100 Sternsinger ziehen durch Halver

Mit Farbe, Perlenketten und Turban verwandelten sich die Kinder in Könige. ▪ Weber

HALVER ▪ Die Sternsinger sind ziemlich stark. Und das ganz ohne Muskelkraft. Es ist nämlich ihr Engagement, das etwas bewegt. Sie gehen von Haus zu Haus und singen. Für Kinder in Not. Kinder wie Tola. Der Zwölfjährige ist ohne Hände und Beine auf die Welt gekommen. Sein Foto klebt auf den Spendenbüchsen, ist auf Plakaten abgedruckt. Er lacht.

„Auch Tola ist stark“, sagt Pfarrer Claus Optenhöfel. Am Freitag gab’s in der Katholischen Kirche eine Aussendungsfeier. Rund 40 Sternsinger schauen ihn erwartungsvoll an. Tola lebe in einer Heimschule. Dort habe er gelernt, mit seiner Behinderung umzugehen. Kann nun schreiben und malen. „Und das ist nur mit Spenden möglich. Denn Kambodscha ist ein sehr armes Land“, erklärt Optenhöfel. In diesem Jahr gehen sämtliche Einnahmen, die die Sternsinger bundesweit einsammeln, dorthin.

Das ganze Wochenende sind also auch rund 100 Halveraner Kinder im Einsatz. In 36 Bezirken klingeln sie an den Haustüren. Singen ihr Lied. Unzählige Male. Bei Leuten, die sie kennen und nicht kennen. Auch das ist irgendwie stark. Den Mut zu haben, vor Fremden zu singen. Die Nässe zu ignorieren. Die Freizeit zu opfern. Denn die meisten von ihnen sind an allen drei Tagen im Einsatz.

Claus Optenhöfel stellt das Thema Stärke in den Fokus der Aussendungsfeier. Lässt die Kinder im Armdrücken gegeneinander antreteten. Und testen, wer länger nicht lachen kann. „Es gibt eben viele Wege, stark zu sein.“ Der Pfarrer gestaltet den Gottesdienst lebendig, bezieht die Kinder mit ein. Und die mischen richtig mit. Das Thema Armut und Krieg bewegt sie. Sie erzählen Optenhöfel von ihren Großvätern, die selbst dienten. Und von Berichten, die sie im Fernsehen gesehen haben. Lieder lockern die Atmosphäre immer wieder auf. Und die Vorfreude aufs Losziehen.

Dahinter steckt natürlich jede Menge Organisation und Vorbereitung. Dafür sind Kira Linke, Christiane Plate und Ralf Wegerhoff verantwortlich. Das Trio hat alles – zusammen mit neun weiteren Helfern – fest im Griff. Hat die Routen festgelegt, die Kinder in Gruppen eingeteilt. Und die Halveraner in kleine Könige verwandelt. Sie geschminkt. Mit Kreide, Stern und Spendendose ausgestattet.

So gut ausgerüstet und vorbereitet, hofft Ralf Wegerhoff, muss die Sammelaktion doch erfolgreich werden. Jetzt liegt es an den Halveranern. Dass viele ihre Türen für die Kinder öffnen. Und mit ihrer Spende einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es Kindern wie Tola in ihrer Heimat besser geht. ▪ Lisa Weber

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