Paar landet vor Gericht

Streit um schlechte Wohnung: Vermieterin im MK fordert Waschbecken zurück

Waschbecken
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Musste eine sechsköpfige Familie unter unzumutbaren Bedingungen in einem Mehrfamilienhaus leben? Oder hinterließen die Mieter ihre Wohnung erst bei ihrem Auszug im Dezember 2020 in einem katastrophalen Zustand? Auf diese Fragen gab es im Amtsgericht Lüdenscheid stark abweichende Auskünfte.

Oberbrügge/Lüdenscheid – Anlass für die Strafsitzung war ein angeblicher gemeinschaftlicher Diebstahl des Paares: Der 27-Jährige und die 23-Jährige sollten bei ihrem Auszug aus der Wohnung an der Volmestraße in Oberbrügge vier Waschbecken und zwei Infrarot-Heizungen unerlaubt mitgenommen haben. „Wir haben da nichts mitgenommen“, bestritten die Angeklagten den Vorwurf und korrigierten zunächst einmal die Anklage: „zwei Waschbecken und zwei Infrarot-Heizungen“ hätte es heißen müssen. Aber auch diese Variante sei Unsinn: „Wir haben unsere eigenen Waschbecken installiert“, erklärte der 27-Jährige. Die beiden alten Waschbecken hätten sie unter Aufsicht des Hausmeisters in einem abgeschlossenen Kellerraum deponiert.

Auch den angeblichen Diebstahl der Infrarot-Heizungen wiesen die Angeklagten zurück: „Es wäre schön gewesen, wenn welche da gewesen wären.“ Es gebe auch kein Protokoll über die angebliche Übergabe von Heizgeräten durch Beauftragte der Vermieterin. Stattdessen hätten sie sich selber einen Heizlüfter gekauft, um in der Wohnung weiterhin leben zu können. „Die Heizung hat im Winter nicht funktioniert“, erklärte die 23-Jährige. Die Folge sei eine starke Schimmelbildung gewesen.

Kaputte Heizung in der kalten Jahreszeit

Die Vermieterin bestätigte vor Gericht die Dysfunktion der Ölzentralheizung: „Wir hatten ein schweres Heizungsproblem.“ Deshalb seien den Mietern zur kalten Jahreszeit ersatzweise Heizungen übergeben worden. „Auch diese Familie hat selbstverständlich Infrarot-Heizungen zur Verfügung gestellt bekommen.“ Und im Keller seien keine Waschbecken gefunden worden – stattdessen aber Müll und Bauschutt.

Zivilrechtliche Schadensersatzansprüche hatte die Vermieterin nicht angemeldet. Sie begründete den Verzicht: „Ich glaube kaum, dass die Herrschaften in der Lage sind, den Schaden zu ersetzen.“

Richter Andreas Lyra fasste an diesem Punkt gegenüber den Angeklagten den Stand der Beweisaufnahme zusammen: „Sie wollen mir erzählen, dass das eine Schrottbude war, und die Vermieterin sagt, Sie haben das Ding wie Hulle hinterlassen.“ Der Familienvater wies noch einmal auf „86 Prozent Luftfeuchtigkeit“ und die Schimmelbildung in der Wohnung hin und begründete den eiligen Auszug im Dezember 2020 – ohne Abnahme und Übergabe-Protokoll: „Wir konnten in der Wohnung nicht mehr leben.“

Zeugen wurden nicht gehört

Es gab einige Zeugen, die die Ereignisse in einer Folgesitzung möglicherweise hätten aufklären können. Der Richter wertete das Ganze aber eher als eine zivilrechtliche Auseinandersetzung.

Ohne umfassende Aufklärung gab es allerdings auch keinen Freispruch für das Paar: Um das Strafverfahren zu beenden, erklärten sie sich „mit Kopfschmerzen“ bereit zur Zahlung einer Geldauflage von 200 Euro an den Förderverein der Kinderklinik Lüdenscheid. Wenn diese bezahlt ist, wird das Strafverfahren endgültig eingestellt.

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