bezahle das DRK dafür 4800, nennt Neuhoff eine der Hausnummern.

Wie sich die Auslastung des Testzentrums, zunächst noch an der Thomasstraße, ab August wahrscheinlich mit einer Containerlösung vor der Unterkunft, entwickeln werde, lasse sich jetzt noch nicht einschätzen. Von einer Abnahme aufgrund der Eigenbeteiligung sei auszugehen, vermutet Halvers Rotkreuzleiter. Doch die Infektionszahlen gingen sichtbar in die Höhe. Hinzu komme eine immense Dunkelziffer mit möglicherweise einer Verdoppelung der Zahl der Erkrankten, so seine Einschätzung. Was nach den Ferien passiert, sei nicht vorherzusagen. „Das wird sehr sportlich.“ Denn die Testzahlen haben angesichts der hohen Inzidenzwerte von deutlich über 1000 in Halver deutlich zugenommen. „Wir sind wieder bei 200 am Tag, davon 35 bis 40 positiv“.

Das ist der Grund, warum die Türen des Testzentrums weiter offen bleiben. „Das ist im Herbst nicht zu Ende“, sagt Neuhoff.

Drive-in-Teststation

Doch es gibt auch Skepsis gegenüber der neuen Testverordnung. „Die Preise steigen in allen Lebensbereichen, die Schnelltests könnten zum ,Luxus’ werden, den sich keiner mehr leisten möchte“, befürchtet Finn Binczyk, Inhaber der Testzentren Safi, die unter anderem immer sonntags die Drive-in-Station am Schlemmerimbiss in Halver betreiben. Er findet das angesichts der hohen Infektionszahlen bedenklich.

Und auch ein weiterer Aspekt wirft Fragen auf: Für vulnerable Gruppen, darunter auch Kinder bis fünf Jahre, Frauen zu Beginn der Schwangerschaft sowie Besucher von Kliniken und Pflegeheimen, sollen die Tests weiter kostenlos bleiben. „Wie sollen wir das kontrollieren?“, fragt sich Binczyk. Mit seinem Team arbeite er derzeit noch an Konzepten, beispielsweise einer Unterschriftenlösung. „Wir hoffen, dass der Bund dazu noch konkreter wird, andernfalls könnte ab Juli großes Chaos an den Testzentren herrschen“, führt Binczyk weiter aus. Alternativ appelliert er, das Land NRW solle den Eigenanteil der Bürger übernehmen: „Die Länder haben laut Testverordnung zumindest theoretisch die Möglichkeit dazu. Ich hoffe, sie machen davon Gebrauch.“

Das Gespräch mit unserer Zeitung nutzte Binczyk noch für eine Ankündigung: Die Testzentren Safi bieten ab sofort auch PCR-Tests an. „Das hatten wir ohnehin geplant. Da der Staat die Kosten trägt, bräuchten wir dafür auch kein eigenes Bezahlsystem.“ Mit im Boot ist dabei das Lüdenscheider Labor Wahl, eine Anmeldung ist über die Webseite der Testzentren möglich. Demnach hält auch das Testzentrum Safi an ihrem seinem Betrieb weiter fest.

Auch interessant

Kommentare