Sternsinger sammeln Bares und Süßes

Die Sternsinger sind am Wochenende in Oberbrügge durch die Straßen gezogen. ▪ Weber

HALVER ▪ Es ist windig. Es ist kalt. So richtig ungemütlich. Lina drückt auf die nächste Klingel. „Ich habe jetzt keine Zeit“, sagt jemand mit verzerrter Stimme über die Sprechanlage. Weiter geht’s. Nächstes Haus.

„Ja, heute läuft es etwas schleppend.“ Katja Festerling zuckt mit den Schultern. Sie begleitet eine Gruppe Sternsinger. Paul (11), Anna (9) und Lina (6) sind am Samstag an der Heerstraße in Oberbrügge von Tür zu Tür gelaufen, um Geld zu sammeln. Für Kinder, denen es nicht so gut geht wie ihnen. Und sie machen es gerne, sind schon seit vielen Jahren dabei. So gerne, dass sie am liebsten gleich drei Tage hintereinander mitgelaufen wären. „Aber zwei reichen“, sagt Katja Festerling. Am nächsten Haus, ist sie sich sicher, klappt es. Lina drückt mehrere Klingeln des Mehrfamilienhauses. Es summt. „Die Sternsinger sind da“, ruft Paul und guckt von unten nach oben, ob jemand öffnet. Irmgard Rau wohnt im ersten Obergeschoss und hat bereits ihr Portmonee und Süßes in der Hand. Die Kinder singen ihr Lied, Anna schüttelt die Spendendose. „Ach, ich freue mich jedes Jahr, wenn die Sternsinger zu mir kommen. Ich bereite mich extra darauf vor“, sagt Irmgard Rau. Ihre Nachbarin nickt und steckt ebenfalls einen Schein in die Büchse. „Diesmal hatten wir Glück“, meint Katja Festerling. Generell seien es gerade die Mehrfamilienhäuser, in denen viele Türen verschlossen bleiben. Das gehöre aber dazu. „Wir müssen es akzeptieren, wenn manche Leute kein Interesse haben. Das ist ihr gutes Recht.“

Am nächsten Haus haben die Sternsinger erneut Erfolg. Wieder gibt’s Bares und Schokoladiges. Wie viel kommt da denn an Süßigkeiten zusammen? – „Wir haben schon drei Tüten voll.“ Lina grinst. So viel, dass sie zwischendurch etwas nach Hause bringen mussten. „Aber wir teilen das am Ende ganz gerecht unter allen Sternsingern auf.“ Und ist das nicht ziemlich kalt, mehrere Stunden durch Oberbrügge zu laufen? – „Doch, sehr sogar. Aber wir haben uns auch gut angezogen“, sagt Anna. Unter ihren goldenen Kronen tragen die Könige dicke Mützen. Die halten nicht nur warm, sondern sorgen auch dafür, dass sie nicht verrutschen. Ansonsten gilt das Zwiebel-Prinzip: Dank vieler Schichten lässt es sich einigermaßen aushalten.

„Aber heute ist es echt windig“, findet Lina. Da fliege ihr fast der Mantel weg. Paul hingegen ist froh, dass es nicht regnet. Am Freitag wären sie richtig nass geworden. Und trotzdem: Sternsinger wollen sie auch im kommenden Jahr wieder sein. ▪ Lisa Weber

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