Aussichtsturm an der Karlshöhe

Reine Frauensache: Steinmetzinnen restaurieren das Wahrzeichen von Halver

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Das Trio vom Turm: Die Gesellinen Nicole Heitbreder (links) und Linda Stenke (rechts), dahinter Meisterin Svenja Schrage.

Halver - Dass der Aussichtsturm an der Karlshöhe seit dem Frühjahr restauriert wird, wissen vermutlich alle Halveraner. Weniger dürfte dagegen bekannt sein, dass das Steinmetz-Handwerk auf der Baustelle am Halveraner Wahrzeichen reine Frauensache ist.

Dass der Aussichtsturm an der Karlshöhe seit dem Frühjahr restauriert wird, wissen vermutlich alle Halveraner. Weniger dürfte dagegen bekannt sein, dass das Steinmetz-Handwerk auf der Baustelle am Halveraner Wahrzeichen reine Frauensache ist. Das Trio von Steinmetzinnen findet daran nichts Besonderes. 

„Hier in der Gegend werden wir noch darauf angesprochen, bei uns zuhause nicht“, sagt Steinmetz-Gesellin Linda Stenke (29), die als Polierin die Baustelle am Aussichtsturm leitet. In Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke, wo die Firma Meyer ansässig ist, die den Turm auf der Karlshöhe restauriert, arbeiten im Steinmetz-Beruf ausschließlich Frauen. 

Auf der Baustelle in Halver sind dies neben Stenke die zweite Gesellin Nicole Heitbreder (33) und Steinmetz-Meisterin Svenja Schrage (51), die ihren Beruf schon seit 33 Jahren ausübt. Deswegen wundert sich Schrage auch, dass das für manche immer noch keine Selbstverständlichkeit zu sein scheint: „Es wird immer noch gesagt ,Oh, eine Frau im Männerberuf’, aber wir leben im 21. Jahrhundert.“ 

Von historischen Gebäuden fasziniert 

Denn im Steinmetz-Beruf, der von den meisten nur mit Grabsteinen in Verbindung gebracht werde, würden überall Leute gesucht, sagt Schrage. „Komischerweise wollen die Männer das auch nicht mehr machen, weil es so anstrengend ist.“ Nicht umsonst arbeiteten auf der Baustelle nur Steinmetzinnen. „Wenn sich Frauen dafür entscheiden, sind sie auch zäh und halten durch.“ Die Restaurierung von Kirchen und anderen alten Gebäuden macht Schrage besonders Spaß an ihrem Beruf. Das bestätigt auch Stenke. „Das Schönste ist das handwerkliche Arbeiten und am Ende des Tages etwas geschafft zu haben“, sagt die Polierin. „Und dass man ein Gebäude für die Nachwelt erhält.“ 

Steinmetz-Gesellin Linda Stenke stemmt mit einem Druckluft-Werkzeug die Fugen am Aussichtsturm aus. Außerdem leitet sie als Polierin die Baustelle an der Karlshöhe.

Da sie schon immer von historischen Gebäuden fasziniert war, entschied sich Stenke auch für den Beruf der Steinmetzin. Zuvor hatte sie eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, merkte dann aber, dass ihre Interessen mehr im Handwerklichen lagen. Sie informierte sich im Internet gezielt über den Steinmetzberuf.

„Ich fand den Bereich Gebäuderestaurierung am interessantesten“, sagt sie. Deswegen bewarb sie sich bei dem Restaurationsbetrieb Meyer, machte erst ein Praktikum, danach die dreijährige Lehre. Die Ausbildung mitgerechnet ist sie nun seit fünf Jahren Steinmetzin. 

Hauptsächlich wird mit Druckluft-Werkzeug gearbeitet, mit Winkelschleifer und Stemmhämmern in verschiedenen Größen. „Für filigrane Arbeiten, zum Beispiel bei den Fugen, nehmen wir kleinere, zum Ausstemmen gröbere“, erklärt Stenke. „Aber wenn man keinen Kompressor da hat, arbeitet man auch mit Hammer und Meißel.“ 

Die Kupferabdeckungen auf der Mauerkrone wurden bereits angebracht.

An die Zeiten ohne Flex und andere Druckluft-Werkzeuge kann sich Schrage noch erinnern: „Da haben wir noch alles von Hand gemacht.“ Aber nicht nur das Werkzeug hat sich gewandelt, sondern auch die Techniken. Früher habe man noch mit Antragungen gearbeitet, also herausgenommene Steine hinterher wieder eingesetzt. Das mache man heute anders. „Wenn wir es wirklich nachhaltig machen wollen, setzen wir neue Steine ein.“ 

Überraschungen unterm Mauerwerk 

Die Steinmetzinnen arbeiten sich mit ihren Kollegen – drei Maurer und im späteren Verlauf der Arbeiten auch Fuger aus ihrem Betrieb – von oben nach unten fort. Es dauert etwa eine Woche, um auf anderthalb Etagen die Fugen auszustemmen und beschädigtes Mauerwerk zu entfernen. „An so einem großen Bauwerk aus Ziegeln zu arbeiten ist spannend“, sagt Stenke. 

Unter den Ziegeln kämen einige Überraschungen zum Vorschein, zum Beispiel früher verbaute Träger und Anker aus Eisen, die inzwischen verrostet sind und damit auch das umliegende Gestein sprengen. „Man lernt noch immer was dazu.“

Schutzkleidung ist bei der Arbeit Pflicht. Eine Schutzbrille gegen umherfliegende Steinsplitter gehört ebenso dazu wie Ohrenschützer – wegen der lauten Druckluftwerkzeuge – und Atemschutz gegen den Staub. „Den Lärm nimmt man mehr wahr als die Staubpartikel“, sagt Stenke, aber alle Schutzmaßnahmen seien bei der Arbeit sehr wichtig.

Egal mit welchem Werkzeug – die Arbeit ist eine körperliche Belastung. „Wenn man den ganzen Tag kniet, ist das sehr anstrengend“, sagt Svenja Schrage. Und auch in die Arme geht die Arbeit, sagt Stenke: „Ich merke abends, was ich getan habe, aber ich brauche das auch. Ein Bürojob wäre einfach nichts für mich.“

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