Streitlustiges Quartett

HALVER ▪ Es war ein ungewöhnliches Quartett, das gestern auf der Anklagebank des Lüdenscheider Amtsgerichts saß: Ein 25-Jähriger sowie ein Damentrio von 21, 20 und 19 Jahren, die allesamt ohne Verteidiger erschienen waren.

Und selten fiel das Wort „Reifungsverzögerungen“ so oft wie in diesem Prozess, in dem es um ein „massives Tumultgeschehen“ und vor allem eine gefährliche Körperverletzung ging. Im Kern handelte es sich um einen Tritt in den Unterleib und Schläge ins Gesicht eines 26-Jährigen. Tatort war am 22. März eine Pizzeria an der Bahnhofstraße. „Wir hatten viel getrunken an dem Tag – Bier und Schnaps, alles durcheinander“, bestätigte die 20-Jährige die polizeilich festgehaltenen Atemluft-Werte des Quartetts, die auf Blutalkohol-Werte zwischen einem und 1,6 Promille hatten schließen lassen.

Sechs Monate auf Bewährung und 100 Sozialstunden kassierte die letztlich geständige 20-jährige Hauptangeklagte dafür – im einzigen Urteil, das gestern gesprochen wurde. Denn dramaturgisch geschickt hatte der Richter dafür gesorgt, dass die junge Frau am Ende alleine auf der Anklagebank saß, und sich nicht mehr in der trügerischen Sicherheit eines offenbar zu vielen Dummheiten aufgelegten Quartetts wähnte: „Das ist schon sehr ungezogen, wie Sie sich hier verhalten“, gab der Richter allen Vieren mit auf den Weg, und machte wiederholt deutlich, dass das Amtsgericht nicht mit „Barbara Salesch“ zu verwechseln sei: „Wer hier am lautesten schreit, der kriegt noch lange nicht Recht!“

Glimpflich kam der 26-jährige Angeklagte davon, der nach einem Kopfstoß mit Nasenbluten selbst zu den Opfern des Kampfgetümmels zwischen den Angeklagten und zwei bis drei Gegnern gehört hatte. Gegen die Auflage, 60 Sozialstunden abzuleisten, wurde sein Verfahren vorläufig eingestellt. Die 19- jährige Schwester der Hauptangeklagten und die 21-Jährige kamen mit einer eindringlichen „Ermahnung“ des Gerichts davon. ▪ Thomas Krumm

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