Millionen fließen in Kanalbau in Oberbrügge

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So sieht’s aus, wenn der Kanal es nicht mehr schafft: Starkregen in der Nachbarstadt Lüdenscheid im September 2014.

Oberbrügge - Von einem der größten städtischen Bauprojekte der Stadt Halver in den kommenden Jahren wird Ende 2021 vermutlich nichts mehr zu sehen sein. Wenn alles läuft wie geplant, beginnt im Frühjahr in Oberbrügge der Kanalbau.

Über das millionenteure Vorhaben sprach der Allgemeine Anzeiger mit Michael Schmidt, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen der Stadt Halver.

Was ist das Ziel?

Es geht um die städtebauliche Weiterentwicklung des Stadtteils Oberbrügge. Das vorhandene Mischwassersystem ist völlig überlastet. Bereits bestehende Baugrundstücke können nicht genutzt werden, weil die Kapazitäten nicht ausreichen.

Was heißt das für die geplante Erschließung des Baugebiets Schmittenkamp?

Die Überarbeitung des Abwassersystems ist die Voraussetzung dafür. Daher entsteht auch zeitlicher Druck.

Wie ist der Ist-Zustand?

Die Hauptlast des Mischsystems, das Abwasser und Niederschlagswasser aufnimmt, liegt zurzeit in der Heerstraße. Unterhalb der oberen Einmündung Am Nocken wird in das System eingegriffen.

Wie wird das Wasser künftig abgeleitet?

Der Kanal in der Heerstraße bleibt in seiner jetzigen Dimension in der Straße liegen. Deutlich größer fällt er in der Straße Am Nocken aus. Im ersten Bauabschnitt liegt hier der Schwerpunkt ab der Heerstraße mit einem Stich zur Straße Auf der Volme. Dort ist ein Überlaufbauwerk erforderlich.

Wofür braucht man ein „Überlaufbauwerk“?

Im Normalfall findet die Klärung des Wassers unterirdisch über eine Sedimentierung statt, das bedeutet das Absetzen fester Stoffe innerhalb des Systems, das sich selbst reguliert. Bei Starkregen reichen die Kapazitäten nicht aus. Von diesem Abschlag können die großen Massen des dann mit Regenwasser stark verdünnten Schmutzwassers direkt in die Volme geleitet werden.

Was geschieht im zweiten Bauabschnitt?

Benötigt wird 2021 ein Kanal im Bereich Heideweg. Er nimmt das saubere Wasser eines Baches auf, das bislang ins verunreinigte Mischwassersystem in der Heerstraße abgeleitet wurde. Diese Entwässerung erfolgt künftig in Richtung der Grundschule in die sogenannte kleine Schlemme. Die Vorarbeiten sind zum Teil bereits geleistet. Bereits im ersten Bauabschnitt wie in der Straße Am Nocken auch die Verrohrung für den Bach berücksichtigt. Ein weiterer Stichkanal in Höhe der unteren Einmündung der Straße Auf der Volme bindet dann den Kanal in der Heerstraße an Überlauf und Kanal Auf der Volme an.

Muss die Heerstraße für die Bachverrohrung wieder aufgerissen werden?

Nein. Unter der Heerstraße kann die Bachverrohrung verpresst werden ohne Eingriff in die Straßendecke. Betroffen von der offenen Bauweise ist aber die Straße Am Nocken, wenn die Kanalarbeiten erfolgen.

Wie teuer wird das Vorhaben?

Teurer als zunächst angenommen. Die frühere Kalkulation lag bei 2 Millionen Euro. Durch die Komplexität und steigende Tiefbaupreise geht man für beide Abschnitte inzwischen von 3,1 Millionen Euro aus. Aus diesem Grund wurden auch die zwei Abschnitte gebildet, um die abwassertechnische Erschließung des Baugebiets zu ermöglichen.

Wer bezahlt das letzten Endes?

Der Bürger über seine Abwassergebühren. Die Abschreibung läuft bei Kanälen aber über einen Zeitraum von 60 Jahren.

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