Strategien von Flora und Fauna gegen die Hitzewelle

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Förster Ulrich Ackfeld rechnet bei Junganpflanzungen mit Ausfällen von 30 Prozent durch Hitze.

Halver - An vielen Bäumen ist das Laub schon gelb und braun verfärbt. Birken sind zum Teil kahl, auch Fichten verlieren Nadeln. Hinter dem, was nach einem verfrühten Herbstbeginn aussieht, stecken Überlebensstrategien der Bäume gegen die lang anhaltende Trockenheit und Hitze.

„Dem Wald geht es nicht gut. Die lange Hitze erhöht den Stress für den Wald“, sagt Förster Ulrich Ackfeld. Bei den Junganpflanzungen rechnet er in diesem Jahr mit Ausfällen von 30 Prozent. „Die jungen Bäume haben Probleme an Wasser zu kommen, weil die Wurzeln noch nicht so tief reichen“, sagt er. Einige Bäume würden von oben wegtrocknen.

Zum Teil trocknen die kleinen Bäume von oben weg.

Verdunstungsfläche reduzieren

„Bei allen anderen Bäumen sieht es noch relativ gut aus, aber auch die haben Probleme an Wasser zu kommen“, sagt Ackfeld. Es zeigen sich die Symptome der Trockenheit: Das Laub ist welk und verfärbt, Äste hängen schlaff herab oder sind kahl, einige Bäume werfen bereits Nadeln und Blätter ab, zum Teil sogar kleine Zweige.

„Es sieht aus wie Herbstbeginn, aber das ist ein reiner Schutzmechanismus“, erklärt Ackfeld. Die Bäume versuchen die Verdunstungsfläche zu reduzieren, indem sie die Spaltöffnungen in Blättern und Nadeln verringern. „Die Verdunstung ist quasi der Motor, um Wasser aus dem Boden zu saugen, denn über die Kapillaren der Blätter wird ein Unterdruck erzeugt.“

An manchen Bäumen ist das Laub bereits verfärbt.

Dieses Pumpsystem könnten die Bäume in einem gewissen Rahmen zurückfahren, um ihren Wasserbedarf zu senken. Das bedeute allerdings auch, dass sie weniger Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen könnten. Auch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft verringert sich. „Die Bäume fahren quasi in eine Art Standby-Modus rein.“

Das sind nicht die einzigen Überlebensstrategien der Bäume. „Manche Bäume stecken auch mehr Energie in das Wurzelwachstum, um besser an Wasser zu kommen“, erklärt Ackfeld.

Bäume zu bewässern ergebe allerdings nur in der Stadt Sinn, wo den Bäumen wegen vieler versiegelter Flächen weniger Wasser zur Verfügung stehe, im Wald sei eine derartige Hilfsmaßnahme nicht möglich. Glücklicherweise seien die Bäume in Halver und Umgebung größtenteils noch grün. „Wir haben immer wieder ein bisschen Regen mitbekommen. Das ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es hilft“, sagt Ackfeld.

An einigen Zweigen hat diese Birke schon ihr Laub verloren.

Trotzdem besteht nach wie vor Waldbrandgefahr – aktuell gilt die zweithöchste Gefahrenstufe. Der heiße Katalysator eines Autos kann auf trockenem Untergrund ebenso ein Feuer entfachen wie weggeworfenes Glas, das wie ein Brennglas wirke, doch diese Ursachen seien relativ selten. Feuerquelle Nummer eins seien weggeworfene Zigaretten.

„Das ist nicht nur fahrlässig. Wenn ich jetzt jemanden beim Rauchen im Wald erwische, kriegt derjenige eine Anzeige“, sagt Ackfeld. Und Vorsicht gilt nicht nur im Wald. „Eine Zigarette, die man unbedacht aus dem Auto wirft, kann, wenn sie ins trockene Gras oder Gebüsch am Straßenrand fliegt, eine verheerende Wirkung haben.“

Schutzmaßnahmen kosten Kraft

Auswirkungen auf den Wald haben Hitze und Trockenheit auch in anderer Hinsicht. Trockenheit und Hitze seien für die Bäume aus einem weiteren Grund gefährlich, denn durch die kraftraubenden Schutzmechanismen seien sie anfälliger für Schädlinge. „Sie haben dann keine Kraft mehr um sich zu wehren“, sagt Ackfeld. Es könne also passieren, dass Schädlinge wie der Borkenkäfer die Chance nutzen und geschwächte Bäume befallen.

Was machen Wildtiere gegen die Hitze?

Hitze und Trockenheit haben nicht nur Auswirkungen auf die Flora, sondern auch auf die Fauna. „Den heimischen Wildtieren droht nicht der Tod durch Verdursten“, stellt Thomas Bette vom Hegering Halver klar. Die Art, wie Tiere ihren Wasserbedarf decken und sich darüber hinaus gegen die Hitze schützen, unterscheiden sich allerdings.

Pflanzenfresser gewinnen den Hauptteil der notwendigen Flüssigkeit aus Nahrung. „Ihr komplizierter Verdauungstrakt entzieht der Nahrung die meiste enthaltene Feuchtigkeit.“ Fleischfresser decken ihren Wasserbedarf ebenfalls zu großen Teilen aus der Nahrung. „Sie müssen aber eher Wasser trinken als Pflanzenfresser.“

Thomas Bette ist Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Halver.

Um sich vor der Hitze zu schützen, bleiben Höhlenbewohner wie Fuchs, Dachs oder Kaninchen möglichst viel in ihrem Bau, denn dort ist es kühler. Ursprüngliche Steppentiere – dazu zählt der Hase – haben noch eine andere Strategie. „Ihre großen, dünnen und gut durchbluteten Ohren dienen als Kühler für den Körper, wie es etwa auch beim Elefanten der Fall ist“, erklärt Bette. Schwarzwild (Wildschweine) und Rotwild (Hirsche) suhlen sich zur Abkühlung im Schlamm. Dieses Baden hat noch einen weiteren Zweck: Es dient der Parasitenabwehr.

Durstlöschen in Bächen

Für alle Tiere gilt selbstverständlich auch, dass sie ihren Durst in Bächen löschen. „Die Tiere kennen sich in ihrem Zuhause besser aus als wir und finden auch dann noch einen plätschernden Bach, wenn wir Menschen nur noch vor trockenem Bachbett stehen“, sagt Bette.

Für Fische und andere Wassertiere seien die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit dagegen schlimmer. „Wenn der Bach zu einer Reihe von Pfützen zusammenschmilzt, haben sie zu wenig Sauerstoff – ihnen droht der Erstickungstod.“

Eine allgemeine Hitze-Strategie der Tierwelt entspricht der des Menschen: „Der oberste Leitsatz lautet: Keine unnötige Anstrengung“, sagt Bette. Die Tiere reduzieren daher alle Tätigkeiten und verlagern sie in den Schatten, bleiben also innerhalb des Waldes und gehen nicht auf angrenzende Felder und Wiesen hinaus. Außerdem werden Tätigkeiten auf den frühen Morgen und den späten Abend verschoben. Das bedeutet aber auch, dass durch diese Verschiebung der Aktivität – bei Vollmond ist sie auch die ganze Nacht hindurch möglich – in diesen Zeiten Gefahren für und durch den Autoverkehr gegeben sind.

Tiere in der Stadt leiden mehr

Tiere in der Stadt hätten dagegen mehr unter der Hitze zu leiden als im Wald, sagt Bette. „Im innerstädtischen Bereich ist es noch heißer und trockener. Die Wasserstellen sind oft steilwandig.“ Wer durstigen Vögeln, aber auch Bienen und anderen Insekten helfen möchte, könnte eine Schale mit Wasser bereitstellen.

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