Große Preisunterschiede bei Bahntickets

Tarifchaos: Bahnfahrer zahlen für Tickets von Oberbrügge nach Köln zu viel

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Für den Zug der RB 25 ab Oberbrügge nach Köln zahlt ein Fahrgast deutlich mehr als von Meinerzhagen – selbst, wenn man erst noch ein Ticket für die kurze Strecke bis in die Nachbarstadt kauft.

Ein normaler Mensch kann das kaum verstehen: Ein Ticket für die RB 25 für eine Person und einfache Fahrt nach Köln kostet im Sparpreis 20,40 Euro. Für die selbe Strecke kann man auch zwei Fahrkarten lösen, die 4,10 Euro sowie 10,71 Euro (per App) kosten.

Seit etwas mehr als zwei Monaten fährt nicht nur ein Personenzug durch Oberbrügge, sondern hält auch an und nimmt Fahrgäste mit. Doch wenn sich potenzielle Fahrgäste, die nicht so oft mit der Bahn fahren, vorab im Internet über Tickets und Preise erkundigen wollen, wird dies teilweise zu einem Geduldsspiel.

an kann auch Erstaunliches feststellen: Weil Oberbrügge und Meinerzhagen zu zwei unterschiedlichen Tarifgebieten – Westfalentarif für Oberbrügge, Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) für Meinerzhagen – gehören, fahren Kunden der RB 25 aus den beiden Nachbarstädten zu deutlich unterschiedlichen Preisen in Richtung beziehungsweise nach Köln.

Im Sparabgebot kostet die einfache Fahrkarte von Halver-Oberbrügge nach Köln 20,40 Euro; der Flexpreis beträgt 26,10 Euro. Zum Vergleich: Ein Ticket nach Meinerzhagen kostet 4,10 Euro und von der Nachbarstadt weiter nach Köln 10,71 Euro per App.

Auf dem Fahrkartenautomaten auf dem Bahnsteig in Oberbrügge erfährt man nach einigen Klicks, dass die einfache Fahrkarte für einen Erwachsenen mehr als 20 Euro kostet. Um sich im Internet über die Fahrkartenpreise zu erkundigen, muss man nicht nur Geduld haben, sondern sich auch weit in die Details hineinklicken. Denn sonst erfährt man nicht, dass das Ticket für 19,90 Euro (Sparangebot, Normalpreis 22,90 Euro) von Oberbrügge nicht auf direktem Weg nach Köln führt, sondern über Brügge und Hagen, also muss man zweimal umsteigen und ist deutlich länger unterwegs.

Wenn man Pech und nicht die richtige Seite erwischt hat, bekommt man folgende Antwort als Preisauskunft zu lesen: „Für Ihren Fahrtwunsch konnte kein Tarif ermittelt werden.“ Was im Wesentlichen daran liegt, dass es verschiedene regionale Verkehrsverbünde gibt, mit unterschiedlichen Ticketpreisen. Was wiederum dazu führt, dass ein potenzieller Fahrgast eben nicht die gesuchte Tarifauskunft erhält. Obwohl beispielsweise auf der Internetseite www.vareo.de versprochen wird: „Für Ihre Fahrt mit dem vareo gilt der Tarif des jeweiligen regionalen Verkehrsverbunds – also VRS, VRM, VRT oder Westfalen-Tarif. Klicken Sie einfach auf die Infokästen unterhalb der Karte und Sie kommen direkt zur entsprechenden Tarifauskunft.“

Dennoch wird derjenige, der sich nicht so schnell geschlagen gibt, erfahren, dass ein Ticket von Oberbrügge nach Meinerzhagen 4,10 Euro und eine Fahrkarte von Meinerzhagen nach Köln Hauptbahnhof 10,71 Euro kostet, sofern Letztere per Smartphone-App gekauft wird. Das Regelticket soll 11,90 Euro teuer sein. In der Summe immer noch deutlich günstiger als das Westfalentarif-Ticket von Oberbrügge in die Domstadt.

Halveranerin kriegt einen Tipp im Zug

Als die Halveranerin Andrea Reich Rosenmontag in Oberbrügge in die RB 25 einstieg, hatte sie ein Ticket für 26,10 Euro im Portemonnaie. Mit wenigen Klicks zuvor am Automaten gezogen. „Auf dem Rückweg habe ich dann von anderen Fahrgästen erfahren, dass man so nicht nach Köln fährt.“ Stattdessen zieht man sich ein Ticket bis Meinerzhagen und dann weiter bis nach Köln. „Jetzt weiß ich, wie es geht“, sagt Reisende und lacht. Aber fair sei das nicht.

Die Grenze der beiden Tarifverbünde liegt genau zwischen Meinerzhagen und Kierspe. Das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass VRS-Busse nach Meinerzhagen fahren. Warum dann nicht auch Kierspe im VRS-Tarifverbund aufgenommen wurden, ist nicht zu erklären. Für den Grenzverkehr zwischen dem VRS und dem Verkehrsverband Rhein-Ruhr (VRR) sowie dem Aachener Verkehrsbund (AVV) gibt es bereits Übereinkünfte. Nur noch nicht zum Westfalentarif.

Viele Pendler aus dem MK

Dabei pendeln viele Menschen aus dem südöstlichen Märkischen Kreis und somit auch aus Oberbrügge in den Oberbergischen Kreis und ins Rheinland. Statt die Bahn zu nutzen, fahren die Bürger aus Kierspe aber mehrheitlich mit dem Auto bis nach Meinerzhagen und steigen erst dort in den Zug, heißt es in einer Pressemitteilung der CDU Kierspe. Daher setze sich die CDU für eine Sonderregelung, den sogenannten „Kragentarif“ für grenzüberschreitende Fahrten, ein.

Letztlich geht es darum, diese großen Tarifunterschiede zu beseitigen und für mehr Attraktivität der Bahnfahrten ins Oberbergische beziehungsweise Rheinland zu sorgen. Dafür bekommt der Kiersper Stadtverband der Christdemokraten Unterstützung von ihrem Landtagsabgeordneten Marco Voge. Dabei geht es um die Aufnahme der Stadt Kierspe in den VRS-Tarif.

Politik hat das Thema auf der Agenda

Ein Vorschlag, den der Halveraner Bürgermeister Michael Brosch nur unterstützen kann. „Das ist auch in unserem Interesse“, sagt er und ergänzt: „Ich fände es noch besser, wenn wir in ganz Nordrhein-Westfalen generell einheitliche Tarife hätten.“ Brosch verweist dabei auf Kommunen, die die Preise für den ÖPNV gänzlich abgeschafft haben. Wäre der Nahverkehr in Halver und Umkreis kostenfrei, würden auch die Busse nicht mehr leer durch die Gegend fahren.

In Richtung Norden, also Brügge, Lüdenscheid und weiter mit der RB 52 nach Hagen sieht es anders aus, da in diesem Bereich ausschließlich der Westfalentarif gilt. Für Bahnfahrer, die von Oberbrügge nach Lüdenscheid fahren möchten, kostet die Fahrt 3,30 Euro.

Natürlich gibt es verschiedene andere Bahntickets für Gruppen oder auch Mehrfachfahrten, die letztlich günstiger sind. Um dies aber im Netz herauszufinden, bedarf es durchaus einiger Zeit, denn als einfach und attraktiv kann das System sicherlich nicht bezeichnet werden.

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