Urlaub in Zeiten des Coronavirus

Reisebüros haben viel zu tun - und holen Urlauber zurück

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Viel zu tun: Antje Brandt, Inhaberin des Reisebüros Brandt in Halver, findet, dass Hysterie nicht helfe.

Halver/Schalksmühle - Die Reisebüros in Halver und Schalksmühle haben viel zu tun: Die Mitarbeiter werden mit zahlreichen Anrufen und E-Mails bombardiert. Sie helfen, wo sie können. Stornierungen müssen bearbeitet und viele Fragen beantwortet werden.

„Wir haben viel Arbeit, aber wenig Umsatz“, sagt Susanne Doßmann vom Reisebüro Kattwinkel in Halver. Aber: „Vorrangig ist jetzt, dass allen Kunden geholfen wird.“ 

Denn Kunden rufen an. Sie stornieren ihre Reise, buchen sie um oder fragen grundsätzlich nach, ob sie ihre Reise überhaupt noch antreten können – egal, ob Flugreisen, Schiffreisen oder mit dem Bus. „Von den Veranstaltern wurden alle Reisen bis zum 27. März abgesagt“, sagt Doßmann. Und der Busbetrieb sei ebenfalls eingestellt worden, weil die Grenzen dicht seien. „Wir bekommen sehr viele Anrufe und Mails“, sagt die Kundenberaterin. 

Reisegruppe steckt auf Teneriffa fest

Auf Teneriffa befindet sich derzeit noch eine Reisegruppe mit Halveranern und weiteren Personen aus dem Märkischen Kreis. Mit den Betroffenen stand das Reisebüro Kattwinkel bereits in Kontakt. „Ihnen geht es gut“, sagt Doßmann. Die Reiseleitung vor Ort auf Teneriffa kümmere sich und gebe alles, damit sie schnellstmöglich nach Hause geflogen werden können – möglichst in den kommenden Tagen. „Wir sind froh, dass wir helfen können“, sagt Susanne Doßmann. Sie und ihre Kollegen versuchen, die Kunden zu beruhigen, wo es nur geht. Vor allem Menschen, die im Internet eine Reise gebucht haben und keinen festen Ansprechpartner haben, stehen sie Rede und Antwort. 

Eine Reisegruppe mit Halveranern steckt derzeit auf Teneriffa fest.

Gedanken macht sich die Kundenberaterin allerdings darüber, wie lange die Reisebüros noch geöffnet bleiben. „Wir haben sehr viel Kundenkontakt“, sagt sie. Sie vermutet, dass auch die Geschäftsstelle über kurz oder lang geschlossen wird und es nur noch telefonische Auskünfte oder Beratungen per E-Mail geben werde. „Uns tut das auch alles leid“, sagt Susanne Doßmann. So gerne die Deutschen auch reisten, momentan gehe es nicht. Auch die sonst so schnell und einfache Reise zu beliebten Zielen wie Mallorca scheine in diesen Zeiten unerreichbar. 

"Hysterie hilft nicht"

Im Reisebüro Brandt sieht sie Lage ähnlich aus. Reisende hingen nirgendwo fest, sagt Antje Brandt. Und auch grundsätzlich blieben alle im Reisebüro entspannt. „Das müssen wir auch“, sagt Brandt. „Hysterie hilft nicht.“ Auch in dem Reisebüro an der Bahnhofstraße in Halver rufen viele Menschen an oder kommen vorbei. „Wir werden mehr, als nur in Anspruch genommen“, sagt die Mitarbeiterin. „Wir sind ein permanenter Ansprechpartner.“ Das Telefon stehe kaum still und nur zu zweit schaffe man es, den Kunden ausreichend zur Seite zu stehen. „Jeder hat Angst“, sagt Brandt. „Aber wir stehen gerne beratend zur Seite.“ 

Wirtschaftlich sei momentan alles auf null gestellt. Reisekosten werden nicht mehr ausgezahlt und Kunden haben Anspruch auf eine Kostenrückerstattung. Aber auch das sei zunächst einmal Nebensache. Sie hofft, dass sich die Situation schnell wieder reguliere und man wieder zur Normalität zurückkehren könne. 

Situation in Schalksmühle ähnlich

Das Wichtigste, so Ralph Gustav Adolf vom Reisebüro Reiseland an der Bahnhofstraße in Schalksmühle, sei, dass niemand seiner Kunden am Urlaubsort festsitze. „Nach unserem Kenntnisstand sind alle rausgekommen.“ Die Erlasse in den vergangenen Tagen haben das Geschäft des Reiseanbieters komplett über den Haufen geworfen. „Wir haben nur noch Stornierungen zu bearbeiten. Neubuchungen gibt es eigentlich überhaupt keine, vielleicht mal ein Ferienhaus.“ 

Bis Ende April, so der Reiseexperte, werde sich an dieser Situation nichts ändern. Bis dahin könnten viele Reisen noch – je nach Anbieter – kostenlos storniert werden, danach gehe dies wahrscheinlich wieder nur mit normalen Gebühren. „Die Veranstalter sind derzeit extrem kulant. Wir sind erstaunt, wie sehr sie unseren Kunden entgegenkommen“, betont Ralph Gustav Adolf. Er kann sich diese Bereitschaft damit erklären, dass es momentan sehr schwierig sei, dem Kunden überhaupt noch für Reisen Geld abzunehmen. „Urlaub ist Stimmungssache. Und die ist nicht da.“ Zudem bleibe auch nicht mehr viel übrig an Reisezielen. Vor allem die derzeit beliebten Urlaubsregionen wie Spanien sind Infektionsgebiete. „Mallorca schließt derzeit die Hotels, weil keine Gäste mehr kommen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich einem Kunden noch anbieten würde. Die Auswahl schränkt sich sehr ein.“

Kurzarbeit könnte Thema werden

Der Reiseexperte schätzt und hofft, dass sich das bis zum Sommer wieder ändere. Wirtschaftlich gesehen mache er sich weniger Sorgen um seinen Betrieb. „Mit der RTK-Gruppe steht hinter uns ein großer Reisekonzern mit über 330 Reisebüros in ganz Deutschland.“ Dennoch denke man auch dort über Einschränkungen wie Kurzarbeit ab dem 1. April nach. „Dabei müssen wir Solidarität mit dem Unternehmen zeigen.“

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