Viel Schaden, wenig Beute

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Halver - Vor allem auf Buntmetalle hatte es eine Bande von Einbrechern abgesehen, die für eine ganze Serie von Einbruchdiebstählen im Frühjahr 2015 verantwortlich war. Einer der Haupttäter muss für 39 Bandendiebstähle mit einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten büßen, zu der ihn das Landgericht Wuppertal verurteilte.

Ganz so hoch ist die Straferwartung im Verfahren gegen einen seiner Mittäter nicht: Der 39-jährige Rumäne soll bei sieben Einbrüchen in diverse Firmen dabei gewesen sein. Zum Auftakt seines Prozesses legte er im Landgericht Hagen ein umfassendes Geständnis ab. Er bemühte sich allerdings, seinen Beitrag möglichst herunterzuspielen. „Die Anklagen sind zutreffend. Er war aber nicht in die Bandenstruktur eingebunden“, nannte Rechtsanwalt Axel von Irmer seine Verteidigungslinie.

Gleich zwei Industriebetriebe an der Kruppstraße im Gewerbegebiet Halver-Oeckinghausen suchten die Einbrecher in der Nacht zum 1. Juni 2015 heim. Während ein Mittäter vor der Tür Schmiere stand, drangen der Angeklagte und weitere zwei Männer zunächst in die Produktionsräume einer Firma an der Kruppstraße ein und nahmen einen Fernseher und „ein bisschen Metall“ mit. Laut Anklage sollen die Täter auch 500 Euro Bargeld mitgenommen haben. „Zu wenig Beute“ sei das gewesen, worauf das Quartett den Schlüssel eines firmeneigenen Transporters an sich brachte und damit zur Nachbarfabrik, Degenhardt Werkzeugbau, fuhr. Dort brachen die Täter ein Fenster auf. Zunächst sei er mit hinein gegangen, dann habe er draußen Schmiere gestanden, erklärte der Angeklagte. Seine Mittäter hätten derweil „eimerähnliche Behälter“ eingeladen. An erbeutetes Bargeld erinnerte er sich nicht – wohl aber an einen Laptop, den man mitgenommen habe.

So schnell, wie die Täter gekommen waren, verschwanden sie auch wieder: Laut Anklage war es ein Wachmann, der sie entdeckt hatte. An zwei Autos erinnerte sich der Angeklagte: „Polizei oder Wachleute“. Der größte Teil der Beute aus den beiden Firmen und der geklaute Transporter blieben zurück, während die Täter „über Zäune“ kletterten, ihr eigenes Auto bestiegen und wegfuhren. Zumindest zu einem Teil der Einbruchdiebstähle sollen sie von einer Wohnung in Schalksmühle aus gestartet sein. Bei weiteren Einbrüchen, an denen der Angeklagte beteiligt war, erbeutete die Bande Kupferrohre in einer Dachdeckerfirma in Freudenberg, Laptops und Metall in einem Unternehmen in Wetter. In einem Firmengebäude in Hagen bauten sie hochwertige Metalle aus Arbeitsmaschinen für den Abtransport aus, die dann allerdings vor Ort zurückblieben.

Viel Schaden, wenig Beute – so ließe sich das Ganze wohl zusammenfassen. Der Angeklagte bestätigte, dass vor allem Buntmetalle auf der Wunschliste der Bande standen. Der Schrottpreis pro Kilogramm Kupfer liegt bei immerhin vier Euro. Mehrere Male war der 39-Jährige – teilweise mit vor Ort gestohlenen Transportern – nach Venlo in den Niederlanden gefahren, um die eher magere Beute dort bei einem Schrotthändler abzusetzen.

Neun Verhandlungstage hat sich die 3. Große Strafkammer des Landgerichts für die Aufklärung der jetzt angeklagten Taten gegeben. Doch nach dem Geständnis des Angeklagten ist nicht ausgeschlossen, dass das Verfahren schneller zu Ende geht.

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