Südwesten Halvers weist Nahversorgungslücken auf

So stellt sich die Situation Halvers im Hinblick auf die Versorgung im Innenstadtbereich für die Gutachter dar. Quelle: Einzelhandelsbestandserhebung Stadt + Handel 01/2010

HALVER „Halver weist mit rund 24 300 Quadratmetern ein ausbaufähiges Einzelhandelsangebot in fast allen Sortimentsbereichen auf.“ Diese zentrale Aussage geht aus dem Zwischenbericht des neuen Einzelhandelsgutachtens hervor, das Bau-Fachbereichsleiter Franz Helmut Engel am Montag dem Planungs- sowie dem Umwelt- und Abfallausschuss vorstellte (wir berichteten). Von Kerstin Zacharias

Aus diesen Erkenntnissen sollen nun konkrete Vorschläge erarbeitet werden, wie die Stadt in Zukunft damit umgehen soll. Erste Ergebnisse werden bereits in der nächsten Sitzung des Arbeitskreises „Bahngelände“ Ende des Monats erwartet.

Insgesamt gebe es derzeit 92 Einzelhandelsbetriebe in Halver, dem gegenüber stehen 25 Leerstände im Stadtgebiet. Aber: Verglichen mit dem Einzelhandelskonzept 2005 sei ein Anstieg bei der Anzahl der Betriebe und der Verkaufsfläche zu verzeichnen. Dies hänge jedoch auch mit einer anderen Erhebungsmethodik des beauftragten Unternehmens „Stadt + Handel“ zusammen. Eine telefonische Haushaltsbefragung habe bestätigt, dass ein großer Teil der Halveraner Kaufkraft in andere Kommunen fließt, die durchschnittliche Kaufkraftbindung liegt bei 61 Prozent. Allein die Sortimente des kurzfristigen Bedarfs würden stärker in der Stadt im Grünen gekauft. In allen Warengruppen lässt sich Lüdenscheid als größter Konkurrenzstandort festhalten, heißt es weiter. Anhand der Datenermittlung lasse sich ein gesamtstädtischer Einzelhandelsumsatz von rund 63,8 Millionen Euro ableiten.

Hinsichtlich der Nahversorgungssituation sei festzuhalten, dass in Halver ein stark Discounter orientiertes Angebot vorhanden ist: Fünf Lebensmitteldiscountern steht ein Supermarkt gegenüber. Jedoch sei für den südwestlichen Teil Halvers eine räumlich unzureichende Nahversorgung festzustellen.

In Bezug auf die Innenstadt verweisen die Experten auf eine insgesamt kleinteilige Einzelhandelsstruktur (48 Einzelhandelsbetriebe teilen sich rund 8350 Quadratmeter Verkaufsflächen). Knapp die Hälfte der innerstädtischen Verkaufsflächen entfalle auf den kurzfristigen Bedarf, rund zwei Drittel davon auf Nahrungs- und Genussmittel. Und: Halvers Innenstadt sei geprägt durch eine hohe Leerstandsquote von 30 Prozent – ein Kennzeichen für einen anhaltenden „Trading-Down“-Prozess. Das heißt: Das Kaufverhalten der Bürger hat sich geändert, durch die Konkurrenz der Discounter müssen Fachgeschäfte schließen und bleiben leerstehend. Damit einhergehend nehmen die Attraktivität und die Besucherfrequenz der Fußgängerzonen ab. Das bestätigten auch die befragten Halveraner: Vor allem die Vielfalt des Warenangebots, die Möglichkeiten zum Bummeln und Verweilen sowie das Stadtbild (Leerstände und Sanierungsbedarf) wurden besonders negativ beurteilt. Insbesondere entlang der Bahnhof- und Frankfurter Straße sei der Handlungsbedarf laut Zwischenbericht am größten.

Auch wenn konkrete Ergebnisse noch ausstehen, sehen die Experten von „Stadt + Handel“ bereits ein gewisses Verkaufsflächenpotenzial. Aus ihrer Sicht könnte eine Einzelhandelsentwicklung im Bereich des Bahnhofs der negativen Entwicklung gegenwirken, wobei jedoch eine städtebauliche und funktionale Abstimmung mit den bestehenden Strukturen notwendig sei. Eine denkbare Grundkonzeption müsste die Ansiedlung eines Lebensmittelvollsortimenters, die Ergänzung des Einzelhandelsangebots – beispielsweise in den Bereichen Bekleidung, Lederwaren, zoologischer Bedarf, Bettwaren oder Elektrogeräte – sowie die Anbindung an die bestehenden Strukturen beinhalten. Und: Sämtliche Akteure der Innenstadtentwicklung wie Einzelhändler und Immobilieneigentümer sollten in „aktivierende Maßnahmen“ eingebunden werden.

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