Stets freundlich – auch außerhalb der Bürozeit

20 Jahre lang stand Waltraud Donat den Oberbrügger Gemeindegliedern im Büro am Glockenweg mit Rat und Tat zur Seite. ▪ F. Zacharias

OBERBRÜGGE ▪ Nein, von Wehmut blieb Waltraud Donat am Donnerstag sicher nicht verschont. Die Erlebnisse aus 20 Jahren hakt man eben nicht einfach ab: Seit 1991 war sie in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbrügge Ansprechpartnerin, wenn es etwa um Formulare und Abrechnungen ging, um Diakonie-Sammlungen und Gottesdienstpläne – Donat war so etwas wie die „gute Seele“ am Glockenweg. Doch vorgestern endete für sie das Kapitel „Gemeindebüro“. Aus persönlichen Gründen hat sich Waltraud Donat für den Rückzug entschieden.

„Ich will mehr Zeit für die Familie haben, Kontakte zu Freunden intensiver pflegen als das mit dem ständigen Blick auf die Uhr möglich ist“, sagt Donat. Dass sie ihre Arbeit für die Gemeinde stets gerne gemacht hat, daran lässt sie jedoch keinen Zweifel. „Ich habe durchweg sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit“, sagt die Oberbrüggerin, die es 1977 mit ihrem Ehemann Norbert an die Volme verschlug. Aus beruflichen Gründen musste das Paar die Ruhrmetropole Essen verlassen, um im weitaus beschaulicheren Oberbrügge eine neue Heimat zu finden. „Aber diese dörfliche Gemeinschaft hat mir von Anfang an gut gefallen“, erinnert sich Waltraud Donat.

Nachfolgerin von Gertraud Stute

1991 trat sie in Sachen Gemeindeverwaltung die Nachfolge von Gertraud Stute an, die zwei Jahre zuvor im gerade erst eröffneten Gemeindebüro ihren Dienst aufgenommen hatte. Dabei habe sie den Teilzeitjob gar nicht bewusst gesucht, berichtet Donat heute. „Wir sind hier richtig hingeführt worden“, sagt die bekennende Christin, deren Ehemann ebenfalls seit Jahren als Presbyter in der Gemeinde aktiv ist.

Das Aufgabenfeld Donats teilte sich dabei in zwei Gebiete auf: zum einen all das, was mit der Gemeinde und dem anliegenden Friedhof zu tun hat, zum anderen die Sekretariatsaufgaben des Pfarrerinnen- und Pfarrer-Gebetsbundes (PGB), dessen Vorsitz Pastor Werner Kenkel inne hat. Dass sie bei dieser Vielfalt nie die Übersicht und Freundlichkeit verlor, dabei immer zuverlässig war, seien ihre größten Stärken gewesen, betonen Kenkel und sein Amtskollege Thomas Wienand anlässlich des Abschieds. „Wie man auf Menschen zugeht, ist in einem Gemeindebüro das Wichtigste“, sagt Werner Kenkel – und erinnert sich an manch positive Rückmeldung aus der Gemeinde, wenn es um erledigte „Behördengänge“ am Glockenweg ging. Denn auch abseits der offiziellen Sprechzeiten war Waltraud Donat für die Ratsuchenden da. „Starre Öffnungszeiten sind in einer so kleinen Gemeinde nicht machbar“, sagt sie. „Am schönsten war die Dankbarkeit der Leute, wenn man sich Zeit für sie genommen hatte.“

PC macht vieles einfacher, manches komplexer

Dass sich in den zurückliegenden 20 Jahren im Büro einiges geändert hat, versteht sich von selbst: Die Zettelwirtschaft ist passé, der Umstieg auf Computer hat vieles einfacher, manches aber auch komplexer gemacht. „Früher haben wir die Gemeindebriefe noch persönlich verteilt“, erinnert sich Donat. „Das ist heute nicht mehr machbar.“ Mit dem Wegfall der Küsterstelle im Jahr 2005 ergaben sich automatisch weitere Arbeitsfelder – wenn es etwa galt, Gottesdienste vorzubereiten. Doch all das erledigte Waltraud Donat mit Spaß an der Sache, mit einer Leidenschaft, die in einem frequentierten Büro wie dem am Glockenweg sicher von Nöten, aber längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Natürlich gab es in dieser Zeit auch die eine oder andere Anekdote – doch die behält Waltraud Donat lieber für sich. Ihr Chef Werner Kenkel ist da weniger zurückhaltend: Er kann sich an einen Zettel erinnern, der einst an der Gemeindebürotür hing. Aufschrift: „Bin kurz auf dem Friedhof.“ – „Das passte zur Osterzeit und hätte auch Jesus schreiben können.“ Und so hatte Kenkel auch gleich sein Predigtthema für den Ostergottesdienst gefunden. ▪ Frank Zacharias

Waltraud Donat wird im Gottesdienst am 1. Mai (11 Uhr) verabschiedet. Ihre Nachfolgerin für die Gemeinde- und Friedhofsangelegenheiten wird Sabine Faust – wir berichten noch.

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