Tendenz in Halver steigend: Wahl-Unterlagen online anfordern

HALVER ▪ „Wer es einmal online gemacht hat, macht es immer wieder“, sagt Andrea Reich vom Wahlamt der Stadt Halver – und sagt es offensichtlich weiter. Gemeint damit ist die Anforderung der Briefwahlunterlagen für die Landtagswahl am 9. Mai über das Internet.

Denn mittlerweile werden 2015 Wähler ihre beiden Kreuze vorab machen und per Brief zusenden, nicht weniger 376 haben diesmal die Unterlagen dafür „online“ beantragt, das sind 18,66 Prozent – und noch ist mehr als eine Woche Zeit.

Natürlich, so schränkt Andrea Reich die absoluten Zahlen ein, komme es auf die Wahlbeteiligung an. So waren es bei den letzten Landtagswahlen 206 „Online-Briefwähler“ (9,59 Prozent), doch bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr gaben 2951 Halveraner ihre Stimme per Brief ab – 475 davon hatten den Stimmzettel über das Internet angefordert. Bei der Europawahl wenige Monate zuvor mit einer deutlich geringeren Wahlbeteiligung mussten „nur“ 1369 Brief-Stimmen ausgezählt werden; etwa ein Zehntel davon (130) hatte die Online-Möglichkeit genutzt.

Bei der Kommunalwahl im vergangenen August stieg die Zahl der Briefwähler auf 2242, 309 davon hatten sich die Stimmzettel via Internet zusenden lassen. „Und die Tendenz ist steigend“, versteht Andrea Reich beispielsweise nicht, warum es in der Nachbarstadt Kierspe schleppend läuft. Sie kennt auch den Grund für die steigende Tendenz: „Es ist so bequem!“

Hinsichtlich der blinden oder stark sehbehinderten Wähler geht man in Halver allerdings einen anderen Weg als zum Beispiel Lüdenscheid. In der Kreisstadt gibt es jetzt eine so genannte Wahlzettel-Schablone, ein langes Blatt Papier, das genau auf den Stimmzettel – mit seinen sechs Direktkandidaten und 25 Parteien – passt und 62 schwarz umrandete Löcher enthält. Dazu gibt es eine Audio-CD, auf der erklärt wird, welche Kandidaten in der linken und welche Parteien in der rechten Spalte sich um Mandate im Düsseldorfer Landtag bemühen.

Dies ermöglicht es Blinden und stark Sehbehinderten, ohne fremde Hilfe an der Wahl teilzunehmen. In Halvers Wahlbüro gibt es dagegen direkte Hilfestellung. Und wer zuhause als Briefwähler seine Stimme abgeben will, ist auf die Hilfe Angehöriger oder anderer angewiesen. Diese müssen eine Vollmacht erhalten und natürlich das ankreuzen, was der Wähler will – macht er das nicht, ist dies Wahlbetrug und kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Wenn ein Blinder oder stark Sehbehinderter keine Angehörigen-Hilfe hat, kommen die Mitarbeiter des Wahlamtes mit den Unterlagen auch zu ihm nach Hause und helfen bei der Stimmabgabe. Das sei zwar sehr selten, erklärt Andrea Reich, aber in Halver schon einmal vorgekommen, jedoch nicht bei der aktuellen Wahl. ▪ Det Ruthmann

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