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Ehe-Streit landet vor Gericht: 81-Jähriger beleidigt seine Frau

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Von: Thomas Krumm

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Symboldbild Justizia
Ein Ehestreit landete vor dem Amtsrichter in Lüdenscheid. © Symbolbild: dpa

Aus der Abteilung „Strafprozesse, die keiner mehr so richtig braucht“ stammte die Anklage gegen einen 81-jährigen Mann aus Halver, der sich im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten sollte.

Halver - Die Probleme fingen schon mit der Sprache an: Der Senior war noch erheblich stärker im Griechischen als im Deutschen zuhause. Auch bei seiner Frau gab es Zweifel, ob ihr Deutsch für eine Zeugenaussage ausreichen würde. Die nötige Fremdsprachenkompetenz gab es reichlich im Gerichtssaal: Sowohl der Sohn des Paares als auch die Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft waren des Neugriechischen mächtig. Doch offiziell übersetzen durfte nur ein vom Gericht bestellter Dolmetscher. Ein solcher war aber nicht bestellt worden. Und dann fehlte auch noch ein möglicher weiterer Zeuge des Geschehens.

Aufgrund der üppig vorhandenen Sprachkenntnisse konnte mit den beiden Hauptbeteiligten zumindest geklärt werden, wie es mit dem Verfahren weitergeht. Der Angeklagte äußerte – laut Übersetzung der Staatsanwältin –- Zweifel am Sinn des Ganzen: „Er versteht nicht, warum er überhaupt hier ist.“

Inoffiziell war zu erfahren, dass ein Streit unter den beiden Eheleuten das Strafverfahren auf den langen Weg gebracht hatte. Angeblich hatte der 81-Jährige seiner Frau dabei sogar ein Veilchen verpasst. Laut Anklage sollte es aber nicht um eine Körperverletzung, sondern um eine angebliche Beleidigung gehen.

Die mögliche Hauptbelastungszeugin hätte das Verfahren deshalb jederzeit beenden können. Ohne eine Person, die sich beleidigt fühlt, gibt es kein Strafverfahren wegen Beleidigung. Sollte es doch noch um eine Körperverletzung gehen, hätte die Zeugin als Angehörige ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht. Die Chancen, dass sie nach Bestellung eines Griechisch-Dolmetschers beim nächsten Gerichtstermin davon Gebrauch machen wird, stehen nicht schlecht.

Denn hinter den Kulissen war zu hören, dass der Angeklagte und seine Frau nach dem Streit vernünftigerweise Maßnahmen ergriffen hatten, um solche Vorkommnisse in Zukunft zu vermeiden. Dazu gehört offenbar auch eine neue Lebensweise – in zwei Wohnungen. Das Verhältnis der beiden, die sich ab und zu noch treffen, habe sich durch diese Maßnahme gebessert.

Leider wurde trotz der vorhandenen sprachlichen Ressourcen im Gerichtssaal nicht geklärt, ob die Zeugin überhaupt noch ein Interesse an der Strafverfolgung des 81-jährigen Mannes aus Halver hat. Man wird sich also in einigen Monaten erneut im Amtsgericht in Lüdenscheid treffen, wenn ein neuer Termin von Amts wegen anberaumt wird.

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