Stimmen zur Wahl: Nachgehakt bei den Ratsfraktionsvorsitzenden

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Nach gewonnener Wahl bildete sich vor dem neuen Bürgermeister Michael Brosch eine Schlange an Gratulanten. Allen voran Werner Lemmert, Fraktionsvorsitzender der UWG.

Halver -  Das Wahlergebnis war für die Mehrheit eine Überraschung: Michael Brosch ist neuer Bürgermeister der Stadt Halver. Der Allgemeine Anzeiger hat die Vorsitzenden der fünf Ratsfraktionen nach einer Einschätzung zum Wahlausgang gefragt. Die fanden nicht zuletzt zur Wahlbeteiligung von 41,43 Prozent klare Worte.

Mit deutlichen 58,99 Prozent wählten die Halveraner am Sonntag Michael Brosch zu ihrem neuen Bürgermeister. Die Freude über diesen Wahlausgang ist Hartmut Wächter, erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, anzumerken. Man habe zwar damit gerechnet, dass Brosch das Rennen machen wird. Von einem so deutlichen Ergebnis sei jedoch vorher niemand ausgegangen. „Es war ein intensiver Wahlkampf, mit vielen Aktionen und einem großen Team“, lobt Wächter die Bemühungen der vergangenen Wochen. Die Aufbruchstimmung sei deutlich gewesen. „Michael Brosch konnte die Bürger mit seinem Wahlkampf erreichen. Er war ein Kandidat zum Anfassen, mischte sich unter die Halveraner.“ Wächter wünscht dem neuen Bürgermeister nun viel Kraft bei den kommenden Aufgaben: „Es gibt viel Arbeit.“

Einige Irrtümer nicht ausgeräumt

„Der Wähler hat entschieden“, fasst Martina Hesse, Fraktionsvorsitzende der CDU, das Ergebnis vom Sonntagabend zusammen. „Wir waren total überrascht.“ Dass es schwer werden würde, und vielleicht auch knapp, davon sei schon auszugehen gewesen. Aber mit einer Niederlage habe keiner gerechnet. „Bernd Eicker hat gute Arbeit geleistet. Er hat vieles erreicht, was Halver mittel- und langfristig nach vorn gebracht hat.“ Er habe in der Vorbereitung auf die Wahl als Kandidat alles gegeben. Allerdings, so vermutet Hesse, hätte Bernd Eicker Entscheidungen und Prozesse vermehrt und offener kommunizieren müssen. Er habe mehr das Gespräch mit dem Einzelnen gesucht und weniger mit der Masse. Einige Irrtümer hätten so vermutlich nicht ausgeräumt werden können. Das „Zünglein an der Waage“ war am Sonntag laut Hesse die Rückendeckung der UWG für Michael Brosch. Die CDU will nun in die Oppositionsarbeit einsteigen. Die geringe Wahlbeteiligung empfindet Martina Hesse als „erschütternd“.

Eindeutige Erwartungshaltung

„Die Zielsetzung der UWG ist aufgegangen“, sagt Fraktionsvorsitzender Werner Lemmert. Man habe den Bürgerwillen umsetzen und die Stimmungslage aufgreifen können, so Lemmert, der die Entscheidung der UWG, eine Wahlempfehlung für Michael Brosch ausgesprochen zu haben, bekräftigt. Allerdings gehe man nun mit einer eindeutigen Erwartungshaltung in die neue politische Arbeit. „Wir erwarten in Zukunft eine konstruktive und frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik“, macht Lemmert deutlich. Die UWG blicke der Amtszeit von Michael Brosch optimistisch, aber zugleich auch fordernd entgegen. „In der Vergangenheit hat sich die UWG in Entscheidungsprozessen nicht immer mitgenommen gefühlt“, sagt Lemmert. Nun blicke man „positiv gestimmt“ in die Zukunft. Wenngleich der Wunsch nach Veränderung seitens der Bürger in der Vergangenheit deutlich spürbar gewesen sei, hatte auch Werner Lemmert mit einer solch zahlenmäßigen Klarheit des Wahlausgangs nicht gerechnet. „Enttäuschend, aber zu erwarten“, beurteilte Lemmert die Wahlbeteiligung in Halver. „Auch das ist eine Aufgabe der Politik.“

Transparenteren Dialog

Überrascht über den Ausgang der Wahl war auch Karl-Friedrich Osenberg, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen. „Ich dachte, dass es knapp wird, aber ich war davon ausgegangen, dass Bernd Eicker Bürgermeister bleibt“, sagt Osenberg. Er habe aber auch gehört, dass in den vergangenen Monaten zunehmend Unzufriedenheit über Eicker geherrscht haben soll, was seiner Voraussicht nach aber höchstens ein knappes Ergebnis zur Folge gehabt hätte. Über die Gründe, warum es für Eicker am Sonntag nicht gereicht hatte, wollte Osenberg gestern nicht spekulieren. Es sei aber seines Erachtens der SPD besser gelungen, im Rahmen des Wahlkampfes ihre Wählerschaft zu mobilisieren. Die SPD, so Osenberg, habe den aktiveren Wahlkampf geführt. „Ich hatte den Eindruck, dass seitens der CDU eine gewisse Sicherheit über den ihrerseits erwarteten Wahlausgang herrschte.“ Aufgrund der positiven Erfahrungen, die er mit Michael Brosch in den vergangenen Jahren gemacht hat, freut sich Osenberg nun auf die politische Zusammenarbeit. „Ich hoffe nun auf einen transparenteren Dialog zwischen Verwaltung und Politik“, sagte er im Rückblick auf die Eicker-Jahre, nicht aber ohne zu erwähnen, dass er die Punkte, an denen er mit Bernd Eicker sehr gut zusammengearbeitet habe, in Erinnerung halte.

„CDU-Wahlkampf war eher schwach“

Eine „große Überraschung“ war das Ergebnis auch für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Andreas Gerrath. Auch er habe mit einem deutlich anderen Wahlausgang gerechnet. „Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Michael Brosch“, sagte Gerrath. Er selbst pflege einen guten Draht zu dem künftigen Bürgermeister der Stadt Halver. Er sei gespannt, inwieweit sich Brosch nun in die eine oder andere Richtung lehnt und ob er weiterhin seine „Politik der Vernunft“ verfolge. Den Erfolg Broschs führt Gerrath in erster Linie auf einen „erfolgreichen Wahlkampf“ zurück. Eicker habe im Wahlkampf „einen Schlag zulegen können“. „Das war eher schwach“, lautete Gerraths Urteil. „Halver war in Wechselstimmung.“ Von einer geringen Wahlbeteiligung war Andreas Gerrath ausgegangen. „Sie hätte sogar noch niedriger sein können.“

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