Stimmungsvolles Abendgebet der Kantorei

Die Sängerinnen und Sänger der Kantorei Halver traten am Sonntag unter der Leitung von Maike Lehmkuhl in Oberbrügge auf. Mit dem „Evensong“ wussten sie ihr Publikum zu begeistern. - Fotos: Salzmann

Oberbrügge -  „Herr, bleibe bei uns“, denn es will Abend werden: Mit einer Andacht in Form eines „Evensongs“ in anglikanischer Tradition – Musik, Lied und Wort zum Tagesausklang – ehrte die Kantorei Halver das biblische Wort am Sonntag in der evangelischen Kirche Oberbrügge nach alter Sitte.

Von Monika Salzmann

Unter Leitung von Maike Lehmkuhl luden die Sängerinnen und Sänger ihre Zuhörer in Gesang, Lesung, Zeit der Stille, Gebet und Segen zum Innehalten und Loslassen der Ereignisse des Tages ein. Wie ein roter Faden durchzog die Bitte der Emmaus-Jünger „Herr, bleibe bei uns“ – Motto des Evensongs – das stimmungsvolle, musikalisch-meditative Abendgebet.

Ausgesucht klangschöne Weisen aus alter und neuer Zeit, darunter zwei Sätze aus der Johannespassion BWV 245 von Johann Sebastian Bach, brachte die Kantorei a cappella und mit Instrumentalbegleitung zu Gehör.

Sowohl der ergreifende Choral „Dein Will gescheh“ aus dem ersten Akt der Passion (Verrat und Gefangennahme) als auch der Chorus „Ruht wohl, ruht wohl“ (Grablegung) dienten dabei als kleiner Vorgeschmack auf die Aufführung des berühmten Bach-Werks am 22. März 2015 (17 Uhr) in der Christus-König-Kirche in Halver. Begleitet wird die Kantorei, so am Sonntag bei den Abkündigungen von Elke Minuth-Wiesner zu hören, dann vom Orchester „Musica Sacra“ und namhaften Solisten.

Hoch emotional setzte der Chor auf gewohnt hohem Niveau die ergreifenden Weisen aus der Passionsvertonung um, jeder Takt eine gesungene Einladung zum Konzert. In Wort und Musik durchzog die Bitte um Beistand „Herr, bleibe bei uns“ das Evensong-Programm. Entsprechend lenkte Kerstin Ebert (Liturgin) in ihrer Ansprache auf die Emmaus-Jünger, mit deren Geschichte die Bitte verbunden ist, den Blick.

Von Nöten, Belastungen und Trost war die Rede. Besonders im Herbst sei das Gefühl der Schwere („Wenn die Last des Lebens auf den Schultern liegt“) leicht nachzuvollziehen. Anschaulich erweckte sie die im Lukasevangelium geschilderte Episode der Ostergeschichte zum Leben. In Anlehnung an die überlieferte Tradition des Chorgebets, das der Musik zentralen Stellenwert im Andachtsgeschehen einräumt, baute die Kantorei beim Evensong tragfähige Brücken zwischen alter und neuer Musik. Barockes Gotteslob wie William Byrds „Herr, öffne meine Lippen“ und zeitgenössische Jazz-Gregorianik wie Thomas Gabriels „Te lucis ante terminum/Müde bin ich, geh zur Ruh“ – von den Männern auf Lateinisch, von den Frauen auf Deutsch gesungen – begegneten sich im stil- und epochenübergreifenden Programm. Im groß angelegten Kyrie aus Antonin Dvoráks D-Dur Messe, dem bekannten Gebetslied „O Herr, gib Frieden“ von Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski und anderen innigen Weisen machten die Sängerinnen und Sänger mit den Ereignissen des Tages ihren Frieden. Gefühlvolle Intonation, Präzision und saubere Artikulation zeichneten die Darbietungen aus. In gemeinsamen Liedern luden sie ihre Zuhörer in der gut besuchten Kirche immer wieder zur Reflexion, zum Loslassen, Danken und Beten ein. Instrumental setzten Maike Lehmkuhl (Klavier), Claudia Fabry-Sünder (Querflöte) und Juditha Lehmkuhl (Violine) farbenreiche Akzente.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare