Kein Abschluss ohne Anschluss

Suche nach Ausbildungsplatz: Das bedeutet der Schulabschluss in Corona-Zeiten

Freuen sich über Perspektiven für ihre Schüler: Die Studien- und Berufskoordinatorinnen der Humboldtschule Jeannette Krone (links) und Selma Pollmann
+
Freuen sich über Perspektiven für ihre Schüler: Die Studien- und Berufskoordinatorinnen der Humboldtschule Jeannette Krone (links) und Selma Pollmann.

Der erste Entlassjahrgang der Humboldtschule kriegt offenbar die Kurve, und zwar trotz Corona. „Keiner geht ohne Anschluss“, sagen Jeanette Krone und Selma Pollmann, die sich an Halvers Sekundarschule darum kümmern, für die mehr als 120 jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen und zu vermitteln beim Weg in Beruf oder die weitere aschulische Laufbahn.

Halver - Dabei ist die gute Nachricht gar nicht so selbstverständlich. Denn der wohl wichtigste Baustein der beruflichen Orientierung ist für viele der Jugendlichen ersatzlos weggebrochen. Den Schülerinnen und Schülern war es freigestellt, ein Praktikum zu absolvieren. Und zugleich nahm auch die Zahl der Praktikumsstellen ab. Handwerksbetriebe mit Tätigkeiten im Freien nahmen weiter die Humboldtschüler – natürlich auch, um zu sichten, ob man vielleicht einen potenziellen Azubi für den Job begeistern kann. Doch andere verlässliche Partner, die sonst Stellen bereithalten, lehnten im Pandemie-Jahr ab. In Banken und insbesondere in Pflegeberufen wollte man lieber kein Risiko eingehen, und dafür hatten auch die Lehrerinnen volles Verständnis.

Die Orientierung sei für die Schüler deutlich schwieriger gewesen, sagen Jeanette Krone und Selma Pollmann im Rückblick. Um so erfreulicher sei, dass aus dem starken Jahrgang mit fünf Zügen 25 bis 30 Abgänger schon einen Vertrag in der Tasche haben, wenn es am 10. Juni die Noten gibt. Der größere Teil der Schüler werde weiter zur Schule gehen – in Halver ans Anne-Frank-Gymnasium, zum Teil an die Gesamtschule Kierspe oder an die Berufskollegs, mit denen die Humboldtschule eng zusammenarbeitet. Das sind in Halver das Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg und in Lüdenscheid das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg sowie das BKT, das Berufskolleg für Technik.

Dass das landesweite Ziel, „Kein Abschluss ohne An schluss“ (KAoA) nicht verfehlt wird, dafür sorgen aber auch die Arbeitgeber in Halver und Umgebung. Aus den Betrieben kämen gezielt Nachfragen nach möglichen Azubis, wie es heißt. Jeanette Krone und Selma Pollmann profitieren dabei von der jahrelangen Zusammenarbeit der Firmen mit den Vorgängern der Humboldtschule, der Real- und der Ganztagsschule, die traditionell den Nachwuchs der Unternehmen stellten.

Wie es auch andernorts der Fall ist, registrieren die Berufkoordinatorinnen ein anhaltendes Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage. Handwerk und Industrie brummen zurzeit, Nachwuchs ist daher willkommen. Doch das Handwerk hat trotz facettenreichen Angebots nach wie vor ein Imageproblem. Bürojobs gelten vielen Jugendlichen als interessanter. Die Chancen im handwerklichen Bereich einschließlich der Möglichkeit zur Fortbildung bis hin zur Selbstständigkeit kommen offenbar bei Schülern und auch in den Elternhäusern nicht an, wie auch der Bundesverband des Handwerks beklagt.

Infos und Kontakt

Jeanette Krone, j.krone@humboldtschule-halver.de; Selma Pollmann, s.pollmann@humboldtschule-halver.de; Tel. 0 23 53/6 11 99 60.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare